Pflanzen - ihre Bedeutung im Naturgarten

Eberesche mit reifen Früchten
Die Beeren der Eberesche dienen mehr als 60 Vogelarten als Futter in der kalten Jahreszeit.

Pflanzen spielen in nahezu jedem Garten eine zentrale Rolle. Konventionelle Gärten werden hauptsächlich nach optischen Kriterien bepflanzt, während bei Nutzgärten der Schwerpunkt auf Obst, Gemüse und Nussbäume gelegt wird.

Naturgärtner jedoch gehen auf eine ganz andere Weise an dieses Thema heran. Wie der Name schon sagt, wollen wir uns mit dieser Form der Gartengestaltung die Natur direkt vor unsere Haustür holen. Und zwar so vielfältig und artenreich wie möglich.

Dabei kommt der Wahl geeigneter Pflanzen eine ganz besondere Bedeutung zu, denn nur mit den richtigen Arten kommen wir unserem Ziel mit der Natur direkt vor der Nase auch wirklich nahe.

Mit einem kurzen Blick auf die Rolle, die Pflanzen sowohl in der Natur als auch im Garten spielen, soll ihre Bedeutung hier kurz hervorgehoben werden.

 

Nahrung

 

Ob Honig und Pollen für Wildbienen und Schmetterlinge, Blätter für Raupen und Käfer oder Früchte für Vögel und Säuger - Pflanzen stehen am Beginn der Nahrungsketten und produzieren eine Vielzahl verschiedener Nahrungsmittel für unsere heimischen Tiere. Weil viele Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer und Vögel auf ganz bestimmte Futterpflanzen spezialisiert sind, welche in unserer Umwelt zum Teil immer seltener werden, wollen wir genau diesen Arten zusammen mit ihren Tieren in unseren Naturgärten einen neuen Lebensraum bieten.

Bei der Suche nach den ökologisch wertvollsten Pflanzen fällt auf, dass es sich hierbei nicht um exotische, sondern um heimische Arten handelt. An diese hat sich unsere Tierwelt seit Tausenden oder Millionen von Generationen angepasst, während prächtig blühende und fruchtende Exoten nicht als Nahrung erkannt werden und teils sogar giftig sind.

 

Schutz

 

Unterm Blätterdach eines Baumes, im Spechtloch, im Falllaub des letzten Herbstes und an der Unterseite eines Weinblattes - überall verstecken sich Tiere. Vor Regen, Sonne, Wind und natürlich vor Feinden. Dornenranken von Wildrosen und Brombeeren setzen gefräßigen Räubern Grenzen und bieten unerfahrenen Jungtieren Schutz. Aber nicht nur Tiere, auch Menschen nutzen die Schutzwirkung von Pflanzen, z. B. durch Windschutzhecken an zugigen Stellen im Garten oder als grünen Sichtschutz zum Nachbarn.

 

Lebensraum

 

Pflanzen schaffen Lebensräume. Im Vergleich zu einem unbegrünten Boden vergrößern sie die von Tieren bewohnbare Fläche um ein Vielfaches.

Ein Baum z. B. ist ein ganzer Lebensraum für sich. Manche Tiere erblicken hier das Licht der Welt und finden alles, was sie brauchen, so dass sie ihn nie verlassen müssen. Aber auch kleine Pflanzen stehen dem nicht nach. Spinnen, die es sich auf der Jagd nach Nektar sammelnden Insekten in bunten Blüten gemütlich machen. Oder Larven verschiedener Tiere, die sich nur innerhalb der Wirtspflanzen in ihre fortpflanzungsfähigen Imaginesstadien entwickeln können. All diese Individuen sind auf geeignete Pflanzenarten angewiesen.

 

Nistplatz und Nistmaterial

 

In dornigen Sträuchern und in hohen Bäumen bauen viele Vogelarten ihre Nester. Löcher in Stämmen und Ästen werden nicht nur von Vögeln genutzt, auch Wildbienen, Eichhörnchen und Siebenschläfern dienen sie als Bruthöhlen. Zusätzlich spielen viele Pflanzenteile beim Nestbau eine wichtige Rolle. Beutelmeisen z. B. benötigen die Samenwolle von Pappeln und Weiden für den Nestbau, Hornissen sammeln morsches Holz und verarbeiten es zu Baumaterial. Andere Insekten wiederum falten und formen aus Laubblättern nestähnliche Gebilde, in denen sich ihre Eier und Larven geschützt entwickeln können.

 

Struktur

 

Pflanzen strukturieren ein Gelände. Niedrige Pflanzen schaffen Offenlandschaften bzw. im Garten Rasen-, Wiesen- und Beetflächen. Diese werden von Gebüsch und Bäumen begrenzt. Durch diese Strukturierung entstehen Reviere und verschiedene Kleinlebensräume.

 

Mikroklima

 

Pflanzen speichern Wasser und geben dieses sehr langsam wieder an die Umwelt ab. In dichten Pflanzenbeständen (in Wiesen, unter Büschen, in Wäldern) ist es deshalb auch nach einer längeren Trockenperiode immer noch verhältnismäßig feucht. In dieser feuchten Umgebung können viele Kleintiere noch lange leben, auch ohne regelmäßige Niederschläge.

Das verdunstende Wasser sowie die Beschattung durch Blätter sorgen ebenfalls für ausgleichende Effekte bei den Spitzentemperaturen im Sommer. Jeder kennt den kühlenden Effekt eines Waldes mitten im Hochsommer. Gleiches passiert auch in niedrigeren Pflanzenbeständen. Im Winter passiert das Gegenteil. Organisches Material hält den Wärmeverlust zurück und verhindert ein ähnlich starkes Absinken der Temperatur, wie es auf offenen, unbewachsenen Flächen der Fall ist.

 

Erosionsschutz

 

In der Landwirtschaft und im Straßenbau macht man sich schon längst den befestigenden und stabilisierenden Effekt von Wurzeln und oberirdischen Pflanzenteilen zunutze. Auch im Garten können Hangflächen durch Bepflanzung vor Erdrutschen geschützt werden.