Bruthaufen für Ringelnattern

Natrix natrix
Junge Ringelnatter

Viele Menschen erschrecken sich beim Anblick einer Schlange, manche fürchten sich sogar. Dabei lebt hier in Deutschland eine Schlangenart, die absolut ungefährlich ist. Sie ist scheu, klein, ungiftig und beißt nicht, sondern wehrt sich bei Gefahr mit der Absonderung eines stinkenden Sekrets. Bei dieser Schlange handelt es sich um die Ringelnatter.

Wie alle anderen Reptilien ist sie von der Zerstörung geeigneter Lebensräume betroffen und hat in ihrem Bestand stark abgenommen. Dabei könnten Ringelnattern problemlos viele Gebiete zurück erobern, sofern sie dort nicht nur ausreichend Nahrung sondern auch Brutplätze finden.

Als Brutplätze kommen Haufen organischen Materials in Frage, in denen Verrottungsprozesse Wärme produzieren, wie z. B. Komposthaufen, Haufen aus Hackschnitzeln, Sägemehl, Schilf- und Binsenschnitt aber auch vermodernde Baumstrünke und -stämme.

Leider werden solche Haufen als unansehnlich empfunden und schnell weggeräumt, Kompost wird in unzugängliche Plastikbehältnisse verbannt und abgestorbene Bäume aus der Natur entfernt.

Lebt man in einem von Ringelnattern besiedelten Gebiet, kann man die Tiere jedoch mit der Anlage eines Bruthaufens unterstützen. In einem artenreichen Naturgarten mit Teich oder Bachlauf wird sie sich dann auch gerne aufhalten, auf Nahrungssuche gehen, ihr Fortpflanzungsritual vollziehen und den Naturgärtner mit spannenden Beobachtungen erfreuen.

Ringelnattern-Bruthaufen am Teichufer
Ringelnattern-Bruthaufen am Teichufer

 

 

Anforderungen an den idealen Bruthaufen

Die Ringelnatter ist nicht etwa wie die Zauneidechse auf sehr sonnige Lebensräume angewiesen, sondern bewohnt auch schattigere Biotope. Als Anpassung legt sie ihre Eier nicht in besonnte Sandflächen, wo sie direkt von der Sonnenwärme ausgebrütet werden, sondern in Haufen organischen Materials. Die beim Abbau der organischen Substanz entstehende Wärme brütet in diesem Fall die Eier aus.

Ein Bruthaufen muss deswegen nicht in vollsonniger Lage angelegt werden, sondern kann auch im Halbschatten seinen Platz finden. Hingegen muss eine relativ große Menge Material aufgeschichtet sein, damit die benötigte Temperatur von über 25 °C über einen ausreichend langen Zeitraum entstehen kann. Eine Höhe von 1 – 1,5 m und ein Volumen von mind. 2 - 3 Kubikmeter sind ideal.

Als organisches Material eignen sich Gartenkompost, Hackschnitzel, Mähgut von Blumenwiesen, Schilf, Säge- und Hobelspäne, Laub und Stroh. Möchte man Kompost nutzen, dürfen sich darin keinesfalls Essenreste befinden. Diese ziehen Tiere an, die auch den Ringelnattern-Eiern gefährlich werden können.

Ebenfalls dürfen keine Bestandteile von Nadelhölzern bei der Anlage der Bruthaufen verwendet werden, da die darin enthaltenen Harze die Ringelnattern davon abhalten, ihre Eier in diese Haufen abzulegen.

Werden verschiedene Materialien verwendet, durchmischt man diese am besten gut.

Sind die Bestandteile sehr trocken, muss zunächst alles befeuchtet werden.

Um den Schlangen den Zugang zum Inneren des Haufens zu erleichtern, werden bei der Anlage auch dicke Äste eingearbeitet. Entlang der Äste ist das Material lockerer und enthält Hohlräume, die von den Ringelnattern für die Passage genutzt werden.

Frisch angelegte Bruthaufen werden noch nicht angenommen. Zunächst müssen die Zersetzungsprozesse das Pflanzenmaterial soweit anrotten, dass die benötigten Temperaturen erreicht werden. Nach einigen Jahren hat sich ein Bruthaufen verbraucht, so dass ein neuer rechtzeitig angelegt werden muss. Man kann dafür mittels spezieller Kompostthermometer die Innentemperatur des Haufens kontrollieren.