Eine Reptilienburg für Schlangen und Eidechsen

Reptilienburg aus Feldsteinen; Steinhaufen
Professionell angelegte Reptilienburg für ein Schlangenschutzprojekt in Schleswig-Holstein (Wildes Moor, Osterrönfeld)

Viele Tierfreunde sind begeistert, wenn sie Eidechsen oder sogar Schlangen in ihrem Garten entdecken. Andere möchten die urigen Tiere gerne aus der Umgebung in den eigenen Garten locken, z. B. mit einem Steinhaufen, auf dem sich die Eidechsen und Schlangen sonnen und in dem sie sich verstecken können.

 

Das ist eine sehr gute Idee! Aber reicht es, wenn man dafür einfach ein paar Steine im Garten aufschüttet?

Nicht ganz. Wer es richtig gut machen möchte, der baut eine Reptilienburg, die nicht nur Sonnenplätze und Versteckmöglichkeiten bietet, sondern auch einen frostfreien, trockenen Ort für einen sicheren Winterschlaf.

Bauanleitung für einen Reptilien-Steinhaufen

Standort

 

Die erste Überlegung beim Bau einer solchen Reptilienburg gilt der optimalen Lage, schließlich wollen sich die Tiere dort vor allem aufwärmen. Ein sonniger Standort ist dafür die wichtigste Voraussetzung.

 

Dennoch ist es von Vorteil, wenn sich in der Nähe auch dichte Vegetation befindet, z.B. niedrige bis mittelhohe Hecken, Solitärsträucher oder Kleingehölze. Diese dienen dem Schutz und der Nahrungssuche und liegen am besten an der Nordseite des Haufens, so dass nur eine minimale Beschattung auftritt.

 

Die Umgebung der Reptilienburg sollte aus deckungsreichem, niedrigerem Bewuchs bestehen, wie etwa einer ungemähten Wildblumenwiese.

Unter dem Bewuchs befindet sich unsere nach Süden ausgerichtete Reptilienburg.
Unter dem Bewuchs befindet sich unsere nach Süden ausgerichtete Reptilienburg.

Loch ausheben

 

Auf einer Fläche von mind. 1,5 x 1,5 m wird nun ein recht tiefes Loch ausgegraben. In dauerhaft wintermilden Gebieten kann eine Tiefe von 40 cm ausreichen, besser sind aber 60 - 80 cm oder noch mehr. Dann kann auch ein Ausnahmewinter mit strengem Dauerfrost weniger Schaden unter den Tieren anrichten.

 

Ist der Grund der ausgehobenen Grube wasserdurchlässig, kann man gleich mit dem Befüllen beginnen. Ist er jedoch verdichtet, z. B. durch eine Lehm- oder Tonschicht, sollte man noch ein wenig tiefer buddeln und eine 10 - 20 cm dicke Schicht aus Kies oder Schotter einbringen. Andernfalls könnten die Eidechsen in sehr feuchten Wintern ertrinken oder anderweitig durch das Wasser Schaden nehmen.

Befüllen

 

Das Loch kann nun bis zu einer Höhe von 60 cm über der Erdoberfläche mit Steinen befüllt werden, die einen Durchmesser von mind. 20 - 30 cm aufweisen. Bei kleineren Steinen würden sich keine ausreichend großen Schlupflöcher bilden, durch die die Eidechsen und Schlangen in das Innere des Haufens gelangen. Die Steine können auch mit dicken Ästen, Baumstrünken und großen Holzscheiten (kein Nadelholz) sowie etwas Laub vermischt werden.

 

Mit kleineren Steinen (10 - 20 cm) kann anschließend der Steinhaufen auf eine Höhe von ca. 1 m vergrößert werden, in dem sie als Hülle um die Kernzone mit den großen Steinen aufgetragen werden.

Abdeckung

 

Ein Teil der ausgegrabenen Erde kann nun auf der Windseite des Steinhaufens (bei uns Westen) und auf der Nordseite 20 - 30 cm dick aufgebracht und bepflanzt werden (z. B. mit Besenheide und Gräsern, s. Bild ganz oben). Das schützt vor eindringendem Regenwasser und Wind.

 

Ein zwischen der aufgebrachte Erde und den Steinen ausgelegtes Pflanzvlies verhindert, dass die Erde bei stärkerem Regen in die Steinzwischenräume gespült wird.

Sandfläche

 

Auf der Südseite (S, SO und SW) wird nun noch eine mindestens 50 cm breite und 30 cm tiefe Sandfläche aus reinem, nährstoffarmem Sand angelegt, in der z. B. Zauneidechsen ihre Eier ablegen können. Diese sollte man regelmäßig von Bewuchs befreien, weil sie sonst nicht mehr zur Eiablage genutzt wird.

Gefahrenquellen beseitigen

 

Eidechsen und Schlangen können eine so komfortable Reptilienburg natürlich nur besiedeln, wenn die nähere Umgebung nicht zur Todesfalle wird. Diese sind üblicherweise im Garten leider reichlich vorhanden, aber mit einfachen Maßnahmen lassen sich die meisten von ihnen beseitigen oder zumindest abmildern.

Keine Zauneidechse, aber eine Waldeidechse genießt die Herbstsonne auf dem Rindenstück oben auf der Reptilienburg.
Keine Zauneidechse, aber eine Waldeidechse genießt die Herbstsonne auf dem Rindenstück oben auf der Reptilienburg.

Abwarten

 

Ist die Reptilienburg fertig angelegt, heißt es abwarten. Manchmal kommen die Tiere schnell, manchmal spannen sie einen auch gewaltig auf die Folter. Am Anfang sollte man aber keinesfalls ungeduldig werden, sondern die Anlage erst einmal in Ruhe ein wenig einwachsen lassen. Denn die kleinen, scheuen Eidechsen bevorzugen meistens den natürlichen Look und der muss sich mit der Zeit erst einstellen.

 

Erst wenn nach mehreren Jahren noch keine Reptilien vorbei geschaut haben, obwohl es sie in der näheren Umgebung gibt, lohnt es sich, über Verbesserungsmöglichkeiten nachzudenken. Manchmal sind es kleine Stellschrauben auch an anderen Stellen im Garten*, an denen man noch drehen kann, die dann aber große Wirkung zeigen.


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