1. Das richtige Wildblumen-Saatgut

Wildblumen statt exotische Arten, sterile Zuchtsorten und Einjährige

Bei der Anlage einer Wildblumenwiese sollte man auf keinen Fall in den nächsten Baumarkt oder das Gartencenter um die Ecke gehen, um sich dort mit Saatgut einzudecken. Zwar gibt es dort mittlerweile ein großes Angebot an Blumenwiesen-Saatgut, aber was für welches?

Wir erinnern uns: heimisch, ausdauernd und den Standortbedingungen angepasst sollten die Arten sein. Das Problem bei den Baumarkt-Mischungen ist, dass es sich um nicht-heimische Blumenarten und Zuchtsorten, und diese in der falschen Zusammensetzung handelt. Nach optischen Kriterien werden meist exotische Blumen, vor allem Ein- und Zweijährige recht wahllos zusammengemischt. Häufig sogar sterile Zuchtsorten, die sich nicht mehr selbst vermehren können. Eine solche Ansaat keimt im 1. Jahr gut, bringt ein schönes, aber ökologisch nicht sehr hochwertiges Blütenmeer und verabschiedet sich danach aufgrund fehlender Mehrjähriger, fehlender Standortanpassung und fehlender Reproduktionsfähigkeit. Es KANN einfach nicht funktionieren.

Saatgut heimischer Wildblumen

Erfolgversprechend für ein nachhaltiges Ergebnis sind Einzel-Saatgut und Wildblumen-Samenmischungen heimischer Herkunft. Wer es sich zutraut, kann die Samen einzelner Arten selbst zu einer Blumenwiesenmischung zusammenstellen. Dazu sind aber recht gute Artenkenntnisse vor allem hinsichtlich Standortansprüche, Blüh- und Konkurrenzverhalten nötig. Es sind aber auch sehr gute, vorgemischte Blumenwiesen-Ansaaten im Handel erhältlich, bei einigen Produzenten abgestimmt auf verschiedene Standortansprüche. Bei folgenden Anbietern gibt es Wildblumen-Saatgut und -mischungen:


Tipp: Am besten erkundigt man sich vor der Anlage einer Blumenwiese, welchen Bodentyp man auf seinem Grundstück vorfindet und welche Wildblumen dort am besten gedeihen würden. Es ist sehr enttäuschend, Blumen der nährstoffreichen Standorte auf einem mageren Boden etablieren zu wollen und umgekehrt.
Sehr gute und zahlreiche Saat- und Pflanzrezepte für magere bis nährstoffreiche, trockene bis feuchte, sonnige bis schattige Standorte gibt es in diesem extrem informativen Naturgarten-Buch:

Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten

von Reinhard Witt

 

Wildblumenwiese 6 Wochen nach der Einsaat.
Wildblumenwiese 6 Wochen nach der Einsaat.

Entwicklung einer heimischen Wildblumenwiese

Sehr wichtig! Viele Gärtner, die eine Wildblumenwiese aus heimischen Wildblumen ansäen, sind von dem „Ergebnis“ enttäuscht. Als Ergebnis wird dann der Keimstatus nach 3 Wochen oder die Anzahl der blühenden Arten im ersten Jahr bezeichnet. Eine solch frühe Beurteilung über Erfolg oder Misserfolg wird einer Wildblumenansaat jedoch nicht gerecht. Eine Wildblumen-Saatmischung ist grundsätzlich verschieden von den überwiegend erhältlichen Blumenmischungen, die aus Zier- und Zuchtsorten bestehen.

 

Langsame Keimung und Entwicklung für ein nachhaltiges Ergebnis

Zier- und Zuchtsorten sind züchterisch meist so verändert, dass sie keine Keimruhe mehr besitzen und sofort nach der Aussaat keimen. Für die vollständige Keimung benötigt die Saatmischung aus heimischen Wildarten hingegen mind. 6 Wochen, eher deutlich länger, da ein Anteil der Samen erst verzögert aufgeht. Das ist eine Anpassungsstrategie der Natur und verhindert, dass alle Keimlinge durch bspw. ungünstige Witterungsbedingungen absterben. Für einen solchen Fall stehen somit noch verspätet keimende Samen zur Verfügung und verhelfen zu einer insgesamt besseren Etablierung der Wildarten.

 

Aber auch nach der Keimung entwickelt sich die Ansaat aus heimischen Wiesenblumen und -gräsern im ersten Jahr ziemlich bescheiden. Man muss also vor allem Geduld haben bei der Anlage einer Wildblumenwiese.

In den Baumarkt-Blühmischungen sind überproportional viele Einjährige beigemischt, so dass solch eine Blumenwiese im ersten Jahr sehr attraktiv aussieht. Eine Saatmischung aus heimischen Wildblumen dagegen ist sehr kompliziert zusammengesetzt. Arten mit gleichen Standortansprüchen, die auf Dauer gut harmonieren, ohne einander zu stark zu verdrängen, sind im idealen Verhältnis zueinander gemischt. Darunter sind vor allem ausdauernde Stauden, die einige Zeit für ihre Entwicklung benötigen. Einjährige wie Mohn und Kornblumen sind aber teilweise zur Aufwertung im ersten Jahr beigesetzt. Diese gehören zu den Ruderal- bzw. Acker- und nicht zu den Wiesenpflanzen. Sie verschwinden nach wenigen Jahren aus der Blumenwiese, werten sie aber im ersten Jahr durch ihre Blüte ökologisch und optisch auf. Eine frisch gesäte Wildblumenwiese braucht 2 - 4 Jahre für die Entwicklung der ihr beigemischten Arten und sieht dann jahre- (jahrzehnte)lang wunderschön aus. Die Blühmischung aus dem Baumarkt schafft mit Glück zwei bis drei Jahre und muss dann neu angelegt werden.

Fazit: Für das erfolgreiche Anlegen einer Wildblumenwiese ist das Verstehen dieses Biotops ausgesprochen hilfreich. Eine dauerhaft schöne Blumenwiese erfordert das richtige Saatgut - heimisch, ausdauernd und den Standortbedingungen angepasst. Damit vermeidet man einen der häufigsten Fehler, die zum Scheitern einer Ansaat führen.

Aber noch immer kann einiges schief gehen. Worauf man sonst noch dringend achten muss, steht in den nachfolgenden Kapiteln: