SELBSTVERSORGUNG, KLIMASCHUTZ, ARTENSCHUTZ - WIE WIR MIT DEM EIGENEN GARTEN DIE KRISEN UNSERER ZEIT BEWÄLTIGEN

Seit einigen Jahren sammelt sich ein Haufen unbewältigter Krisen an, allen voran die Klimakrise und der Artenschwund. Doch entgegen der Hoffnung, sie einfach aussitzen zu können, verschwinden sie nicht von alleine. Stattdessen werden es immer mehr. Seit neuestem gehören auch der Krieg und die damit einhergehenden Energie- und Lebensmittelengpässe dazu. 

Pläne gibt es viele, die fehlende Energie in Zukunft klimafreundlich durch Wind- und Solarkraft zu erzeugen. Doch leider stehen uns nicht genug Flächen zur Verfügung, um gleichzeitig die Klimaerwärmung zu begrenzen, die Energie- und Nahrungsmittelversorgung zu sichern und den Artenschwund zu stoppen. Denn der Anbau von Energiepflanzen und Nahrungsmitteln, die Anlage von Solarparks und effektiver Artenschutz sind schwerlich auf dem selben Stück Land möglich. Wo kriegen wir also mehr Fläche her?

DER SINN VON GÄRTEN

Hier kommen unsere Gärten ins Spiel. In den letzten Jahrzehnten ist der eigentliche Sinn von Hausgärten ein wenig in Vergessenheit geraten. Dieser liegt in erster Linie in der Versorgung mit Lebensmitteln.

Nicht nur in Gärten, selbst in Hinterhöfen wurde zu Großmutters Zeiten jeder verfügbare Quadratmeter für Obst, Gemüse oder die Kleintierhaltung genutzt. Lediglich einige Vorgärten dienten der Zier.

Gärten waren also schon immer wichtige Helfer in Krisenzeiten. Doch ihr Nutzen reicht weit über die Versorgung mit Lebensmitteln hinaus. Die ökologische Bewirtschaftung eines eigenen Nutzgartens kommt gleichfalls dem Klima zugute und sie fördert überdies die Artenvielfalt.

Wie und warum das so ist, dazu gleich mehr.

Aber zunächst stellt sich die Frage:

SIND REINE ZIERGÄRTEN NOCH ZEITGEMÄẞ?

Ziergärten haben eine ganze Reihe von Nachteilen. Einige davon sind:

  • Sie verbrauchen Ressourcen ohne Gegenleistung (Strom für die Instandhaltung des Zierzustandes, die Herstellung der verwendeten Kunstdünger ist sehr stromintensiv).
  • Sie setzen mehr Kohlendioxid frei als sie binden, weil speichernde Prozesse verhindert werden (wenig oder stellenweise gar keine Vegetation, Pflanzenwachstum wird eingeschränkt, CO2-speichernde Humusbildung wird durch das Beseitigen von Blättern und Totholz verhindert, fehlende Kompostierung).
  • Sie sind ausgesprochen lebensfeindlich.

Kleiner Exkurs: Warum auch der Artenschwund für uns Menschen eine echte Krise ist.

 

Die Auswirkungen des Artenschwundes werden selten deutlich kommuniziert, weswegen vielen Menschen die Wichtigkeit dieses Problems nicht bewusst ist. Hier ein paar Gründe, warum die Aussterbewelle jeden betrifft.

 

  • Die meisten Medikamente werden nicht von Wissenschaftlern im Labor erdacht. Medikamente sind oder basieren auf natürlichen Substanzen, wie sie in Pflanzen, Tieren, Pilzen oder Einzellern vorkommen. Diese Substanzen werden von Wissenschaftlern isoliert, getestet und bei guter Wirksamkeit zu Medikamenten weiterentwickelt.
  • Mittel gegen zahllose Krankheiten, von der Kopfschmerztablette, über Antibiotika bis zum Krebsmedikament stammen ursprünglich aus der Natur.
  • Je geringer die Artenvielfalt, umso schlechter können wir die Gesundheitsprobleme der Zukunft bewältigen, denn die Anpassungsfähigkeit der Medizin hängt u. a. von der Artenvielfalt ab.
  • Zahlreiche technische Errungenschaften basieren auf Vorbildern in der Natur (z. B. Bauweisen von Insekten wie Bienen und Termiten).
  • In nachhaltig bewirtschafteten, landwirtschaftlichen Ökosystemen mit hoher Artenvielfalt erhalten sich Bodenfruchtbarkeit und Ertragsfähigkeit.
  • Viele unserer Lebensmittel gibt es nur, wenn es auch bestäubende Insekten gibt.
  • Wenn Tier- und Pflanzenarten aussterben, hat das Einfluss auf viele Bereiche. Oft vermehren sich Schadorganismen stärker.

SO HILFT DER GARTEN BEI DER BEWÄLTIGUNG DER KRISEN UNSERER ZEIT

Mit der Besinnung auf den eigentlichen Zweck von Hausgärten wird ein gewaltiges Potenzial freigesetzt. Werden sie wieder für den Anbau von Lebensmitteln genutzt, verringert sich der Druck auf die für die Landwirtschaft, den Klima- und Artenschutz zur Verfügung stehenden Flächen. Gleichzeitig verfügen ökologisch bewirtschaftete Nutzgärten über eine größere Artenvielfalt als Ziergärten aus Rasen und Schotterbeeten. Sie fördern die Ausbildung eines günstigen Mikroklimas und binden und speichern CO2.

Obst und Gemüse im Vorgarten anbauen. Selbstversorgung, Klimaschutz und Artenschutz im Garten.
Statt Schotter und Koniferen gibt es in diesem Vorgarten Obst, Gemüse und viele (Wild-) Kräuter.

Selbstversorgung

Eine teilweise Selbstversorgung ist in nahezu jedem Garten möglich. Selbst Mini-Grundstücke können durch klein bleibende Obstbäume, Obstspaliere und sogar Obst-Hecken oder durch kletterndes Gemüse wie Bohnen, Erbsen und Gurken beeindruckende Erträge erzielen. 

Größere Gärten bieten hingegen Platz für Kartoffeln, Kohl, Rote Bete, Zucchini, Kürbisse, Spargel, Erdbeeren, Himbeeren und viele weitere Obst- und Gemüsearten.

Auf diese Weise lassen sich die regionalsten und saisonalsten Nahrungsmittel überhaupt produzieren. Das spart enorme Mengen CO2, die sonst bei Transport, Verpackung und Lagerung anfallen würden.

Mit einem Gewächshaus oder Frühbeet, etwas Erfahrung und geschickter Planung lässt sich sogar nahezu rund ums Jahr etwas aus dem eigenen Garten ernten.

Ernteüberschüsse können verschenkt, verkauft oder für den Winter eingelagert werden. 

Auf diese Weise macht die Selbstversorgung ein Stück weit unabhängig von steigenden Lebensmittelpreisen und -engpässen. 

Klimaschutz

Lokaler und emissionsärmer als aus dem eigenen Garten geht es nicht!

Ein Obst- und Gemüsegarten spart allein schon große Mengen CO2 ein, weil lange Transportwege wegfallen.

Außerdem spart der Einsatz selbst hergestellter Düngemittel enorme Mengen an Energie, nicht nur wegen des Transports. Der Abbau von Mineraldünger und die Herstellung von Stickstoff-Kunstdünger sind nämlich echte Energiefresser. Im Gegensatz zu Kunstdüngern bieten Kompost und Co. außerdem Lebensraum und Nahrung für unzählige Lebewesen und verbessern die Bodenqualität. 

Ein Obst- und Gemüsegarten verbraucht nicht nutzlos Energie, anders als ein Ziergarten. Viele Strom verbrauchende Arbeits- und Pflegeschritte können überdies durch stromfreie ersetzt werden (das erzeugt auch weniger Lärm).

Schottergärten und andere Formen vegetationsarmer Ziergärten heizen sich und ihre Umgebung extrem auf. Ihnen fehlt die Temperatur ausgleichende Funktion der Vegetation. Das passiert in Gemüsebeeten und unter Obstbäumen nicht. Die Blätter der Pflanzen tragen zusätzlich zur Reinigung der Luft von Schadstoffen und CO2 bei.

Gartenbereiche ohne Nutzpflanzen können mit standortangepassten, einheimischen Pflanzen begrünt werden, die Trockenheit vertagen und weder Pestizide noch Dünger benötigen.

Artenvielfalt

Gärten sind Lebensräume für viele Tierarten. Besonders unter Insekten u. a. Kleintieren sind die Artenvielfalt und das Schutzpotenzial groß. 

Viele Nutzpflanzen sind gleichzeitig Nahrungspflanzen für Insekten und andere Kleintiere (z. B. ist das Grün der Gartenmöhre Nahrung für die Raupe des Schwalbenschwanzes).

Nutzgärten sind blütenreich und echte Bienenparadiese. Giftfrei bewirtschaftet leisten sie einen wichtigen Beitrag gegen das Bienensterben.

Gärten können sandig, lehmig, sonnig, schattig und sogar sumpfig sein. Weil sie so vielfältig sind, ist auch die Tier- und Pflanzenwelt, die man in ihnen schützen kann, äußerst vielfältig. Manch seltene Art findet hier ein geeignetes Refugium.

Artenschutz im Garten lässt sich sehr gut mit Selbstversorgung kombinieren. Bewirtschaftungsformen wie die Permakultur vereinen hohe Erträge und die positiven Effekte einer hohen Artenvielfalt miteinander. 

Mit Nisthilfen lassen sich viele Wildtiere gezielt im Nutzgarten ansiedeln. Das lohnt sich besonders bei Nützlingen.

Komposthaufen, Legesteinmauern, Sträucher und Bäume sind Lebensräume und Rückzugsorte.

Hummel sammelt Nektar an Borretschblüte
Viele Wildbienen wie diese Hummel lieben die nektarreichen Borretschblüten.

WAS DEN KRISENGARTEN BESONDERS WERTVOLL MACHT

ABER!

Auch ein Obst- und Gemüsegarten kann lebensfeindlich und umweltschädlich sein. Deshalb unbedingt darauf achten...

  • torffrei zu gärtnern, damit die CO2-speichernden Moore erhalten bleiben.
  • giftfrei zu gärtnern und dadurch Artenvielfalt zuzulassen.
  • regionales Saatgut zu verwenden (eigenes oder getauschtes; am besten samenfeste Sorten).
  • möglichst plastikfreie Produkte zu verwenden.
  • eigene Düngemittel herzustellen (Kompostierung von Gartenabfällen und Tiermist; Herstellung von Pflanzenbrühen).
  • mit gesammeltem Regenwasser zu gießen.
  • Beete zu mulchen und den Wasserverbrauch dadurch zu senken. 
  • auf das Rasensprengen zu verzichten.
  • Wildtieren Rückzugsräume und Nisthilfen anzubieten.

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Welche Vorteile gibt es noch?

Solidarität

Nicht jeder hat einen eigenen Garten, viele Menschen sind auf das Lebensmittelangebot im Supermarkt angewiesen. Sie sind von Engpässen und stark steigenden Lebensmittelpreisen besonders betroffen.

Nutzgärtner*innen hingegen können über die im eigenen Garten produzierten Lebensmittel zu einer geringeren Konkurrenzsituation um die im Laden verfügbaren Lebensmittel beitragen. Außerdem können sie selbst angebaute Lebensmittel verschenken oder günstig verkaufen.

CHECKLISTEN FÜR DEN KRISENGARTEN

Die Umwandlung in einen Selbstversorger-, Klimaschutz- und Artenschutzgarten kann ganz schön umfangreich sein, gibt es doch zahlreiche Punkte zu beachten. 

Gut, wenn man dafür einen Plan, besser noch, eine Übersicht hat.

Deswegen habe ich zwei Checklisten zum herunterladen (und ausdrucken) gestaltet:

1. Die eine Checkliste enthält geeignete Gemüse- und Obstarten, die auch von Anfängern einfach angebaut werden können. Egal ob in Töpfen, Beeten oder Hochbeeten.

Und weil nicht nur der Anbau, sondern auch die (energiearme) Lagerung in der Selbstversorgung eine wichtige Rolle spielt, sind entsprechende Hinweise dazu vermerkt.

2. Die zweite Checkliste enthält Maßnahmen, die sowohl dem Klima als auch dem Artenschutz im Garten zugute kommen.

Die beiden Checklisten sind kostenfrei als PDF in hoher Auflösung in der Passwort-geschützten Download-Bibliothek hinterlegt.

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Los geht's!


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