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MIT DIESEN PFLANZEN WIRD EIN NATURGARTEN ZUM NUTZGARTEN

Was für eine erschreckende Zeit, in der wir uns gerade befinden! Die beunruhigende Richtung, die die Corona-Krise hier und in weiten Teilen der Welt eingeschlagen hat, wirkt irgendwie surreal und wie ein schlechter Traum.

Ich hoffe, dass die drastischen Maßnahmen zur Verringerung der Ausbreitung bald Wirkung zeigen und die Zahl der Neuinfektionen und damit auch der schweren Krankheitsverläufe zurückgeht. Aber noch befinden wir uns in einer Phase, in der die Zahl der Erkrankten täglich rasant wächst und mit ihr die Unsicherheit unter den Menschen.

Die Hamsterkäufe und leeren Regale sind wohl Ausdruck dieser Unsicherheit, aber auch der Gewissheit, dass man auf so einen Fall nicht vorbereitet ist und wenigstens einen kleinen Vorrat aufbauen muss. Nicht nur wegen einer drohenden Quarantäne, auch wegen möglicher Lieferengpässe.

Noch besser wäre es natürlich, gar nicht erst so stark abhängig zu sein von solchen Lieferketten. Damit wäre mir und wahrscheinlich auch vielen anderen jetzt deutlich wohler. Hier kommt das unglaubliche Potenzial eines eigenen Gartens in Spiel.

Für meine Großeltern z.B. war es noch selbstverständlich, sich zu einem großen Teil von ihrem Grundstück selbst zu versorgen. Dafür hatten sie eine große Hühnerschar, einen Kaninchenstall, eine Milchkuh, ein Bienenhaus, eine Streuobstwiese und einen großen Nutzgarten.

Ein mühevolles, arbeitsreiches Leben haben sie geführt, aber eine Krise wie diese hätten sie einfach mit ihren selbst produzierten Lebensmitteln aussitzen können.

In den letzten Tagen habe ich viel Zeit im Garten verbracht und meine Pläne konkretisiert, die ich erst mal wegen der noch ausstehenden Sanierungsarbeiten auf Eis gelegt hatte. Aber trockene Kellerwände hin oder her, die aktuelle Situation treibt mich dazu, jetzt umzusetzen, was ich schon lange mit unserem neuen Garten geplant hatte.

Seit ich wusste, dass wir in dieses Haus einziehen konnten, habe ich mir vorgenommen, anders als bei unserem Ferienhäuschen nicht nur einen reinen Naturgarten anzulegen, sondern einen Naturgarten mit einem Nutzgarten zu kombinieren.

Aber geht das überhaupt? Sind beide Gartenformen, also Nutz- und Naturgarten, miteinander vereinbar? Der Sinn beider Bewirtschaftungsformen könnte ja kaum unterschiedlicher sein.

Nutzgärten haben das Ziel, Lebensmittel für Menschen zu erzeugen. Viele Wildtiere sind in ihnen nicht so gerne gesehen, da sie große Schäden unter den Kulturpflanzen anrichten können. Zwar gibt es traditionell eine Unterscheidung zwischen Schädlingen und Nützlingen, aber seit die Schädlinge auch mit chemischen oder anderen Mitteln in Schach gehalten werden können, spielen Nützlinge bei vielen Gärtnern keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

Ein Naturgarten hingegen wird für Wildtiere angelegt. Pflanzen werden gezielt so gewählt, dass sie vielen verschiedenen, darunter gefährdeten Tierarten Nahrung, Unterschlupf und Brutmöglichkeiten bieten. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist tabu und eine Einteilung in Schädlinge und Nützlinge wird auch kaum vorgenommen. Meist spielen Schädlinge aber auch keine große Rolle, da sie selten in Massen vorkommen und kein Ernteertrag erwartet wird, der durch sie verringert werden könnte.

Soweit die Unterschiede. Das hört sich zunächst nicht so an, als wären Nutz- und Naturgarten gut vereinbar.

Und dennoch, es gibt so einige Obst- und Gemüsearten, die einen hohen ökologischen Wert haben und hervorragende Nahrungspflanzen für Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel darstellen. Hier sind einige von ihnen:

Übersicht über ein paar ausgewählte Pflanzenarten, die sowohl im Nutz- als auch im Naturgarten von hohem Wert sind:

Nutzpflanze Wert für den Naturgarten
Apfelbaum

Blüten spenden Pollen und Nektar für Wildbienen

und andere Insekten.

Früchte werden von Vögeln und Säugetieren

gefressen.

Birnenbaum
Sauerkirsche
Zwetschge
Himbeere
Johannisbeere
Erdbeere
Wein
Holunder
   
Möhre Raupen-Futterpflanzen für den Schwalbenschwanz
Fenchel
Chicoree/Zichorie

Blühend ist sie eine Nahrungspflanze für spezialisierte

Wildbienen,

Samen sind gutes Vogelfutter

Spargel Spargel-Sandbiene
Erbsen

Nahrungspflanzen für die auf Hülsenfrüchtler spezialisierten

Wildbienenarten

Bohnen
Kohl- und Retticharten

Nahrungspflanzen für die auf Kreuzblütler spezialisierten

Wildbienenarten,

Raupen-Futterpflanzen für Schmetterlinge (Kohlweißlinge

können größere Schäden anrichten)

   
Hasel

Wichtige Nahrungspflanze für zahlreiche Insekten-, Vogel-

und Säugetierarten

Hagebuttenrosen

Blüten sind Pollenspender für Rosenkäfer und Wildbienen,

Hagebutten werden im Winter von mehreren Vogelarten

gefressen.

   
Salbei Gute Nektarpflanzen für Wildbienen und Schmetterlinge
Schnittlauch
Thymian
Knoblauch
Zwiebeln
Porree

Gerade Wildbienen stellen dabei keine Konkurrenz für den Menschen dar, manche Schmetterlinge und Vögel hingegen schon.

Aber was kann man tun, um sich seinen Teil der Ernte zu sichern, ohne die Tiere zu vertreiben oder ihnen gar zu schaden?

 

Zuerst einmal abwarten und beobachten, welche Tiere überhaupt kommen und wie groß der Schaden ist, den sie anrichten. In den guten Jahren reicht die Ernte oftmals für alle.

 

Und in den anderen Jahren darf man sich ruhig sein Stück vom Kuchen reservieren.

Nimmt z. B. der Vogelfraß an den süßen Früchten Überhand, kann man einen Teil von ihnen mit Gartenvlies/engmaschigen Insektenschutznetzen davor schützen (Bitte nicht mit grobmaschigen Netzen! In denen verheddern sich Vögel sehr schnell und verenden oft, bevor sie gefunden und gerettet werden können).

 

Genauso kann man mit den Kohlpflanzen vorgehen, die ansonsten wohl alle von den Kohlweißlingen in Beschlag genommen werden würden.

 

Und gegen gefräßige Nacktschnecken in Hochbeeten sollen Kupferbänder hilfreich sein.

All diese Maßnahmen machen den Einsatz von Pestiziden überflüssig, wodurch der Garten auch weiterhin ein Naturgarten bleibt.

Dann kann man sich bei den Pflanzen und Früchten, die man den Tieren überlässt, ganz ohne Groll über interessante Tierbeobachtungen freuen. So wie man es auch im reinen Naturgarten machen würde.

BLEIBT GESUND!


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