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SCHRITT FÜR SCHRITT ZUR NEUEN REPTILIENBURG

22 Monate wohnen wir nun schon in unserem neuen Haus. Zeit, die ich noch nicht so intensiv in den Garten stecken konnte, da andere Aufgaben erst einmal im Vordergrund standen. Zeit, die ich in freien Minuten stattdessen in das Kennenlernen unseres Grundstücks und die Beobachtung der hier heimischen Tierwelt investiert habe.

Bei diesen Beobachtungen habe ich festgestellt, dass in unserem Garten mit der Ringelnatter zwar nur eine einzige Reptilienart regelmäßig vorbeischaut, diese ihn aber weitaus intensiver nutzt, als zunächst vermutet.

Denn einen halbherzig aus Rasenschnitt und Ästen angelegten Komposthaufen hat eine Ringelnatter im letzten Jahr wahrscheinlich schon für die Eiablage genutzt. Jedenfalls deuten die beiden gefundenen Baby-Ringelnattern in seiner unmittelbaren Nähe stark darauf hin.

Ringelnattern Nachwuchs im Garten
Entdeckt am 3. November 2020: Eine noch sehr kleine und dünne Ringelnatter sonnt sich in der Nähe des Bruthaufens.

Da liegt es doch nahe, unseren Garten noch weiter für Ringelnattern zu optimieren. Am besten mit einer Reptilienburg inklusive trockenem Überwinterungsplatz. Aber wo soll sie hin?

Da hilft mir eine andere Beobachtung weiter. Auf dem Nachbargrundstück wächst eine stattliche Kiefer. Ihre Krone reicht ein ganzes Stück auf unser Grundstück rüber und erzeugt in ihrem Schatten einen sehr trockenen Bereich, der sich bis auf unsere Terrasse und den Terrassenhang erstreckt. Leichtere Regenfälle gelangen hier kaum bis auf den Boden und auch stärkerer Regen nur in abgeschwächter Form.

Nachdem Terrasse und Hang im letzten Sommer komplett erneuert wurden, habe ich festgestellt, dass ich den Bereich des Terrassenhangs, der sich im Baumschatten befindet, viel zu oft gießen müsste, um die darunter wachsenden Pflanzen am Leben zu erhalten. Zumal der Hang nach Süden ausgerichtet ist und trotz der Kiefer nahezu den ganzen Tag stark besonnt wird.

Diese sehr trockene und sonnige Stelle wäre doch perfekt geeignet für eine Reptilienburg. Einziger Nachteil: Die Nähe zum Haus. Aber da wir schon öfter Ringelnattern in der Nähe der Terrasse beobachtet haben, wiegt dieses Gegenargument nicht schwer genug.

Also kann es losgehen! Hier, an die linke Seite des Hangs, soll sie hin.

Zunächst haben wir ein Stück vom Hang abgetragen und dann ca. 70 cm in die Tiefe gebuddelt. Bei uns ist der Boden sehr sandig und durchlässig. Auf lehmigen Böden müsste jedoch noch tiefer gegraben und eine Schicht Sand oder feiner Kies als Drainage eingebracht werden, damit es nicht zu Stauwasser kommen kann.

In Regionen mit strengen Wintern sollte generell tiefer gebuddelt werden.

Man kann es auf dem Foto nicht erkennen, aber aus mehreren Laubholzscheiten und ein paar kleineren Steinen haben wir im tiefsten Bereich des Lochs eine kleine Höhle gebaut. Ich hoffe, dass das Gewicht der Steine sie nicht so schnell zusammendrückt.

Darüber kamen Feldsteine mit einem Durchmesser von 25-30 Zentimetern.

Diese kleinen Durchgänge ermöglichen den Ringelnattern den Weg in das Innere der Burg.

Jetzt sind alle Steine drauf.

Um den tiefsten Bereich mit der Überwinterungshöhle trotz der trockenen Lage vor eventuellem Starkregen zu schützen, sollte noch eine Abdeckung auf die Burg. Dafür haben wir zunächst ein altes Duschtuch aus Baumwolle auf die Steine über dem entsprechenden Bereich gelegt. Dadurch wird verhindert, dass die Erde der Abdeckung bei Regen zwischen die Steine gespült wird. Das Duschtuch ist ökologisch unbedenklich und wird mit der Zeit durchwurzelt. Die Wurzeln halten wiederum die Erde und Pflanzen fest, so dass diese nicht so leicht abrutschen.

Das Duschtuch haben wir angefeuchtet und mit Erde bedeckt.

Als pflegeleichte Pflanzen kommen für diesen trockenen Standort und die dünne Substratschicht eigentlich nur Überlebenskünstler infrage. Wir haben uns für Mauerpfeffer, Fetthenne und Hauswurz entschieden.

Da die Winter bei uns tendenziell mild sind, wollen wir es erst mal mit dieser halben Abdeckung probieren. Sollte der nächste Winter aber wieder eine so frostige Phase haben wie der letzte, werden wir die Abdeckung jedoch sicherheitshalber vergrößern und die Substratschicht dicker machen.

Reptilienburg am Hang
Die Reptilienburg von der Seite...

Fertig ist das Meisterwerk ;-)

Reptilienburg am Hang
...und von vorne.

Jetzt können die Ringelnattern kommen! Gerne schon mal zur Inspektion und zum gemütlichen Entspannen, aber spätestens im Herbst für die Winterruhe.

Als nächstes wollen wir noch einen neuen Bruthaufen anlegen, nachdem der vom letzten Jahr schon durchkompostiert ist. Aber dazu später mehr.


Hier gibt es noch mehr Reptilienburgen und auch eine Anleitung für einen Ringelnattern-Bruthaufen:


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Kommentare: 4
  • #1

    Michèle (Mittwoch, 26 Januar 2022 15:53)

    Grüss Sie,

    Erst einmal vielen Dank und ein grosses Lob für diese wunderbar informative und schön gestaltete Homepage.

    Ich plane in meinem Gemüsegarten (Hanglage voll gegen Süden, am Bauplatz Reptilienburg relativ steiles Gefälle) eine Reptilienburg zusammen mit einem kleinen Molchteich anzulegen. Die Kombi ergibt sich einfach daher, dass gleich wo ich in meinem Garten einen Teich ausheben wollte, ich stets im Hang bin und somit die Nordseite mit einer Mauer aus den reichlich vorhandenen Natursteinen befestigen muss. Daher warum diese Mauer nicht als Reptilienburg ausbauen. Im Garten sind reichlich Eidechsen anzutreffen, scheinbar habe ich mit der Terrassierung aus Lärchenholzplanken, geschützt mit Noppenfolie, nicht nur mir einen Gefallen getan. Ebenfalls habe ich schon eine Natter getroffen, war leider zu schnell um die genaue Art zu bestimmen, und letzte Sommer hat sich auch eine Smaragdeidechse eingetroffen (Ich lebe in Norditalien).
    Nun zu meinen Fragen:
    Ist die Kombination Teich mit dahinterliegender Reptilienburg nicht vom Prinzip her schädlich für die Tiere? Ich will ihnen schliesslich etwas Gutes tun und allenfalls den ebenfalls in der Umgebung vorhandenen Salamandern und Molchen ein zusätzliches kleines Laichhabitat bieten.
    Könnte die Feuchtigkeit für die Burg ein Problem darstellen, um es vorwegzunehmen die Reptilienburg liegt automatisch, dem Untergrund aus Fels sei gedankt, und ja ich habe bis auf den Fels ausgehoben, über dem Wasserspiegel des Teichs. Würde ein Wand mit einer Grösse von ca. 2.5m Länge x 0.8m Höhe x 0.8m Tiefe aus reinen Natursteinen im Rückwärtigen Bereich grob mit Lesesteinen und etwas Holzresten verfüllt ebenfalls als Reptilienburg durchgehen, denn eine klassische Burg aus einem "einfachen" in die Erde eingelassenen Steinhaufen ist hier leider nicht möglich? Ich würde in jedem Falle den rückwärtigen Anschluss an das Erdreich mit einem Geotextil (Vlies) gegen eindringenden Boden abdecken sowie die Felsoberfläche mit einer Noppenfolie abdecken um den sauberen Abfluss des Regenwasser ab den oberhalb vorhandenen Beeten zu garantieren, die Burg würde somit nur Regenwasser abbekommen.
    Gibt es sonst noch etwas was ich bedenken sollte? Bezüglich Teichgestaltung für Molche habe ich den entsprechenden Artikel auf der Seite gelesen und werde die Angaben zu Wassertiefen und Gestaltung Rechnung tragen.

    Vielen Dank im Voraus für eine Rückmeldung und freundliche Grüsse,

    Michèle

  • #2

    Mareike (Mittwoch, 26 Januar 2022 19:22)

    Hallo Michèle,
    das hört sich nach einem tollen Garten an! Eine Smaragdeidechse hätte ich auch gerne. ;-)
    Die Kombination Reptilienburg (-mauer) und Teich ist auf keinen Fall schädlich. Ganz im Gegenteil ergänzen sich die beiden hervorragend und werden in Naturschutzprojekten häufig zusammen angelegt. Solange das Teichwasser durch eine Folie oder eine andere Abdichtung von der Reptilienburg getrennt ist, sollte diese Kombi keine Nachteile haben.

    Eine "klassische" Reptilienburg ist eigentlich nur ein Bauvorschlag, es gehen aber auch viele andere Größen und Formen, sofern die Steine eine geeignete Größe haben und nicht mit Mörtel befestigt werden. Wenn die unterirdische Überwinterungsmöglichkeit nicht möglich ist, kann diese auch oberirdisch angelegt werden. Am besten aus einem großen Haufen aus Gartenabfällen und dicken Ästen. Die Verrottungswärme der Gartenabfälle hält das Innere des Haufens frostfrei und entlang der dicken Äste gelangen die Tiere hinein.
    Ich wünsche gutes Gelingen!

    LG Mareike

  • #3

    Michèle (Donnerstag, 27 Januar 2022 11:01)

    Hallo Mareike,

    Danke für die Rückmeldung, jetzt kann ich ganz beruhigt weitergraben und bauen, da ich nun sicher bin den Tieren, wie auch mir, etwas gutes zu tun. Ich war einfach unsicher, da in der Literatur beide Massnahmen stets getrennt aufgeführt werden.
    Das Teichwasser muss ich mit Teichfolie vor Ort halten, da ich zwar auf der einen Seite des Teichs auf steil abfallendem Fels stehe, das vorhandene Erdreich aber sandig ist, und entsprechend sehr gut drainiert. Die Mauer steht bedingt aus dem steil abfallenden Fels nur mit dem Fundament unter dem Wasserspiegel, aber immer hinter der Teichfolie (muss ich dann entsprechend verstecken). Die Mauer wird als Trockenmauer aus den reichlich vorhandenen teils grossen Brocken (alles Natursteine) angelegt und mit einer Stärke von 80 cm nach vorne und einer Höhe von 80 cm sollte dies auch frostsicher sein (bis dato war die Frosttiefe bei ca. 20 cm). Davon abgesehen ist die Mauer so ausgerichtet, dass sie auch im Winter die volle Sonne abbekommt, generell bleibt z. B. auch Schnee selten lange auf unserer Talflanke liegen. Sollten sie es nicht als Winterquartier benutzen, so denke ich doch die Eidechsen werden es im Sommer sehr als Schlafplatz und Aufwärmstation am Morgen schätzen.
    Was den Haufen Gartenabfälle betrifft, dieser ist längst vorhanden und wird rege genutzt, ich habe keinen Häcksler und entsprechend sind die Gartenabfälle meist sehr grob und der Komposthaufen verrottet nur sehr langsam.
    Einen weiteren Steinhaufen gibt es auch, er besteht aber vor allem aus sehr grossen Steinen und liegt eben direkt auf meinem Felsrücken, so dass dieser wohl eher vom Marder (ich finde immer nur seine Hinterlassenschaften) als Dependance zu seinem eigentlichen Zuhause genutzt wird, denn als Überwinterungsquartier von Reptilien. Ich bin dem Marder übrigens sehr dankbar, seit ich seine Hinterlassenschaften regelmässig finde, sehe ich keine Schermaushaufen mehr, ich hoffe somit, dass er seine Aufgabe verstanden hat.
    In Zukunft lege ich ebenfalls noch vielleicht eine kleine Sandfläche an, mal schauen wann ich die Zeit dazu finde, allein schon weil Abwechslung gut tut, und dies den Eidechsen und gewissen Bienen ja auch nutzen soll.
    Bezüglich der Smaragdeidechse, habe ich mich auch sehr gefreut sie zu sehen. Sie sind hier in der alpinen Weinbauregion Norditaliens zwar nicht wirklich selten, aber sehr beeindruckend und auch schön. Nur können sie einen ganz gut erschrecken, durch ihre Grösse raschelt es ungemein in den Blättern wenn sie sich bewegen.
    Ich bin wohl einfach sehr tierlieb und freue mich an fast jedem Gast im Garten, Schermäuse und Blattläuse ausgenommen, aber zum Glück kümmert sich ja der Rest der bunten Gemeinschaft mit um diese.

    Liebe Grüsse und danke für diese Homepage,

    Michèle

  • #4

    Mareike (Donnerstag, 27 Januar 2022 21:15)

    Hallo Michèle,
    vielen Dank für die ausführliche Schilderung! Es hört sich so an, als wenn dein Garten schon ein kleines Tierparadies ist. Schön dass du ihn so genau beobachtest und noch mehr Lebensräume anbietest! Die Tiere werden sich freuen und dir deine Mühen sicher mit tollen Naturbeobachtungen danken!

    Liebe Grüße
    Mareike