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GRAS IN DER BLUMENWIESE: JA ODER NEIN?

Dieser Artikel soll euch bei der Entscheidung helfen, ob ihr für die Anlage eurer Blumenwiese ein Saatgut mit Gras verwenden solltet oder lieber eines ohne. So findet ihr die richtige Saatmischung für eine dauerhaft schöne Wildblumenwiese.

SOLLTE  MEIN  BLUMENWIESEN-SAATGUT  GRAS  ENTHALTEN  ODER  NICHT?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Einerseits ist laut Definition eine Blumenwiese eine artenreiche Wiese, bei der der Anteil der Blumen relativ hoch ist. Aber er beträgt nicht 100 % und das Gras selbst hat immer noch einen beträchtlichen Anteil an der Arten-Zusammensetzung.

 

Andererseits würden die meisten Menschen intuitiv bei der Anlage von Blumenwiesen auf die Aussaat von Gras verzichten, denn Gras hat keine schönen Blüten, wächst überall und wandert von ganz allein ein um seinen Platz in der Wiese zu erobern und dabei möglicherweise auch attraktive Wiesenblumenarten zu verdrängen.

 

Also kein Gras im Saatgut und stattdessen abwarten, bis das Gras von selbst kommt? Das hört sich zunächst nach der richtigen Entscheidung an, ich würde es aber trotzdem nur unter bestimmten Bedingungen machen.

BLUMENWIESEN-SAATGUT  OHNE GRAS,  WENN  MAN  KEINE  "RICHTIGE"  BLUMENWIESE  MÖCHTE

Nämlich dann, wenn ich keine richtige Blumenwiese anlegen möchte, sondern meinen Rasen behalten und bspw. entlang der Hecke einen blühenden Saum aus Wiesenblumen haben will. Auch wenn ich nur wenigeQuadratmeter zur Verfügung habe oder einfach ein buntes Blumenbeet mit bienenfreundlichen Arten möchte, kann ich auf Gras in der Mischung verzichten.

 

Möchte ich aber tatsächlich einen größeren Teil meines Grundstücks in eine richtige Blumenwiese verwandeln, dann würde ich Saatgut verwenden, welches Gras enthält.

 

Aber warum?

REINE  BLUMENBESTÄNDE  SIND  NICHT  STABIL

Weil auch Blumen Blumen verdrängen. Und das nicht zu knapp. Säe ich nur Blumen aus, erschaffe ich eine Artenzusammensetzung, die es in unseren Wiesen nicht geben würde und die sich nicht zu einer stabilen Gemeinschaft entwickelt (Stichwort: Artengesellschaften).

 

Die verschiedenen Blumenarten würden zu stark konkurrieren und sich zu wenig Raum für die Entwicklung lassen. Schnellwüchsige, ausladende Arten würden den langsamen und filigraneren schnell Licht und Platz entziehen. Ökologische Nischen könnten nicht so effektiv besetzt werden, wie es bei einer Blumen-Gras-Mischung der Fall wäre.

 

Am Ende blieben die stärksten Blumen übrig, die regelmäßige Mahd und das jahreszeitlich bedingte Welken der Blumen würden aber große Fehlstellen schaffen, die von unerwünschten, verdrängenden Arten besiedelt werden könnten.

 

Wird gleich (konkurrenzschwaches) Gras mit eingesät, haben es andere Arten von außen schwerer, den Bestand zu erobern, weil Nischen schnell geschlossen werden.

VORBILD  TRADITIONELLE  BLUMENWIESE

Die traditionellen, blütenreichen Blumenwiesen enthalten beides, Gras und Blumen, weil diese unter den gegebenen Standort- und Nutzungsbedingungen zusammen eine stabile, dauerhafte Artengesellschaft bilden. Ausschließlich mit Blumen wäre das so auf unseren vorherrschenden Böden und somit auch in unseren Gärten nicht möglich.

MIT  GRAS  IST  EINE  "ECHTE"  BLUMENWIESE  ATTRAKTIVER

Wenn man das Bild einer echten, traditionellen Blumenwiese vor Augen hat, dann sieht man ein Blumen-Gras-Gemenge. Dieses typische Bild erreicht man am ehesten, wenn diese beiden Partner gemeinsam ausgesät werden.

JEDOCH  NICHT  MIT  DEN  FALSCHEN  ARTEN  AM  FALSCHEN  STANDORT

Blumen- und Gräserarten der mageren Standorte können sich auf nährstoffreichen Böden nicht lange etablieren. Sie wachsen zu langsam und zu schwach und werden von einwandernden, konkurrenzstarken Pflanzen, vor allem Gras, verdrängt.

 

Auf mageren Standorten dagegen können sich die nährstoffliebenden Arten nicht lange halten und bilden einen eher kümmerlichen Anblick.

 

Auch die Aussaat konkurrenzschwacher Blumen mit konkurrenzstarken Gräsern führt zu keinem schönen Ergebnis, sondern zu einem nahezu reinen Grasbestand.

 

Es kommt also auf die Zusammensetzung der Arten und den Standort an, wenn die dauerhaft schöne Wildblumenwiese gelingen soll.

NÄHRSTOFFREICHE  FLÄCHEN  EIGNEN  SICH  WENIGER  FÜR  BLUMENWIESEN

Es hat sich jedoch herausgestellt, das Gras auf nährstoffreichen Flächen konkurrenzstärker ist als Blumen und diese stärker verdrängt als auf mageren Standorten. Außerdem bilden sich auf solchen Flächen vor allem sehr hohe, dichte Grasbestände aus, die eher nicht dem gewünschten Bild einer Blumenwiese entsprechen.

SCHÖNE  BLUMENWIESEN  GEDEIHEN  AUF  MAGEREN  STANDORTEN

Da sich immer eine Artenzusammensetzung durchsetzt, die den Standortbedingungen angepasst ist, und diese auf „fetten“ Flächen meist nicht dem gewünschten Bild entspricht, macht es mehr Sinn, den Standort bei der Anlage der Blumenwiese anzupassen.

 

Anstatt eine reine Blumenmischung auf zu fettem Boden etablieren zu wollen, ist es für das Endergebnis besser, die Fläche auszumagern (oder einen vorhandenen, mageren Platz zu wählen) und ein Blumen-Gras-Gemisch zu säen. So entsteht eine attraktive und dauerhaft schöne Blumenwiese.

WOFÜR  EIGNET  SICH  DAS  NORMALE  BLUMENWIESEN-SAATGUT?

Wenn nicht anders deklariert, eignen sich die unspezialisierten Saatmischungen für durchschnittliche Gartenböden, die abgemagert wurden, jedoch nicht für sehr nährstoffarme Flächen.

 

Die Mischungen sind so zusammengesetzt, dass sie viele verschiedene Blumenarten enthalten und somit ein breiteres Spektrum an Gartenböden abdecken. Unter den Blumen setzen sich dann die Arten durch, die dem Standort und der Nutzung am besten angepasst sind.

 

Die enthaltenen Gräser sind meist weniger verdrängend als die Grasarten in Rasenmischungen.

 

Für sehr magere Böden benötigt man hingegen ein spezielles Saatgut.

WIE  HOCH  SOLLTE  DER  ANTEIL  DER  GRÄSER  IN  DER  MISCHUNG  SEIN?

Auch diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. Es kommt ganz auf die enthaltenen Gras- und Blumenarten an. Manche haben große Samen, manche kleine. In einer Mischung, die eher Gräser mit großen Samen und Blumen mit kleinen Samen enthält, scheint der Anteil Gräser zu hoch zu sein, auch wenn möglicherweise mehr Blumensamen enthalten sind. Den umgekehrten Fall gibt es aber natürlich auch.

 

Wer sich beim Grasanteil unsicher ist, kann den Anteil der Blumen einfach selbst erhöhen. Es gibt günstige Samenmischungen oder Einzelsaatgut, das zusammen mit dem Blumenwiesensaatgut ausgesät werden kann.

WAS  TUN,  WENN  DAS  GRAS  NACH  EINIGEN  JAHREN  DOCH  ÜBERHAND  NIMMT?

Grundsätzlich verändert sich eine Blumenwiese mit den Jahren. Wenn der Grasanteil mit der Zeit zu hoch wird, liegt häufig ein zu nährstoffreicher Boden und/oder eine zu geringe Schnitthäufigkeit vor.

 

Bevor man nun aber mit der gesamten Anlage von vorne beginnt, hält die Natur noch einen Joker parat: Den Klappertopf!

 

Der Klappertopf ist eine einheimische, halb-parasitisch lebende Pflanze, die mit ihren Wurzeln unter anderem Gräser befällt und diesen Wasser und Nährstoffe entzieht. Dadurch schwächt er das Wachstum und die Ausbreitung der Gräser im Bestand.

 

Glücklicherweise wertet der Klappertopf mit seinen gelben Blüten eine Blumenwiese optisch auf, so dass man nicht viel verkehrt machen kann, wenn man ihn aussät.

 

Dabei stellt die Pflanze jedoch durchaus Ansprüche. Das Saatgut* sollte im Herbst/zeitigen Frühjahr (nach Stratifikation; Kaltkeimer) entweder direkt bei einer Neuanlage der Wiese ausgebracht werden oder nachträglich in offene Stellen in einen etablierten Bestand.

FAZIT

Sofern man eine "richtige", traditionelle Blumenwiese anlegen möchte, ist es besser, ein Blumenwiesen-Saatgut zu verwenden, welches Gras enthält. Auf den richtig vorbereiteten Flächen und der passenden Pflege etablieren sich dadurch dauerhaft schöne, blütenreiche Blumenwiesen.

 

Für sehr kleine Flächen, Blühstreifen, Säume und Blumenbeete ist kein Gras als Mischungspartner notwendig.

 

Und im Notfall gibt es noch den Klappertopf.

Puh! Vielen Dank für's Lesen dieses zugegeben etwas sperrigen Artikels. Ich hoffe, ich konnte euch trotzdem bei der Entscheidung helfen!


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Kommentare: 5
  • #1

    Fjonka (Donnerstag, 02 April 2020 20:57)

    Sperrig fand ich das nun garnicht, im Gegenteil. Aber den Klappertopf sollte man im Herbst säen, denn er ist Frostkeimer - und wenn er dann ab Frühjahr rumliegt ist die Chance doch groß, daß ers nicht schafft..... :-)
    Überhaupt: tolles Blog! Und offenbar toller Garten! Ich habe bereits abonniert und werde mich so langsam mal durchs Archiv lesen

  • #2

    Mareike (Donnerstag, 02 April 2020 21:41)

    Hallo Fjonka,
    vielen Dank! Vor allem für den Hinweis mit dem Aussaatzeitpunkt vom Klappertopf! Ich habe das im Text jetzt besser formuliert. Es ist schon etliche Jahre her, dass ich Klappertopf ausgesät habe. Da gab's den Stratifikationshinweis damals zum Saatgut dazu. :-)
    LG

  • #3

    Fjonka (Freitag, 03 April 2020 09:11)

    Bist Du eigentlich Biologin oder sowas? Das liest sich alles sehr fachkundig hier - toll! Bin auf der Suche nach Links für eine Bekannte, die Vögel im Garten vermißt, auf Deine Seite gestoßen und habe ihr den Link geschickt, weil ich selbst eher Infomaterial zur Unterstützung von Insekten habe (hängt ja immer zusammen, und doch.... *g*

  • #4

    Mareike (Freitag, 03 April 2020 10:09)

    Ich bin eigentlich Agraringenieurin, aber ich hab mich auf den ökologischen Landbau spezialisiert und für ein paar Jahre Anbauversuche mit Wiesenblumen auf einem Öko-Versuchsgut durchgeführt. Daher muss der Eindruck von Fachkunde kommen ;-)
    Aber der Rest ist aus eigenem Interesse gewachsen.
    Wenn deine Bekannte Vögel im Garten vermisst, dann ist das Thema Naturgarten auf jeden Fall das Richtige für sie. Eigentlich gerade wegen der Insekten! Aber vielleicht fehlt in ihrem Garten etwas anderes??

  • #5

    Fjonka (Freitag, 03 April 2020 23:09)

    Kann ich nicht beurteilen, ich kenne den Garten nicht. Aber Leute auf Naturgarten-Spur zu setzen ist ja IMMER eine gute Idee *g*
    "Der Eindruck von Fachkunde" *gg* - schön ausgedrückt, aber das erklärt für mich wirklich manches.
    Es wird mir eine Freude sein, hier weiterzulesen (abonniert ist!)