1. DAS RICHTIGE WILDBLUMEN-SAATGUT

Ist Saatgut, wo "Wiesenblumen", "Wildblumen" oder "Blumenwiese" drauf steht, wirklich geeignet?

Als wir uns vor ein paar Jahren das Häuschen kauften und begannen, den Garten tierfreundlicher zu gestalten, wollte ich auch gleich ein kleines Stück Blumenwiese anlegen. Ganz klein, weil ich noch keine Lust hatte, die ganze Fläche umzugraben.

 

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei einem unserer zahlreichen Baumarktbesuche aus der Gartenabteilung eine Dose mit "Wiesenblumen"-Saatgut kaufte, ohne auf die Inhaltsangabe zu schauen, und gleich zu Hause einsäte.

 

Was soll ich sagen, es keimten und blühten noch im ersten Jahr Ringelblumen, Mohn und Kornblumen und ein paar Exoten. Eigentlich sah es schön bunt aus, aber eben nach Ackerblumen und nicht nach Blumenwiese. Noch nicht, dachte ich. Im 2. Jahr würden sich die Wiesenblumen sicher durchsetzen.

 

Aber nix da, im 2. Jahr kümmerten noch ein paar Mohnblumen vor sich hin, aber ansonsten eroberte sich die umliegende Vegetation ihren Platz zurück. Das war also ein Schuss in den Ofen und eine hilfreiche Lektion in Sachen Wiesenblumen-Saatgut.

Wildblumen statt Exoten, sterile Zuchtsorten und Einjährige

Was sollte man also bei der Anlage einer Wildblumenwiese auf keinen Fall machen? In den nächsten Baumarkt oder das Gartencenter gehen und sich dort mit Saatgut eindecken. Warum?


Wenn wir unserer Tierwelt helfen wollen, sollten die enthaltenen Pflanzenarten einheimisch sein. Außerdem ausdauernd und den Standortbedingungen angepasst, damit die Wiese über Jahrzehnte schön bleibt.

 

Das Problem bei den Baumarkt-Mischungen ist, dass nach optischen Kriterien häufig exotische Blumen, aber vor allem Ein- und Zweijährige, recht wahllos zusammengemischt werden. Zuweilen sogar sterile Zuchtsorten, die sich nicht mehr selbst vermehren können. Gräser fehlen in der Regel ganz, so dass es sich nicht um ein Blumenwiesen- sondern eher um ein Blumenbeet-oder Ackerblumen-Saatgut handelt.

 

Eine solche Ansaat keimt im 1. Jahr zwar gut, bringt ein buntes, aber ökologisch nicht sehr hochwertiges Blütenmeer und verabschiedet sich danach aufgrund fehlender Mehrjähriger, fehlender Standortanpassung und fehlender Reproduktionsfähigkeit. Danach müsste man alles wieder neu anlegen. Wenn man denn noch mal Lust darauf hat.

Glücklicherweise war mein 1. Versuch nur eine kleine Testfläche. Das größere Rasenstück umzuwandeln stand ja noch aus. Und hierfür besorgte ich mir richtiges Blumenwiesen-Saatgut.

Wildblumenwiese mit einheimischen Blumenwiesenarten wie Karthäusernelken und Wiesen-Margeriten.
Unsere Wildblumenwiese mit einheimischen Blumenwiesenarten wie Karthäusernelke und Wiesen-Margerite.

Saatgut heimischer Wildblumen für eine natürlich schöne Blumenwiese

Erfolgversprechend für ein langlebiges Ergebnis sind Einzel-Saatgut und Wildblumen-Samenmischungen heimischer Herkunft. Wer es sich zutraut, kann die Samen einzelner Arten selbst zu einer Blumenwiesenmischung zusammenstellen. Dazu sind aber recht gute Artenkenntnisse vor allem hinsichtlich Standortansprüche, Aussaatmengen, Blüh- und Konkurrenzverhalten nötig.

 

Zum Glück gibt es aber auch sehr gute, vorgemischte Blumenwiesen-Ansaaten im Handel, bei einigen Produzenten abgestimmt auf verschiedene Standortansprüche.

Gutes Blumenwiesen-Saatgut erkennt man an:

 

  • einheimischen Wildblumen

  • keine Verwendung züchterisch veränderter Sorten (meistens leider nicht angegeben)

  • Beimischung von Grasarten, die die Blumen nicht verdrängen (Auch Gräser sind Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen, z. B. für den Schachbrett-Falter. Und ohne Gräser wäre es ja keine Wiese.)

  • genauen Angaben (Artbezeichnung und Menge) zu allen in der Mischung enthaltenen Arten

 

Wer bietet geeignetes Saatgut an?

Gutes Blumenwiesen-Saatgut ist leider nicht ganz billig, denn der naturschutzverträgliche Anbau der Wildblumenarten (Verzicht auf Kunstdünger, Pestizide und Hybridsorten) liefert pro Anbaufläche nur recht übersichtliche Samenerträge.
Aber es gibt unter den zahlreichen Anbietern auch ein paar günstige, die trotzdem gut sind und mit deren Saatgut man (mit kleinen Abstrichen) schöne und hochwertige Blumenwiesen anlegen kann. Zwei davon möchte ich unten kurz vorstellen (die Mischungen sind bei Amazon bestellbar):

 

1. Kiepenkerl Profi-Line Nature Wildblumenwiese

 

 

Die erste Mischung kommt vom bekannten Saatgutanbieter Kiepenkerl und nennt sich Kiepenkerl Profi-Line  Nature Wildblumenwiese*.
Die 250 g-Packungen reicht für eine Fläche von 40 qm.
Die Mengen für die enthaltenen Gräser und Leguminosen sind Art-genau angegeben, für die Blumen/Kräuter aber leider nicht (siehe PDF). Diese werden variieren. Der Anteil (1) der Gräser liegt bei 77 %, der Anteil der Blumen bei 23 %.

 

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Kiepenkerl Profi-Line Nature Wildblumenw
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Diese Saatmischung eignet sich für durchschnittliche Gartenböden.

 


2. Blühking Blumenwiese

 

 

Die zweite Mischung ist die Blühking Blumenwiese*.
Die 500 g Packung reicht für ca. 100 qm, es gibt jedoch auch größere Gebinde.
Die Angaben zu den enthaltenen Arten sind wie bei der oberen Mischung (siehe PDF). Leider sind auch Pflanzen dabei, die man nicht mehr so ganz als einheimisch bezeichnen kann (Kalifornischer Mohn, Riesen-Goldrute). Der Gewichtsanteil der Grassamen beträgt 82 %, der Anteil der Blumen 18 %.

 

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Diese Saatmischung eignet sich ebenfalls für durchschnittliche Gartenböden.


TIPP: Natürlich kann man den Anteil der Blumen in der Saatmischung selbst erhöhen, wenn man einfach ein oder zwei Samentütchen der Lieblings-Wiesenblumenart (z.B. Wiesen-Margerite*) gleich mit aussät. Nur sollte man auch hier darauf achten, keine sterilen Zuchtsorten oder Exoten zu verwenden.

 

Da sie keine Gräser enthalten, sind auch die günstigen, aber artenreichen Blumenmischungen wie die Biobalu Bienenweide* geeignet, den Anteil der Wildblumen zu erhöhen (obwohl zum Teil nicht-heimische Arten beigemischt sind).

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Vor Kurzem bin ich auf die Reine Wildblumen- und Kräutermischung* von Kiepenkerl aufmerksam geworden und möchte diese demnächst in meiner neuen Blumenwiese ausprobieren. Sie ist mit ca. 80 verschiedenen Kräutern bzw. Blumen ausgesprochen artenreich. Wichtig: nicht zu dicht säen, damit nicht die schnell und breit wachsenden Arten die langsamen und filigranen unterdrücken. 100 g reichen für 100 qm.

 

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Eine große Packung reine Wiesenblumensamen findet man auch bei der Blumenwiese Expona* . Der Name ist etwas irreführend, denn es handelt sich um eine reine Blumenmischung, nicht um ein richtiges Blumenwiesen-Saatgut. Die 250 g Blumensamen ganz ohne Gräser reichen für 30 - 40 qm.

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Aber jetzt wieder zurück zu den richtigen Blumenwiesen-Mischungen! Die dritte, die ich vorstellen möchte, gehört zum absoluten Profisegment. Hier stammt das Saatgut von Rieger-Hofmann, einem Unternehmen, dass sich auf die Vermehrung von Wildpflanzen spezialisiert hat und hohe Qualitätsanforderungen erfüllt. Sie gehört zu den hochwertigsten aber auch preisintensiveren Blumenwiesenmischungen.

3. Kiepenkerl Rieger-Hofmann Blumenwiese

 


Die Kiepenkerl Rieger-Hofmann Blumenwiese* ist teurer als die anderen beiden, und leider gibt es sie hier nur in der Großpackung für 250 m².
Dafür ist sie ausgesprochen artenreich zusammengesetzt (siehe PDF) und hat deshalb unter den hier vorgestellten Blumenwiesenmischungen den höchsten ökologischen Wert. Der Anteil (1) der Gräser beträgt 50 % und der der Blumen ebenfalls 50 %, was sehr gut ist.


Dieses Saatgut wird bei der professionellen Anlage von Blumenwiesen eingesetzt, z. B. bei Renaturierungsmaßnahmen innerhalb von Naturschutzprojekten.

 

Für die Einsaat größerer Flächen ist sie in jedem Fall zu empfehlen.

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Kiepenkerl Rieger-Hofmann Blumenwiese.pd
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Die Saatmischung ist aufgrund ihres breiten Artenspektrums für viele verschiedene Gartenböden geeignet (außer sehr trockene oder sehr feuchte). Sie enthält genügend Blumenarten, von denen sich bei den vorhandenen Bedingungen immer welche durchsetzen werden.


(1) Es handelt sich um den Anteil am Gesamtgewicht der Samenmischung. Das bedeutet, dass trotz höherem Gewichtsanteil der Gräsersamen mehr Blumensamen enthalten sein können. Viele Blumensamen sind leichter als Gräsersamen.


Möchtest du in diesem Jahr eine Blumenwiese anlegen?

 

Ich auch!

 

Für alle, die noch unsicher in der Umsetzung sind, möchte ich alle Schritte dokumentieren.

Seit Anfang März hier im Blog.

 

Welches Saatgut ich verwende und was man noch tun kann, damit die Aussaat zum Erfolg wird, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.


Noch ein Tipp: Am besten testet man vor der Anlage einer Blumenwiese, welchen Bodentyp man auf seinem Grundstück vorfindet und welche Wildblumen dort am besten gedeihen würden. Ist der Boden z.B. sehr mager, trocken und sandig, ist es sehr enttäuschend, Blumen der nährstoffreichen Standorte dort etablieren zu wollen.


Das trifft natürlich nicht nur auf die Wiesenblumen sondern auf alle Pflanzen im Garten zu. Wer nicht lange rumprobieren sondern gleich die richtigen Arten finden möchte, dem kann ich das sehr informative Buch
Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten*  vom Naturgarten-Profi Reinhard Witt empfehlen. Darin werden Blumenwiese-Rezepte und Pflanzungen für z. B. Beete und Hecken für alle Standorttypen beschrieben.

 


Entwicklung einer heimischen Wildblumenwiese

Wildblumenwiese 6 Wochen nach der Einsaat.
Wildblumenwiese 6 Wochen nach der Einsaat.

Sehr wichtig! Viele Gärtner, die eine Wildblumenwiese aus heimischen Wildblumen ansäen, sind von dem „Ergebnis“ enttäuscht (siehe zahlreiche Rezensionen).

 

Als Ergebnis wird dann der Keimstatus nach wenigen Wochen oder die Anzahl der blühenden Arten im ersten Jahr bezeichnet.

 

Eine solch frühe Beurteilung über Erfolg oder Misserfolg wird einer Wildblumenansaat jedoch nicht gerecht.

 

Eine echte Blumenwiesen-Saatmischung ist grundsätzlich verschieden von den überwiegend erhältlichen Blumenmischungen, die aus Zier- und Zuchtsorten bestehen.

 

Langsame Keimung und Entwicklung für ein nachhaltiges Ergebnis

Zier- und Zuchtsorten sind züchterisch meist so verändert, dass sie keine Keimruhe mehr besitzen und sofort nach der Aussaat keimen.

 

Für die vollständige Keimung benötigt die Saatmischung aus heimischen Wildarten hingegen mind. 6-10 Wochen und länger, da ein Anteil der Samen erst verzögert aufgeht. Das ist eine Anpassungsstrategie der Natur und verhindert, dass alle Keimlinge durch bspw. ungünstige Witterungsbedingungen absterben. Für einen solchen Fall stehen somit noch verspätet keimende Samen zur Verfügung und verhelfen zu einer insgesamt besseren Etablierung der Wildarten.

 

Aber auch nach der Keimung entwickelt sich die Ansaat aus heimischen Wiesenblumen und -gräsern im ersten Jahr ziemlich bescheiden. Man muss also vor allem Geduld haben bei der Anlage einer Wildblumenwiese.

In den Baumarkt-Blühmischungen sind überproportional viele Einjährige beigemischt, so dass solch eine Blumenwiese im ersten Jahr sehr attraktiv aussieht.

 

Eine Saatmischung aus heimischen Wildblumen dagegen ist sehr kompliziert zusammengesetzt. Arten mit gleichen Standortansprüchen, die auf Dauer gut harmonieren, ohne einander zu stark zu verdrängen, sind im idealen Verhältnis zueinander gemischt.

 

Darunter sind vor allem ausdauernde Stauden, die einige Zeit für ihre Entwicklung benötigen. Einjährige wie Mohn und Kornblumen sind aber teilweise zur Aufwertung im ersten Jahr beigesetzt. Diese gehören zu den Ruderal- bzw. Acker- und nicht zu den Wiesenpflanzen. Sie verschwinden nach wenigen Jahren aus der Blumenwiese, werten sie aber im ersten Jahr durch ihre Blüte ökologisch und optisch auf.

 

Eine frisch gesäte Wildblumenwiese braucht 2 - 4 Jahre für die Entwicklung der ihr beigemischten Arten und sieht dann jahre- (jahrzehnte)lang wunderschön aus.

 

Die Blühmischung aus dem Baumarkt schafft mit Glück zwei Jahre und muss dann neu angelegt werden.

 

FAZIT

Für das erfolgreiche Anlegen einer Wildblumenwiese ist das Verstehen dieses Biotops ausgesprochen hilfreich. Eine dauerhaft schöne Blumenwiese erfordert das richtige Saatgut - heimisch, ausdauernd und den Standortbedingungen angepasst. Damit vermeidet man einen der häufigsten Fehler, die zum Scheitern einer Ansaat führen.


Aber noch immer kann einiges schief gehen. Worauf man sonst noch dringend achten muss, steht in den nachfolgenden Kapiteln:


Außerdem hilfreich:


* Die Saatgutmischungen sind bei Amazon bestellbar. Für die Weiterleitung zu Amazon werden Affiliatelinks verwendet.


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Kommentare: 17
  • #1

    Margit B. (Donnerstag, 18 Juli 2019 21:44)

    Ich bin sehr froh und dankbar, diesen Artikel gelesen zu haben, denn ich möchte eine Wildblumenwiese anlegen, trage dabei die alte Grasnarbe komplett ab. Dass ich Samen mit heimischen Blumen und Kräutern kaufen muss, war einleuchtend. Allerdings wusste ich nicht, dass man sehr viel Geduld braucht. Ich wusste auch nicht, dass es wichtig ist, Gräser in der Samenmischung zu haben.
    Alles in allem, ein sehr hilfreicher Beitrag für Freunde der Natur. Vielen Dank

  • #2

    Lene (Donnerstag, 12 März 2020 09:18)

    Sehr schöner, hilfreicher und informativer Artikel. Vielen Dank!!
    Werde dieses Jahr mit der Anlage starten und habe hier sehr gute und konkrete Tipps bekommen

  • #3

    Mareike (Donnerstag, 12 März 2020 19:17)

    Re: Margit B. und Lene
    Wunderbar! Viel Erfolg bei der Anlage!

  • #4

    Vita (Sonntag, 22 März 2020 17:48)

    Du hast dir sehr viel Mühe beim Erklären der Zusammenhänge gegeben, wie man eine sinnvolle, naturgemäße Blumenwiese anlegt.�
    In diesem Jahr möchte ich aus 2 Hektar Pferdewiesen, die nicht mehr durch die Pferde benutzt werden, auch beginnen eine Blumenwiese zu säen.
    Da ich aber unmöglich die ganze vorhandene Wiese roden kann, hatte ich die Idee auf den vielen Maulwurfshaufen Blumensamen zu säen. Da möchte ich aber nur heimisches Saatgut verwenden ..... hast du einen guten Tipp, wer reines Blumensaatgut herstellt? und zweitens hältst du die ganze Geschichte überhaupt für eine gute Idee?
    Liebe Grüße
    Vita

  • #5

    Mareike (Sonntag, 22 März 2020 18:38)

    Re: Vita
    Vielen Dank! Du hast Recht, die ganzen 2 ha zu pflügen wäre ein riesiger Aufwand.
    Ich hab einmal versucht, Maulwurfshaufen in meiner Blumenwiese zu besäen, aber das hat nicht geklappt. Darauf hat absolut nichts gekeimt, was daran liegen könnte, dass wir reinen Sand haben und ich die Maulwurfshaufen nicht platt genug gemacht habe. Wahrscheinlich war es dort einfach zu trocken. Mit etwas fetterem Boden könnte es aber bestimmt klappen.
    Extra für die Aussaat im Freiland bietet die Firma Rieger-Hofmann regionales Saatgut an. Dieses ist recht preisintensiv. Bevor du das Experiment mit den Maulwurfshaufen wagst, kannst du ja erst mal mit einem kleinen Probetütchen Saatgut ausprobieren, ob es bei dir klappt.
    Alternativ fiele mir noch ein, dass du kleine Blumeninseln auf den Pferdewiesen anlegen könntest. Also hier und da kleine Stellen umgraben und besäen. Von da aus können sich die Blumen dann den Rest der Wiese erobern.
    LG Mareike

  • #6

    Renate Graetsch (Freitag, 27 März 2020 22:44)

    Ich habe für 2 Blühinseln die Grasnarbe ( seit Jahren nicht gedünkt) 6 cm abgetragen. Durchmesser je 4m
    Welche Blühmischung kann ich in Schleswig Holstein verwenden? Sie darf sich in den umliegenden Rasen ausbreiten. Wie muss ich den Boden vorbereiten?
    Mit freundlichen Grüßen
    Renate Graetsch

  • #7

    Mareike (Samstag, 28 März 2020 08:13)

    Re: Renate
    Die Firma Rieger-Hofmann bietet u. a. Saatgut mit norddeutscher Herkunft an. Dieses ist speziell für die großflächige Verwendung außerhalb von Ortschaften gedacht, eignet sich aber auch für den Garten. Allerdings reicht für den Einsatz im Garten auf kleinen Flächen meist auch das normale Saatgut ohne Herkunftsbezug aus (siehe oben).
    Zur Bodenvorbereitung: Der Boden in den Blühinseln sollte auf jeden Fall noch mal gründlich umgegraben werden, um den unkrautarmen Unterboden nach oben zu holen. Wenn der Boden lehmig ist, würde ich ihn mit Sand abmagern, sonst ist das nicht unbedingt nötig.
    Wenn der Boden aber sehr mager ist, hilft es den Jungpflanzen, wenn etwas unkrautfreier Humus oder Blumenerde (torffrei!) als Startgabe im Saatbett untergemischt wird.
    LG Mareike

  • #8

    Johanna (Donnerstag, 07 Mai 2020 19:51)

    Ich verfolge das mit dem Wildblumensaatgut schon lange und frage mich immer wieder, warum so viele Leguminosen mit dabei sind!?
    Ich besitze ein brachliegendes kleines Grundstück, ein ehemaliges Feld mit sehr lehmigen, "fetten" Boden. - Im Frühjahr ist alles voller Löwenzahn...
    Ich möchte aus dieser grünen, nur im Frühjahr blühenden Wiese, eine bunte Blumenwiese machen. - Und weiß, dass das nur geht, wenn ich den Boden magerer bekommen. D.h. wir mähen diese Wiese zweimal im Jahr, lassen das Heu trocken, die Samen ausfallen und bringen die "Gründüngung" dann zum Verfüttern an einen Bauern.
    Meine Frage:
    Warum sind in diesen Saatgutmischungen so viele Leguminosen mit dabei? - Das sind Stickstoffbinder. Die holen den Stickstoff aus der Luft und machen ihn als Dünger für die anderen Pflanze verwertbar - mager wird die Wiese so nie!

    Kann mir das hier mal jemand erklären???'
    Danke!

  • #9

    Mareike (Donnerstag, 07 Mai 2020 23:15)

    Hallo Johanna,
    bei den Leguminosen kommt es sehr darauf an, wieviele und von welcher Art man in der Mischung hat, weil die Stickstoff-Fixierungsleistung sehr unterschiedlich ist. Rotklee und Weißklee binden sehr viel Stickstoff und neigen dazu, sich auf nährstoffreichen Flächen stark auszubreiten. Vor allem die Zuchtsorten. Auf meiner mageren Blumenwiese im Havelland konnte sich aber nicht mal der Hornklee halten und ist schon wieder verschwunden. Nur Hasen- und Hopfenklee schaffen es dort bislang, wachsen aber nur vereinzelt und recht schwach, so dass sie dort kaum Einfluss auf die Stickstoffanreicherung haben.

    In vielen Blumenwiesen-Mischungen sind Leguminosen vorhanden, weil sie sehr gute Nektarpflanzen sind und von vielen Wildbienen und Schmetterlingen aufgesucht werden. Außerdem sind die meisten auch was für's Auge.

    Bei der Ausmagerung einer Fläche geht es ja in erster Linie darum, die Bedingungen für konkurrenstarke Gräser zu verschlechtern und für die Blumen zu verbessern. Das ist auf sehr lehmigem Boden schwierig, wenn man nicht großflächig mit Sand abmagern und neu einsäen möchte. Man kann alternativ Wiesenblumen punktuell oder streifenweise einsäen, die mit den Bedingungen zurecht kommen. Das können dann ruhig auch (in überschaubarer Menge) Leguminosen sein, hauptsache sie behaupten sich neben dem Gras. Dafür kann man sich eine grasfreie Wiesenblumen-Mischung besorgen, in die vorbereiteten Stellen einsäen und schauen, was sich behauptet. Das ist an jedem Standort und auf jedem Boden verschieden und es setzt sich am Ende durch, was zum Standort passt.
    LG Mareike

  • #10

    Hermann (Mittwoch, 20 Mai 2020 11:07)

    Hallo zusammen
    Mir wird ganz schummrig, wenn ich die Einträge mit “abgetragener Grasnarbe“, Wiesen “roden“ (was immer das auch sein soll) mit Sand abmagern usw. lese.
    Die allermeisten einheimischen Wiesenblumen/-pflanzen -Margeriten, Schafgarbe, Glockenblumen, Zittergras usw. sind KEINE ausgesprochenen Magerpflanzen. Nach 60 Jahren Erfahrung in der Landwirtschaft wachsen die unter folgenden Bedingungen:
    im Frühjahr mit ( Rinder-) Festmist düngen, im Sommer zu Heu mähen, die Samen fallen aus und keimen erneut. Der zweite und dritte Schnitt ist unschädlich, nur muss das Mähgut komplett abgeräumt werden.
    Grasnarben und obere Bodenschichten abtragen.....brrrrr...Ein Millimeter Oberboden braucht 80 Jahre zum Entstehen...
    Kleine Mengen richtig säen:
    Wanne oder Eimer, zwei drei Kilo Sand, Saatgut gut untermischen, mit Schwung und Augenmaß auf der Fläche verteilen.
    Ich hab noch nie vor oder nach dem Heu machen hektarweise “Pflanzbett bereitet“.
    Kommt alles bestens alleine klar, mit der Zeit stellen sich die “richtigen“ Pflanzenarten ein.
    Entscheidend ist, siehe oben, die richtige Bewirtschaftungsart.

  • #11

    Mareike (Sonntag, 24 Mai 2020 21:22)

    Hallo Hermann,
    es ist richtig, dass Margeriten, Schafgarben und Glockenblumen auch auf fetteren Böden wachsen, dort gibt es aber in der Regel keine so hohen Blütendichten wie auf mageren Böden, auf denen diese Blumen einen gewissen Konkurrenzvorteil gegenüber manchen Gräsern zu haben scheinen.
    Die von mir vorgestellten Methoden, bei denen auch die Grasnarbe beseitigt wird, ist an Gärtner gerichtet, die eine kleine Blumenwiese mit hoher Blütenanzahl in ihrem Garten anlegen möchten. Dafür haben sie sich sehr gut bewährt und werden am ehesten den optischen Erwartungen gerecht, da sich dadurch (chemiefrei) die Verunkrautung der Einsaat stark verringern lässt und sich blütenreiche Bestände bilden.
    Auch in der weiteren Pflege haben sie deutliche Vorteile. Fette Gartenböden z. B. bringen sehr hohe und dichte Aufwüchse hervor, die in den im Verhältnis zum Grünland relativ kleinen Gärten ziemlich erschlagend wirken können. Hinzu kommt die höhere Schnitthäufigkeit, die auf nährstoffreichen Flächen absolut notwendig ist.
    Für ausgedehnte Grünlandflächen sind diese Methoden nicht nötig. Hier entscheidet, wie du schon sagst, die Schnitthäufigkeit (und der Zeitpunkt des ersten Schnitts). Aber auch eine zu starke Düngung sollte vermieden werden, genauso wie die regelmäßige Erneuerung der Wiese durch Umbruch und Neuansaat mit Deutschem Weidelgras (flächendeckend bei uns am stärksten für den Schwund der Artenvielfalt im Grünland verantwortlich).
    LG Mareike

  • #12

    Jörg (Sonntag, 24 Mai 2020 21:27)

    Ich habe meinen Acker ca.7000 qm dem Naturschutz gegeben,um eine Blühwiese anzulegen,
    mit einem Regionalen Saatgut vom Rieger&Hofmann 30%Blumen und 70% Gräser.
    Vor 4 Wochen wurde angesät,man sieht jetzt nur ein bischen vom Saatgut.
    Die Unkräuter werden momentan mehr wachsen bis zum 1.Schnitt.
    Insgesamt werde ich wohl bis zu 3 Jahren warten müssen auf meine Magerwiese,aber ich bin
    froh, dass ich diese Entscheidung gemacht habe.

  • #13

    Mareike (Sonntag, 24 Mai 2020 22:02)

    Hallo Jörg,
    das finde ich ja großartig, dass 7000! qm neue Blumenwiese entstehen! Das ist ein Lichtblick für so viele bedrohte Arten! Sogar für die schwer gebeutelten Wiesenvögel! Ich drück die Daumen, dass es bei dir nicht zu trocken wird in den nächsten Wochen, so dass sich die Einsaat gut entwickeln kann!
    LG Mareike

  • #14

    Corina Hofstetter (Montag, 22 Juni 2020 16:58)

    Vielen Dank für den tollen Artikel! Ich versuche mich im dritten Jahr, erfolglos, an einer schönen, natürlichen Blumenwiese. Mit ihren Tipps und vor allem den konkreten Kaufempfehlungen klappt's im nächsten Jahr sicher und hoffentlich auch dauerhaft, das ist nämlich mein Ziel :)

  • #15

    Mareike (Montag, 22 Juni 2020 19:40)

    Hallo Corina,
    ich drück ganz fest die Daumen, dass die Blumenwiese nächstes Jahr gelingt! Auf meiner Blog-Unterseite (Menü oben) findest du noch weitere Artikel zur Anlage einer Blumenwiese, die noch ein klein wenig mehr ins Detail gehen und auf jeden Fall auch hilfreich sind.
    LG Mareike

  • #16

    Gesine (Donnerstag, 06 August 2020 13:44)

    Hallo Mareike, viele Dank für den tollen Beitrag! Vielleicht hast Du auch einen Tip für mich: wir haben im Garten der Mietwohnung 100qm „Rasen“. Der Boden ist sehr lehmig mit großen Steinen u nach 3 trockenen Sommern (Fläche kriegt auch noch volle Sonne von Morgens bis Abends) besteht die Fläche aus vertrockneten Gräsern u Löwenzahn... Ich würde gerne eine insektenfreundliche Blumenwiese aussähen, die mit dem Boden und Sonne zurecht kommt. Auf was sollte ich denn am besten achten? Welche Arten könnten sich dort behaupten? Vielen lieben Dank und beste Grüße!

  • #17

    Mareike (Freitag, 07 August 2020 13:32)

    Hallo Gesine,
    schön, dass du eine Blumenwiese anlegen möchtest! Allerdings ist bei sehr lehmigem Boden dein Vorhaben gar nicht so einfach, vor allem wegen der Vorbereitung des Bodens. Zunächst müsste ja idealerweise der alte Aufwuchs aus Gräsern und Löwenzahn runter.
    Wenn du danach direkt in den lehmigen Boden einsäen möchtest, empfehle ich eine artenreiche Wiesenblumen-Saatmischung ohne oder mit nur sehr geringem Gräseranteil. Denn auf Lehm ist das Gras gegenüber den Blumen sehr konkurrenzstark. Den Blumen sollte man deshalb ruhig etwas Vorsprung geben.
    Artenreich sollte die Mischung deshalb sein, weil dann wahrscheinlich mehrere Wiesenblumenarten dabei sind, die mit den Standort-Bedingungen gut zurechtkommen und sich durchsetzen werden (welche Arten das sind, lässt sich vorher meist schlecht sagen).
    Viel Erfolg bei der Anlage!
    LG Mareike