Was macht eigentlich der fischfreie Teich? (Projekt Artenschutz)

Fischfreier Gartenteich
Fischfreier Teich - frisch befüllt und noch nicht ganz fertig.

Seit einiger Zeit hatte ich bereits mit den Gedanken gespielt, einen fischfreien Teich zu bauen. Aber warum unbedingt fischfrei? Es macht doch Spaß, Fische zu beobachten und außerdem gehören einheimische Fische doch auch in unsere Ökosysteme. Das ist richtig, aber nur teilweise.

Es gibt aquatische Ökosysteme, deren Bewohner dringend darauf angewiesen sind, dass ihre Gewässer fischfrei bleiben. Denn Fische sind ihre gefährlichsten Fressfeinde und können alle Individuen einer solchen Art auslöschen, wenn sie sich bspw. im gleichen Teich befinden.

 

Natürliche fischfreie Gewässer sind in der Regel temporär, so wie Pfützen und Wasserlachen, die nach Hochwassern zurück bleiben. Auch natürliche, wassergefüllte Senken und Teiche, die nur in manchen Jahren vollständig austrocknen, zählen dazu.

 

In diesen Lebensräumen leben wegen der Gefahr der Austrocknung an diese Bedingungen angepasste Tierarten mit einer schnellen Larvenentwicklung. Dazu zählen neben verschiedenen Kleinlebewesen z.B. Kreuz- und Wechselkröten. In langlebigeren Gewässern auch manche Molcharten. Für Fische hingegen sind diese Biotope nicht geeignet.

 

Leider sind temporäre Kleingewässer fast vollständig aus unserer Landschaft verschwunden. Schuld daran sind eingedeichte Flüsse und fehlende Auen, die flächendeckende Drainierung von Acker- und Wiesenflächen, das Zuschütten von „störenden“ Teichen auf Äckern, aber auch das Asphaltieren von Feld- und Wirtschaftswegen. Noch vorhandene fischfreie Tümpel wurden zudem von Anglern oft mit Fischen besetzt.

 

Dementsprechend sind die charakteristischen Arten dieser speziellen Lebensräume durchweg auf dem Rückzug und in sämtlichen Roten Listen als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht aufgeführt.

 

Aber zurück zu meiner Teichplanung. Macht die Anlage eines fischfreien Teiches unter dem Aspekt des Artenschutzes in einem Garten wirklich Sinn? Diese Frage würde ich für mich gerne beantworten. Und wie heißt es so schön: Versuch macht kluch!

 

Leider fehlte mir eine ganze Zeit die Motivation, meinen Versuch auch umzusetzen. Bis zur letzten Lebensraumkontrolle. Da hüpfte ja eine Kreuzkröte durch unseren Garten! Wenn das mal kein Zeichen war, in jedem Fall aber der Startschuss für das Projekt ‚Fischfreier Gartenteich – Beitrag zum Artenschutz?’.

 

Einige Dinge mussten dafür bei der Planung berücksichtigt werden. Wenn man tatsächlich einen Teich für Kreuzkröten anlegen möchte, dann sollte dieser nicht zu tief sein. Damit er das Wasser bis zur Vollendung der Larvenentwicklung hält, ist aber eine Tiefe von 30-40 cm nötig (wenn man so wie wir nur zeitweise vor Ort ist und nicht immer Wasser nachkippen kann, sonst reichen auch weniger). Das Substrat sollte sandig bis lehmig sein und nach unten hin abgedichtet. Wir entschieden uns für die gute alte Teichfolie. (Solch eine „Pfütze“ ist übrigens auch ein hervorragendes, natürliches Planschbecken für kleine Kinder, wenn grad keine Larven drin sind.)

Außerdem sollte er gar nicht oder nur äußerst spärlich bepflanzt werden.

 

Wir entschlossen uns aber, den Teich so zu planen, dass er bei einer ausbleibenden Besiedlung auch als Libellen-, Frosch- und Molchtümpel gute Dienste leisten würde. Also hat unser Teich eine 80 cm breite und 90 cm tiefe Vertiefung bekommen. Diese dient auch als Wasserreservoir in allzu trockenen Zeiten. Ob es die Kreuzkröten abschreckt, werden wir sehen, wenn sie ihn komplett ignorieren. In diesem Fall könnten wir die Vertiefung aber leicht wieder zuschütten und später bei Bedarf erneut ausheben.

 

Der Teich ist nun insgesamt ca. 5 m lang, 3,5 m breit und 10-30 cm (90 cm) tief.

Er ist noch nicht ganz fertig, der Rand muss noch gestaltet werden. Da wir ihn erst Ende Juni angelegt haben, rechne ich auch nicht wirklich mit Kreuzkröten in diesem Jahr, aber im nächsten Frühling möchten sie doch bitte, bitte hier drin laichen!

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