1. Das richtige Wildblumen-Saatgut

Ist Saatgut, wo "Wiesenblumen", "Wildblumen" oder "Blumenwiese" drauf steht, nicht immer geeignet?

Als wir uns vor ein paar Jahren das Häuschen kauften und begannen, den Garten tierfreundlicher zu gestalten, wollte ich auch gleich ein kleines Stück Blumenwiese anlegen. Ganz klein, weil ich noch keine Lust hatte alles umzugraben.

 

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei einem unserer zahlreichen Baumarktbesuche aus der Gartenabteilung eine Dose mit "Wiesenblumen"-Saatgut kaufte, ohne auf die Inhaltsangabe zu schauen, und gleich zu Hause einsäte.

 

Was soll ich sagen, es keimten und blühten noch im ersten Jahr Ringelblumen, Mohn und Kornblumen und ein paar Exoten. Eigentlich sah es schön bunt aus, aber eben nach Ackerblumen und nicht nach Blumenwiese. Noch nicht, dachte ich. Im 2. Jahr würden sich die Wiesenblumen sicher durchsetzen.

 

Aber nix da, im 2. Jahr kümmerten noch ein paar Mohnblumen vor sich hin, aber ansonsten eroberte sich die umliegende Vegetation ihren Platz zurück. Das war also ein Schuss in den Ofen und eine hilfreiche Lektion in Sachen Wiesenblumen-Saatgut.

Wildblumen statt Exoten, sterile Zuchtsorten und Einjährige

Was sollte man also bei der Anlage einer Wildblumenwiese auf keinen Fall machen? In den nächsten Baumarkt oder das Gartencenter gehen und sich dort mit Saatgut eindecken. Warum?


Wenn wir unserer Tierwelt helfen wollen, sollten die enthaltenen Pflanzenarten einheimisch sein. Außerdem ausdauernd und den Standortbedingungen angepasst, damit die Wiese über Jahrzehnte schön bleibt.

 

Das Problem bei den Baumarkt-Mischungen ist, dass nach optischen Kriterien häufig exotische Blumen, aber vor allem Ein- und Zweijährige, recht wahllos zusammengemischt werden. Zuweilen sogar sterile Zuchtsorten, die sich nicht mehr selbst vermehren können. Gräser fehlen in der Regel ganz, so dass es sich nicht um ein Blumenwiesen- sondern eher um ein Blumenbeet-oder Ackerblumen-Saatgut handelt.

 

Eine solche Ansaat keimt im 1. Jahr zwar gut, bringt ein buntes, aber ökologisch nicht sehr hochwertiges Blütenmeer und verabschiedet sich danach aufgrund fehlender Mehrjähriger, fehlender Standortanpassung und fehlender Reproduktionsfähigkeit. Danach müsste man alles wieder neu anlegen. Wenn man denn noch mal Lust darauf hat.

Wildblumenwiese mit einheimischen Blumenwiesenarten wie Karthäusernelken und Wiesen-Margeriten.
Unsere Wildblumenwiese mit einheimischen Blumenwiesenarten wie Karthäusernelke und Wiesen-Margerite.

Saatgut heimischer Wildblumen für eine natürlich schöne Blumenwiese

Erfolgversprechend für ein langlebiges Ergebnis sind Einzel-Saatgut und Wildblumen-Samenmischungen heimischer Herkunft. Wer es sich zutraut, kann die Samen einzelner Arten selbst zu einer Blumenwiesenmischung zusammenstellen. Dazu sind aber recht gute Artenkenntnisse vor allem hinsichtlich Standortansprüche, Aussaatmengen, Blüh- und Konkurrenzverhalten nötig.

 

Zum Glück gibt es aber auch sehr gute, vorgemischte Blumenwiesen-Ansaaten im Handel, bei einigen Produzenten abgestimmt auf verschiedene Standortansprüche.

Gutes Blumenwiesen-Saatgut erkennt man an:

 

  • einheimischen Wildblumen

  • keine Verwendung züchterisch veränderter Sorten (meistens leider nicht angegeben)

  • Beimischung von Grasarten, die die Blumen nicht verdrängen (Auch Gräser sind Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen, z. B. für den Schachbrett-Falter. Und ohne Gräser wäre es ja keine Wiese.)

  • genauen Angaben (Artbezeichnung und Menge) zu allen in der Mischung enthaltenen Arten

 

Wer bietet geeignetes Saatgut an?

Gutes Blumenwiesen-Saatgut ist leider nicht ganz billig, denn der naturschutzverträgliche Anbau der Wildblumenarten (Verzicht auf Kunstdünger, Pestizide und Hybridsorten) liefert pro Anbaufläche nur recht übersichtliche Samenerträge.
Aber es gibt unter den zahlreichen Anbietern auch ein paar günstige, die trotzdem gut sind und mit deren Saatgut man (mit kleinen Abstrichen) schöne und hochwertige Blumenwiesen anlegen kann. Zwei davon möchte ich unten kurz vorstellen (die Mischungen sind bei Amazon bestellbar):

 

1. Kiepenkerl Profi-Line Nature Wildblumenwiese

 

 

Die erste Mischung kommt vom bekannten Saatgutanbieter Kiepenkerl und nennt sich Kiepenkerl Profi-Line Nature Wildblumenwiese*.
Es gibt sie in 250g und in 500g-Verpackungen, die jeweils für 40 qm bzw. 80 qm Fläche reichen.
Die Mengen für die enthaltenen Gräser und Leguminosen sind Art-genau angegeben, für die Blumen/Kräuter aber leider nicht (siehe PDF). Diese werden variieren. Der Anteil (1) der Gräser liegt bei 77 %, der Anteil der Blumen bei 23 %.

 

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Kiepenkerl Profi-Line Nature Wildblumenw
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Diese Saatmischung eignet sich für durchschnittliche Gartenböden.

 


2. Blumenwiese EXPONA

 

 

Die zweite Mischung ist die Blumenwiese EXPONA*.
Die 1 kg Packung reicht für ca. 100 qm.
Hier sind die Mengen für alle enthaltenen Arten genau angegeben (siehe PDF). Leider sind auch zwei Pflanzen dabei, die man nicht mehr so ganz als einheimisch bezeichnen kann (Serradella, Persischer Klee). Der Anteil (1) der Gräser beträgt 76 %, der Anteil der Blumen 24 %.

 

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Diese Saatmischung eignet sich ebenfalls für durchschnittliche Gartenböden.


Tipp: Natürlich kann man den Anteil der Blumen in der Saatmischung auch selbst erhöhen, z.B. durch ein Samentütchen der Lieblings-Wiesenblumenart. Nur sollte man auch hier darauf achten, keine Zuchtsorten oder Exoten zu verwenden.

 

Gute artenreiche Blumenmischungen wie die Neudorff Wildgärtnerfreude-Mischungen (vor allem Nachtschwärmertreff* und Bunte Schwärmerei* ) sind ebenfalls geeignet, den Blumenanteil zu erhöhen.

Alternativ ginge auch die Biobalu Bienenweide* , auch wenn der Anteil nicht-heimischer Arten für meinen Geschmack etwas hoch ist.


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Neudorff Wildgärtnerfreude Nachtschwärme
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Neudorff Wildgärtnerfreude Bunte Schwärm
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Bei der dritten Mischung, die ich vorstellen möchte, kommen wir ins Profisegment. Hier stammt das Saatgut von Rieger-Hofmann, einem Unternehmen, dass sich auf die Vermehrung von Wildpflanzen spezialisiert hat und hohe Qualitätsanforderungen erfüllt. Sie gehört zu den hochwertigsten aber auch preisintensiveren Blumenwiesenmischungen.

3. Kiepenkerl Rieger-Hofmann Blumenwiese

 


Die Kiepenkerl Rieger-Hofmann Blumenwiese* ist teurer als die anderen beiden, und leider gibt es sie hier nur in der Großpackung für 250 m².
Dafür ist sie ausgesprochen artenreich zusammengesetzt (siehe PDF) und hat deshalb unter den hier vorgestellten Blumenwiesenmischungen den höchsten ökologischen Wert. Der Anteil (1) der Gräser beträgt 50 % und der der Blumen ebenfalls 50 %, was sehr gut ist.


Dieses Saatgut wird bei der professionellen Anlage von Blumenwiesen eingesetzt, z. B. bei Renaturierungsmaßnahmen innerhalb von Naturschutzprojekten.

 

Für die Einsaat größerer Flächen ist sie in jedem Fall zu empfehlen.

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Die Saatmischung ist aufgrund ihres breiten Artenspektrums für viele verschiedene Gartenböden geeignet (außer sehr trockene oder sehr feuchte). Sie enthält genügend Blumenarten, von denen sich bei den vorhandenen Bedingungen immer welche durchsetzen werden.


(1) Es handelt sich um den Anteil am Gesamtgewicht der Samenmischung. Das bedeutet, dass trotz höherem Gewichtsanteil der Gräsersamen mehr Blumensamen enthalten sein können. Viele Blumensamen sind leichter als Gräsersamen.


Noch ein Tipp: Am besten testet man vor der Anlage einer Blumenwiese, welchen Bodentyp man auf seinem Grundstück vorfindet und welche Wildblumen dort am besten gedeihen würden. Ist der Boden z.B. sehr mager, trocken und sandig, ist es sehr enttäuschend, Blumen der nährstoffreichen Standorte dort etablieren zu wollen.


Das trifft natürlich nicht nur auf die Wiesenblumen sondern auf alle Pflanzen im Garten zu. Wer nicht lange rumprobieren sondern gleich die richtigen Arten finden möchte, dem kann ich das sehr informative Buch
Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten*  vom Naturgarten-Profi Reinhard Witt empfehlen. Darin werden Blumenwiese-Rezepte und Pflanzungen für z. B. Beete und Hecken für alle Standorttypen beschrieben.

 

Entwicklung einer heimischen Wildblumenwiese

Wildblumenwiese 6 Wochen nach der Einsaat.
Wildblumenwiese 6 Wochen nach der Einsaat.

Sehr wichtig! Viele Gärtner, die eine Wildblumenwiese aus heimischen Wildblumen ansäen, sind von dem „Ergebnis“ enttäuscht (siehe zahlreiche Rezensionen).

 

Als Ergebnis wird dann der Keimstatus nach wenigen Wochen oder die Anzahl der blühenden Arten im ersten Jahr bezeichnet.

 

Eine solch frühe Beurteilung über Erfolg oder Misserfolg wird einer Wildblumenansaat jedoch nicht gerecht.

 

Eine echte Blumenwiesen-Saatmischung ist grundsätzlich verschieden von den überwiegend erhältlichen Blumenmischungen, die aus Zier- und Zuchtsorten bestehen.

 

Langsame Keimung und Entwicklung für ein nachhaltiges Ergebnis

Zier- und Zuchtsorten sind züchterisch meist so verändert, dass sie keine Keimruhe mehr besitzen und sofort nach der Aussaat keimen.

 

Für die vollständige Keimung benötigt die Saatmischung aus heimischen Wildarten hingegen mind. 6-10 Wochen und länger, da ein Anteil der Samen erst verzögert aufgeht. Das ist eine Anpassungsstrategie der Natur und verhindert, dass alle Keimlinge durch bspw. ungünstige Witterungsbedingungen absterben. Für einen solchen Fall stehen somit noch verspätet keimende Samen zur Verfügung und verhelfen zu einer insgesamt besseren Etablierung der Wildarten.

 

Aber auch nach der Keimung entwickelt sich die Ansaat aus heimischen Wiesenblumen und -gräsern im ersten Jahr ziemlich bescheiden. Man muss also vor allem Geduld haben bei der Anlage einer Wildblumenwiese.

In den Baumarkt-Blühmischungen sind überproportional viele Einjährige beigemischt, so dass solch eine Blumenwiese im ersten Jahr sehr attraktiv aussieht.

 

Eine Saatmischung aus heimischen Wildblumen dagegen ist sehr kompliziert zusammengesetzt. Arten mit gleichen Standortansprüchen, die auf Dauer gut harmonieren, ohne einander zu stark zu verdrängen, sind im idealen Verhältnis zueinander gemischt.

 

Darunter sind vor allem ausdauernde Stauden, die einige Zeit für ihre Entwicklung benötigen. Einjährige wie Mohn und Kornblumen sind aber teilweise zur Aufwertung im ersten Jahr beigesetzt. Diese gehören zu den Ruderal- bzw. Acker- und nicht zu den Wiesenpflanzen. Sie verschwinden nach wenigen Jahren aus der Blumenwiese, werten sie aber im ersten Jahr durch ihre Blüte ökologisch und optisch auf.

 

Eine frisch gesäte Wildblumenwiese braucht 2 - 4 Jahre für die Entwicklung der ihr beigemischten Arten und sieht dann jahre- (jahrzehnte)lang wunderschön aus.

 

Die Blühmischung aus dem Baumarkt schafft mit Glück zwei Jahre und muss dann neu angelegt werden.

 


Fazit

 

Für das erfolgreiche Anlegen einer Wildblumenwiese ist das Verstehen dieses Biotops ausgesprochen hilfreich. Eine dauerhaft schöne Blumenwiese erfordert das richtige Saatgut - heimisch, ausdauernd und den Standortbedingungen angepasst. Damit vermeidet man einen der häufigsten Fehler, die zum Scheitern einer Ansaat führen.

 

Aber noch immer kann einiges schief gehen. Worauf man sonst noch dringend achten muss, steht in den nachfolgenden Kapiteln:


* Die Saatgutmischungen sind bei Amazon bestellbar. Für die Weiterleitung zu Amazon werden Affiliatelinks verwendet.


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