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12 Planzen für einen Naturgarten, in dem es zwitschert und summt.

Möchte man einen konventionellen Garten in einen tierfreundlichen Naturgarten umwandeln, hat man im wahrsten Sinne des Wortes die Qual der Wahl. Es gibt unzählige Pflanzenarten in Gärtnereien und Onlineshops, aber welche von ihnen locken nun tatsächlich Schmetterlinge, Bienen und Vögel in den Garten? Am besten das ganze Jahr hindurch? Welche helfen wirklich gegen den Rückgang der Singvögel und gegen das Bienen- bzw. Insektensterben?

Als Antwort auf diese Fragen habe ich eine Übersicht mit Pflanzen zusammen gestellt, die es dem Anfänger hoffentlich leichter macht, von Anfang an einen lebendigen, summenden und zwitschernden Naturgarten zu gestalten.

Elfenkrokus (© Wikipedia)
Elfenkrokus (© Wikipedia)

1. Frühblüher

Die Frühblüher leiten nicht nur den Frühling ein, sie geben den Startschuss für die lang ersehnte, neue Gartensaison! Wer keine Winterlinge, Schneeglöckchen, Krokusse oder Märzenbecher hat, der verpasst eine der schönsten und aufregendsten Zeiten in seinem Garten. Denn wenn man nach dem tristen Winter regelrecht ausgehungert ist nach neuen Gartenerlebnissen wie die Hummeln nach frischem Nektar, dann ist diese Zeit wie Balsam für die Seele. Es tut einfach gut zuzusehen, wie das Summen und Brummen endlich beginnt und die Bienen bei jedem warmen Sonnenstrahl von Krokusblüte zu Krokusblüte fliegen.


Apfelbaum (© Wikipedia)
Apfelbaum (© Wikipedia)

2. Obstbäume und -sträucher

Ein Naturgarten muss einen Nutzgarten nicht ausschließen. Ganz im Gegenteil, beide Gartenformen können unter bestimmten Bedingungen hervorragend miteinander kombiniert werden. Obstbäume und -sträucher sind dabei das perfekte Bindeglied zwischen Natur- und Nutzgarten und halten für Mensch und Tier besonders reichhaltige Genüsse parat.
Angefangen bei der üppigen Obstbaumblüte im Frühjahr, die für Honig- und Wildbienen überaus ertragreich ist, über die Insektenfülle im Sommer bis hin zu den süßen Früchten, die bis in den Winter hinein ein bei Vögeln und Säugetieren heiß begehrtes Futter bieten.
Idealerweise können mit Obststräuchern wie Himbeeren und Johannisbeeren auch halbschattige Ecken ertragreich genutzt werden. Und Obstbäume gibt es dank wuchsschwacher Veredelungen heutzutage auch für jeden Minigarten.


Ramblerrosen "Veilchenblau" (vorne) und "Paul's Himalayan Musk" (hinten)
Ramblerrosen "Veilchenblau" (vorne) und "Paul's Himalayan Musk" (hinten)

3. Ramblerrose

Ramblerrosen sind keine einheimischen Wildrosen, sie sind Züchtungen aus verschiedenen, stark wachsenden Rosenarten. Warum sind sie trotzdem so empfehlenswert für den Naturgarten? Rosen sind Insektenmagneten! Blattläuse, Falter, Käfer und Fliegen werden von ihnen magisch angezogen. Je größer und dichter eine Rose, um so mehr Insekten leben auf und von ihr. Mit den Insekten kommen schließlich die Räuber, wie Spinnen und Vögel, die zwischen den stacheligen Zweigen nach Nahrung suchen. Unsere Singvögel haben während der Brutsaison einen riesigen Bedarf an proteinreichem Insektenfutter. Man beobachte im Frühling und Sommer mal die Meisen, wo sie zur Futtersuche hinfliegen. In unserem Garten steuern sie häufig die Ramblerrosen an, die die abgestorbene Tanne erklimmen, und suchen die Blattunterseiten nach Raupen und Blattläusen ab.

Ab dem Herbst stehen außerdem die zahlreichen, kleinen Hagebutten auf dem Speisezettel von Drossel und Co.

Vögel finden in den Riesenrosen aber nicht nur Futter. Das dichte Blattwerk und die stacheligen Zweige bieten auch sichere Nistplätze, die kein Marder, Waschbär und keine Katze oder Krähe plündern wird. Deshalb sind bestachelte Ramblerrosen, auch wenn sie einen beim gelegentlichen Rückschnitt in den Wahnsinn treiben, für den Naturgarten die bessere Wahl.


Kleiner Feuerfalter und Brauner Waldvogel am Sand-Thymian
Kleiner Feuerfalter und Brauner Waldvogel am Sand-Thymian

4. Sand- Thymian

Wie viele andere Arten aus der Gattung der Thymiane ist auch der Sand-Thymian eine hervorragende Nektarquelle für Bienen und Schmetterlinge. Er ist die perfekte Pflanze für alle Naturgärtner, die sich mit sandigem, saurem Boden herumschlagen müssen, auf dem sonst nicht viel Ansehnliches wächst. Ob an einer kargen Stelle in der Blumenwiese, in Pflasterfugen, Trockenmauern oder am Rande eines Schotterweges – er wertet mit seinen rosa-violetten Blüten gerade die schwierigen, trockenen Gartenecken auf. Und einmal im Garten etabliert, breitet er sich schnell genau da aus, wo der grüne Daumen gerne mal versagt. Lange Trockenheiten im Hochsommer übersteht er unbeschadet, wenn er tief genug wurzeln kann. Dazu verwöhnt er einen mit seiner langen Blütezeit.

In dichten Thymianmatten findet sich zudem eine große Anzahl der verschiedensten Insekten- und Spinnenarten, worüber sich wiederum viele Vögel freuen.


Eine der Schwalbenschwanzraupen an Wilder Möhre in unserem Garten
Eine der Schwalbenschwanzraupen an Wilder Möhre in unserem Garten

5. Wilde Möhre

Die wilde Möhre ist eine Pflanzenart, die wohl in keinem gepflegten Garten vorkommt. Im Rasen kann sie wegen des häufigen Schnitts nicht gedeihen und in den Beeten wird sie als Unkraut entfernt. Dabei ist sie eine wichtige Nahrungspflanze für unseren wohl schönsten Schmetterling, den Schwalbenschwanz. Diese Art leidet sehr stark unter der Industrialisierung der Landwirtschaft und der Landschaft. Denn mit dem flächendeckenden Einsatz von Monokulturen und Unkrautvernichtungsmitteln verschwinden die Futterpflanzen für diesen Schmetterling.

In unserem eigenen Garten gehört die Wilde Möhre deshalb zu den besonders geschützten Arten. Und der Erfolg spricht für sich: Von 1 Schwalbenschwanzraupe außerhalb unseres Gartens in 2014 zu 9! Schwalbenschwanzraupen innerhalb unseres Gartens in 2018! Das haben wir nur der Wilden Möhre zu verdanken!


Nachtkerze
Nachtkerze

6. Nachtkerze

Die Nachtkerze ist der Star der Dämmerung. Wenn die anderen Blumen ihre Blüten schließen und die Bienen sich in ihren Stock zurückgezogen haben, ploppen überall im Garten leuchtend gelbe Blüten auf. Kurz darauf beginnt es wieder zu summen, aber dieses Mal sind es die Nachtfalter, die um die Blumen schwirren. Gezielt fliegen sie von einer Nachtkerze zur nächsten und saugen den Nektar mit ihren langen Rüsseln auf. Sie zu beobachten ist ein herrlicher Ausklang für einen lauen Sommerabend.


Lässt man die Nachtkerzen auch noch bis in die kalte Jahreszeit hinein stehen, erfreuen sich sogar die Meisen an ihr, die in den mit Samen reich gefüllten Kelchen ein hochwertiges Winterfutter finden.


Wilde Karde (© Wikipedia)
Wilde Karde (© Wikipedia)

7. Wilde Karde

Auch wenn die Wilde Karde reichlich mit Stacheln besetzt ist, gehört sie nicht zu den Disteln, sondern zu den Kardengewächsen. Dennoch hat sie außer den Stacheln zwei weitere Dinge mit den Disteln gemeinsam.

Erstens: Bienen und Schmetterlinge lieben sie wegen des reichen Nektarangebotes.

Zweitens: An ihr lassen sich im Winter hervorragend Distelfinken/Stieglitze beim Samen fressen beobachten.
Diese herrlich bunten Vögel gehen nur selten an die üblichen Vogelfütterungen. Wenn man Stieglitze beobachten und ihnen etwas Gutes tun will, lohnt es sich also immer, ein paar Wilde Karden im Naturgarten zu haben. Dabei haben sie gegenüber Kratzdisteln den großen Vorteil, dass sie sich viel weniger stark vermehren und gut unter Kontrolle halten lassen.

 


Große Brennnessel (© Wikipedia)
Große Brennnessel (© Wikipedia)

8. Brennnessel

Brennnesseln sind so wertvoll für den Naturgarten, dass sie wirklich in keinem einzigen fehlen dürfen! Will man viele Schmetterlinge sehen, muss man nur Erbarmen mit diesen Pflanzen haben, die tapfer immer wieder versuchen, den Garten zu übernehmen. Auch wenn sie nicht als Zierpflanzen taugen, irgendwo findet sich bestimmt ein verstecktes Plätzchen, wo man die Brennnesseln auch einfach mal wachsen lassen kann. Hinterm Schuppen, am Komposthaufen, in der hintersten Gartenecke, in die nie einer geht…
Dann können sich, je nach Standort, die Raupen von Admiral, Landkärtchen, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs über die Brennnesseln hermachen und sie kahl fressen. Und nach dem Schlupf erfreut man sich dann an den vielen schönen Schmetterlingen in der eigenen Blumenwiese.

Daneben bieten die Brennnesseln dem Gärtner noch viele weitere Vorteile. Werden sie nicht von Raupen abgefressen, lässt sich aus ihnen Brennnesselsud zur biologischen Bekämpfung von Blattläusen herstellen sowie Brennnesseljauche als hervorragenden Flüssigdünger für stickstoffhungrige Kulturen im Nutzgartenteil.


Schachbrettfalter an Flockenblume
Schachbrettfalter an Flockenblume

9. Flockenblumen

Keine Wildblumenwiese ohne Flockenblumen! Wozu auch? Flockenblumen sind schön und werden wegen ihres hohen Nektargehalts sehr gerne von Wildbienen, Schmetterlingen aber auch anderen Insekten angeflogen.

Flockenblumen sind außerordentlich variabel und hybridisieren auch in der Natur sehr stark untereinander. Dadurch können sie die unterschiedlichsten Blumenwiesentypen besiedeln. Es gibt so viele verschiedene Flockenblumenarten und natürliche Hybriden, dass es für nahezu jeden Standort eine passende gibt.


Purpur-Fetthenne (© Wikipedia)
Purpur-Fetthenne (© Wikipedia)

10. Fetthenne

Mit der Purpur-Fetthenne klingt das Blütenjahr im Naturgarten langsam aus. Da sie erst spät blüht, meist erst von August bis September, bietet sie Nektar suchenden Insekten in einer blütenarmen Zeit  eine wichtige Futterquelle.

 


Haselstrauch im Garten
Haselstrauch im Garten

11. Hasel

Der Hasel ist (sofern man nicht allergisch auf seine Pollen reagiert) ein ideales Gehölz für den Naturgarten. Weil er sehr Rückschnitt verträglich ist, findet sich meist auch in kleineren Reihenhausgärten ein Platz für ihn. Es gibt viele Insektenarten, darunter einige spezialisierte, die vom Hasel leben.

Aber seinen ökologischen Wert erhält er vor allem durch seine energiereichen Früchte. Diese werden von Mäusen, Haselmäusen, Eichhörnchen, Eichelhähern, Kleibern und Spechten im Herbst und Winter sehr gerne gefressen.


Vogelbeere
Vogelbeere

12. Vogelbeere

Vogelbeeren tragen ihren Namen wahrlich zurecht, denn unter unseren einheimischen Vögeln sind sie ausgesprochen heiß begehrt. Ganze 63 Vogelarten wurden bereits beim Verspeisen der Beeren ähnlichen Apfelfrüchte beobachtet. In den Wintermonaten kommen sogar ganze Schwärme aus dem hohen Norden zu uns, um sich über sie her zu machen. Mit viel Glück kann man dann in seinem Garten eine Schar der wunderschönen Seidenschwänze oder Rotdrosseln beobachten, wie sie den ganzen Baum ratzekahl leer fressen.
Vogelbeeren werden außerdem von vielen Säugetieren sehr geschätzt. Verschiedene Mäusearten, aber auch Siebenschläfer, legen aus ihnen Vorräte für den Winter an. Und der Igel frisst sich noch vor dem Winterschlaf aus den herab gefallenen Früchten eine dicke Speckschicht an.
 

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