Pilze - Meister der Zersetzung

Steife Koralle an Holzmulch
Steife Koralle an Holzmulch

Saprobiontische Pilze, also Pilze, die sich von abgestorbener, organischer Substanz ernähren, sind Meister im Abbau pflanzlicher und tierischer Abfälle und sorgen so für den steten Nährstoffkreislauf, der ein Ökosystem am Leben hält.

 

Ohne Pilze würden sich Laub und abgestorbene Pflanzen stapeln, aber keine neuen mehr nachwachsen. Erst durch die Zersetzungsarbeit der Pilze (und Bakterien) werden sie wieder in ihre anorganischen Einzelteile zerlegt und für den Aufbau neuen Lebens verfügbar gemacht.

Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Zersetzung von Holz, dessen Bestandteile Zellulose und Lignin ausgesprochen stabile Verbindungen darstellen. Erst der enzymatische Angriff der Pilze leitet den Abbau dieser Substanzen ein und macht den abgestorbenen Baum zu einem neuen Lebensraum, dem Lebensraum Totholz.

 

In und vom enzymatisch aufbereiteten Totholz leben unzählige Pflanzen-, Tier- und Pilzarten und bilden einen der artenreichsten Mini-Lebensräume überhaupt. Als Pioniere nutzen Flechten und Moose die ersten frei werdenden Nährstoffe. Zahlreiche Insektenarten, Schnecken und Würmer finden sich ein, die wiederum Spinnen, Reptilien, Amphibien, Vögel und Säugetiere anziehen und ernähren. Ist das Totholz abgebaut, bleibt nährstoffreicher Humus zurück, auf dem junge Pflanzen prächtig gedeihen können, bis ein neuer Baum sich durchsetzt und den Platz des alten, abgestorbenen Baumes einnimmt.

 

Aber nicht nur große Baumstämme dienen dem Nährstoffkreislauf. Im Kleinen passiert die Zersetzung mit jedem abgestorbenen Pflanzenteil und allen tierischen Überresten.

Erst dieses Recyclingsystem ermöglicht die Schließung der Nahrungsketten und eine echte Artenvielfalt - auch im Naturgarten.

Recycling durch Pilze - Bedeutung für den Naturgarten

  • Kompost: In den meisten Naturgärten wird hin und wieder Kompost gebraucht. Sei es bei der Pflanzung von Bäumen und Hecken oder bei der Anlage von Staudenbeeten und Blumenwiesen. Dafür muss man keinen Kompost kaufen und erst recht keine torfhaltige Blumenerde. Aus den im Garten anfallenden Pflanzenresten lässt sich dieser kostenlos mithilfe von den sowieso vorhandenen Pilzen und Bakterien herstellen.
  • Nährstoffkreislauf: Im gesamten Garten sorgen Pilze durch die Zersetzung organischen Materials für einen gesunden Nährstoffkreislauf. In Rasen, Wiesen, Beeten und unter Hecken und Bäumen bauen sie totes, pflanzliches Material ab und führen die darin gebundenen Nährstoffe wieder dem Ökosystem zu.
  • Düngung: Belässt man abgestorbene Pflanzenteile im Garten, welche von Pilzen und Bakterien wieder in pflanzenverfügbare Nährstoffe umgebaut werden, verringert sich die Notwendigkeit zu Düngen.
  • Artenvielfalt: Von abgestorbenem Holz und verwelkten Pflanzenteilen leben viele Tiere, ganze Nahrungsketten bauen darauf auf. Jedoch müssen zunächst die stabilen Verbindungen wie Lignin und Zellulose enzymatisch durch Pilze vorbereitet werden. Für mehr Artenvielfalt im Garten sollte man daher ungestörte Ecken einrichten, in denen Pilze ihre Arbeit verrichten und Totholz, Laub und andere Pflanzenteile in Ruhe abbauen können.