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SO WIRD DER NATURGARTEN SCHÖN! (DOS AND DON'TS)

In einem Naturgarten steht der Nutzen für wilde Tiere im Vordergrund. Vögel, Insekten, Amphibien oder Reptilien sollen hier Nahrung und Lebensraum finden. 

In meinen Gesprächen stelle ich aber immer wieder fest, dass viele Menschen sich zwar für die Unterstützung der Biodiversität im eigenen Garten interessieren, dass sie aus Angst vor einer ungepflegten Optik und kopfschüttelnden Nachbarn es aber doch bleiben lassen.

Vor kurzem hatte ich gerade eine solche Unterhaltung. Mit einem Bekannten, der sich aktiv für Umwelt- und Naturschutz einsetzt. Aber eine Umgestaltung seines Gartens in einen Naturgarten konnte er sich nur schwer vorstellen. Vor allem nicht im Vorgarten. Begründung: "Der Garten ist ein Aushängeschild und muss schön aussehen!"

Nun liegt Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters. Aber es gibt ein paar Dinge, die von den meisten Menschen als schön empfunden werden. Diese lassen sich auch im Naturgarten ein- und umsetzen!

Denn wenn Zweifel an einer vorzeigbaren Optik der Grund sind, sich gegen einen Naturgarten zu entscheiden, dann möchte ich diese Zweifel mit dem heutigen Artikel ausräumen.

 

 

Los geht es mit den Dos:

1. NATÜRLICHE MATERIALIEN

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In der Einrichtung des Hauses gilt schon lange: natürliche Materialien sehen edel, ordentlich, hochwertig und schick aus. Es macht viel her, wenn anstelle von quietschbunten Plastikutensilien solche aus Holz, Baumwolle oder Keramik verwendet werden.

Das Gleiche gilt für den Garten:
 
Zäune und Gartenmöbel aus Holz, Mauern aus regionalen Natursteinen, Töpfe aus Ton oder Keramik und Gießkannen aus Metall unterstreichen die Optik des Naturgartens und ergeben einen einheitlichen und stimmigen Look. Und was stimmig aussieht, sieht gut aus!

2. EIN PASSENDER ZAUN

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Auch in Sachen Zaun lässt sich einiges aus der Gartenoptik herausholen. Zumindest wenn die Gartenumrandung bislang aus einem lieblos aufgestellten Maschendrahtzaun besteht (wie bei uns). Dann ist noch Verbesserungspotenzial vorhanden.

Beim Zaun gilt, dass er zum Haus passen sollte. Ein Staketenzaun eignet sich für Bauernhäuser und alle Einfamilienhäuser, die Merkmale von Bauernhäusern aufweisen. Metallzäune eignen sich für Stadtvillen und moderne Häuser. Das sind keine festen Regeln. Die Hauptsache ist, der Zaun passt stilmäßig irgendwie zum Haus.

3. VERTIKALE BEGRÜNUNG

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Macht eine kahle Wand das Haus samt Garten irgendwie trist und langweilig? Kein Problem! Zum Glück lässt sich kaum etwas so leicht optisch aufwerten wie eine kahle Hauswand.

Es gibt eine Vielzahl an Kletterpflanzen, die aus einer tristen Fläche innerhalb weniger Jahre eine grüne und sogar blühende Oase machen. 

Kletterpflanzen sind jedoch keinesfalls auf Wände festgelegt. Überall im Garten können sie Akzente setzen und dem Raum mehr Struktur und Tiefe verleihen: an Durchgängen, Torbögen, Rankgittern, Spalieren und Zäunen.

4. EYECATCHER

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Wenn dem Garten ein optisches Highlight fehlt, dann wird es Zeit für einen Eyecatcher! Dieser wertet den Anblick nicht nur im Sommer auf, wenn alles blüht, sondern auch in der grauen Winterzeit.

Als Eyecatcher können ganz unterschiedliche Dinge zum Einsatz kommen. Amphorenartige Blumenkübel, Figuren, Brunnen oder Wasserspiele. Auch eigene Bauwerke aus Totholz oder anderen natürlichen Materialien verleihen einem Beet, einer verwunschenen Ecke oder einer Blumenrasenfläche das gewisse Etwas.

5. ÜPPIGE BLUMENPRACHT

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Das versteht sich fast ohne Worte: Viele Blumen machen den Garten schön! In einem Naturgarten gibt es ganz besonders viele von ihnen.

Es gilt allerdings eine wichtige Regel: Blume ist nicht gleich Blume. Den einheimischen Arten und naturnahen Sorten gebührt der Vortritt, so dass sie möglichst vielen Insekten und anderen Tieren als Nahrung dienen können. Hier und da ist ein Abweichen von der Regel aber natürlich erlaubt.

6. BLUMENWIESE UND BLUMENRASEN

Bild von silviarita auf pixabay

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Was sieht schöner aus als ein sattgrüner Zierrasen? Natürlich ein Blumenrasen mit Tausenden Blüten von Gänseblümchen, Ehrenpreis und Braunelle.

Und was sieht noch ein klitzekleines bisschen besser aus? Eine echte Blumenwiese! Für viele ist sie das Sinnbild eines glücklichen Ortes, besinnlicher Freude, der Schönheit und der Einheit zwischen Mensch und Natur.

7. FRÜHBLÜHER

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Erstaunlicherweise finden sich Frühblüher in vielen Gärten nur in geringer Zahl. Dabei lässt sich mit ihnen die Blühsaison weit nach vorne verlegen und noch beeindruckender gestalten. Mit dichten Teppichen aus Winterlingen, Krokussen, Märzenbechern und Hasenglöckchen erblüht von Februar bis Mai ein Blütenteppich nach dem anderen.

Warum nutzen so wenige Gärtner die gesamte Frühblüher-Power? Vielleicht liegt es daran, dass die Zwiebeln im Handel recht teuer sind. Für ganze Krokusteppiche sind mindestens einige Hundert Exemplare nötig. Außerdem vermehren sich die besonders großblütigen Hybridsorten nicht so gut.

Dagegen hilft die Verwendung von Wildsorten! Diese vermehren sich sowohl durch Brutzwiebeln als auch durch Samen und tauchen, einmal gesteckt, bald überall im Garten auf.

Sollten sich jedoch Wühlmäuse die Frühblüher schnappen, bevor diese sich ausbreiten konnten, empfehle ich die übergangsweise Anzucht in breiten Blumentöpfen. Innerhalb eines Jahres können sich darin unzählige Brutzwiebeln bilden. Werden diese gleichzeitig überall im Garten gesteckt, lassen die Wühlmäuse mit Sicherheit genug übrig.

8. VERSTECKTE SITZPLÄTZE

Bild von KRiemer auf pixabay

Versteckte Plätze im Garten sind geheimnisvoll und einladend. Hinter einer kleinen Hecke versteckt oder unter einem Obstbaum gelegen, ziehen sie einen magisch an und laden zu einer Tasse Kaffee oder Tee ein, die sich noch entspannter genießen lässt als auf der Terrasse.

Teure Gartenmöbel sind für diese verwunschenen Orte nicht nötig. Alte Holzstühle vom Flohmarkt und ein ausrangierter Tisch vom Sperrmüll entfalten auf wundersame Weise eine viel gemütlichere Wirkung.

9. HÜBSCHES GARTENHÄUSCHEN

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So ein schnuckeliges Gartenhäuschen kann einen ganz besonders reizenden Charme ausstrahlen. 

Am ehesten, wenn es ebenso aus natürlichen Materialien besteht wie die Gartenutensilien. Häuser und Schuppen aus Plastik oder Metall beißen sich hingegen mit dem wild-romantischen Stil des Naturgartens.

Soll ein Gartenhäuschen aus Holz aufgestellt werden, dann bleibt es am besten 'natur'. Soll es zwecks längerer Haltbarkeit doch gestrichen werden, dann mit biozidfreier, ungiftiger Farbe.

10. FORMALES GARTENDESIGN

Bild von krakowgardendesign auf pixabay

Ein formales Gartendesign ist nicht das erste, woran die meisten Naturgärtner denken. Die geometrischen Formen und geraden Linien scheinen nicht so recht zur ungezwungenen Wildheit des Naturgarten zu passen.

Aber ein formaler Garten macht was her. Zumindest optisch. Er sieht professionell angelegt, durchdacht, strukturiert und gegebenenfalls auch teuer aus. Deswegen ist er aber nicht automatisch unkreuzbar mit einem Naturgarten. Ganz im Gegenteil, die beiden hybridisieren ganz hervorragend! Das formale Design, umgesetzt mit natürlichen Materialien und bepflanzt mit einheimischen Blumen, Sträuchern und Bäumen erzeugt einen wunderschöne Anblick bei gleichzeitig hohem ökologischen Wert.

Man stelle sich das Bild oben nur mal mit einer üppigen Bepflanzung aus einheimischen Blumen und Kletterpflanzen vor. Und einem Blumenrasen anstelle der Gehwegplatten in der linken, unteren Bildecke. Der Unterschied für die Insekten- und Vogelwelt wäre deutlich spürbar, der Garten aber immer noch ein echter Hingucker.

(Diese Kombination eignet sich besonders für die Gestaltung des repräsentativen Vorgartens.)

Das waren die Dos. 

 

Und dann gibt es noch das ein oder andere, was man lieber bleiben lassen sollte.

PLASTIK

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Die Probleme beim Plastik sind die fehlende Abbaubarkeit und die Schadstoffbelastung. Plastikprodukte lassen sich in keinen Nährstoffkreislauf integrieren. Schadstoffe, die in die (Blumen-)erde übergehen, können das Bodenleben schädigen und sich in den Nahrungsketten anreichern. In Naturgärten wirken Plastikprodukte deshalb wie Fremdkörper und sollten auf ein Minimum reduziert sein.

 

Aber was tun, wenn der Garten in einen Naturgarten umgestalten werden soll und noch viele Plastikmöbel und -utensilien vorhanden sind? Lieber nicht alles wegschmeißen und neu kaufen. Das macht ökologisch keinen Sinn und produziert mehr Müll als nötig. Besser: Nach und nach austauschen, was nicht mehr funktionsfähig ist.

ZU VIEL ZIERRASEN

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Eine kleine Zierrasenfläche ist auch im Naturgarten kein Problem. Aber wenn ein Großteil des Gartens aus penibel gepflegtem, übermäßig bewässertem und gedüngtem Zierrasen besteht, dann bleibt für den eigentlichen Naturgarten nicht mehr viel übrig. Der Garten wirkt dann insgesamt wie ein Ziergarten.

KITSCH UND KREMPEL

Bild von KRiemer auf pixabay

Geschmäcker gehen ja weit auseinander. So ist es auch bei der Gartendeko. Für die einen sind Gartenzwerge und Co. der pure schlechte Geschmack, für die anderen einfach nur süß.

Ob man sie nun mag oder nicht - Gartendeko in Maßen ist in Ordnung. Wenn man aber vor lauter Gartenzwergen kaum noch (Wild-) Blumen sieht, dann geht der Charakter eines Naturgartens irgendwie verloren.

UNANSEHNLICHE UNORDNUNG

Bild von jag2020 auf pixabay

SCHULDIG, SCHULDIG, SCHULDIG!!! Ich gebe zu, dass es wie auf dem Bild stellenweise auch in meinem Garten aussieht.

Wegen der vielen Bewohner kann ich solche wilden Haufen, wenn sie erst mal da sind, nicht mehr wegräumen. Schließlich lege ich die Haufen extra für sie an! Aber mein Ziel ist es, das Schnittmaterial in Zukunft gleich so zu lagern, dass es weniger unansehnlich aussieht. Also als Benjeshecke oder im hübsch umzäunten und bewachsenen Kompostierbereich.

ZU WENIGE BLUMEN UND BLÜTEN

Bild von susybaels auf pixabay

Blumen und Blüten machen den Naturgarten schön. Umgekehrt fehlt ihm etwas, wenn sie nur sparsam eingesetzt werden.

Auch der übermäßige Formschnitt von Sträuchern und Bäumen, wie er auf dem Bild zu sehen ist, verträgt sich nicht mit der Idee eines naturnahen Gartens. Durch den Formschnitt wird die Blütenbildung größtenteils verhindert. Ebenso die Bildung von Früchten. So wird der Garten für viele Blüten besuchende Insekten und Früchte fressenden Vögel nutzlos.

FEHLENDE STRUKTUR UND PFLEGE

Bild von alegria2014 auf pixabay

Auch wenn sie stets einen Eingriff in die natürliche Entwicklung bedeuten, ein paar Pflegeeinsätze sind auch im Naturgarten nötig. Mit dem richtigen Bepflanzungskonzept lassen sich diese jedoch auf ein Minimum reduzieren.

Das bedeutet, dass Staudenbeete so geplant werden, dass stets etwas blüht und Stauden dabei sind, die auch im abgeblühten Zustand noch gut aussehen. Beete werden nach dem Leitstauden-Begleitstauden-Bodendecker-Prinzip geplant. Bäume, Sträucher, Wege, Mauern und Umrandungen verleihen dem Garten Struktur.

Werden diese Punkte nicht berücksichtigt, kann ein ungepflegter und strukturloser Eindruck entstehen.

UNNATÜRLICHE BLUMENBEETE

Bild von stux auf pixabay

So sehen Blumenbeete in Naturgärten definitiv nicht aus!

Ziel ist es ja nicht, aus etwas Natürlichem wie Blumen etwas möglichst unnatürlich Wirkendes zu erschaffen.

Puh! Das war ein langer Artikel! Deswegen habe ich die wichtigsten Punkte übersichtlich auf einem Merkblatt zusammengefasst. Dieses kann wie immer in hoher Auflösung als PDF in der Download-Bibliothek heruntergeladen werden. Das Passwort für die Bibliothek gibt es hier. 


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Kommentare: 4
  • #1

    Andreas L. (Freitag, 09 Dezember 2022 20:10)

    Hallo Mareike,
    da hast Du Dir aber wieder ordentlich Arbeit gemacht! Ich kenne auch einige Leute die sich zwar anfangs für das Thema Naturgarten interessieren, aber wenn ich dann von meinem Garten erzähle heisst es "In meinem Garten habe ich dafür keinen Platz". Auch sehen einige meinem Garten offenbar als unordentlich an, ich aber freue mich auch um diese Jahreszeit das einige Wildstauden dabei sind sich in meinem Garten zu etablieren und die Wildsträucher welche sich grossteils prächtig entwickeln.
    Gruß Andreas

  • #2

    Mareike (Freitag, 09 Dezember 2022 21:13)

    Hallo Andreas,
    leider scheitert der Naturgarten sehr oft am Ordnungsempfinden. Und an der Frage: "Was sollen die Nachbarn denken?".
    Dabei gibt es mindestens genauso viele Nachbarn, die den verpönten Schottergarten hässlich finden. Dadurch lassen sich die Schottergarten-Liebhaber ja auch nicht abhalten. ;-)
    LG Mareike

  • #3

    Othmerding (Freitag, 16 Dezember 2022 14:11)

    Dieser Artikel hat mir wirklich geholfen, einen Einblick in das Thema "Verschönerung des Gartens" zu bekommen. Die Tipps sind toll und die Bilder sprechen für sich. Ich wünsche https://www.naturgarten-anlegen.de/ weiterhin viel Erfolg.

  • #4

    Mareike (Samstag, 17 Dezember 2022 16:08)

    Hallo Othmerding,
    vielen Dank! Ich freue mich immer, wenn die Artikel anderen weiterhelfen. :-)
    LG Mareike