Trockenmauern als Lebensräume

Unvermörtelte Trockenmauer aus Feldsteinen
Trockenmauer aus Feldsteinen

Mauern aus Natursteinen erfreuen sich in Gärten einer sehr großen Beliebtheit. Sind die einzelnen Steine dabei mit Mörtel verfugt, ist eine solche Mauer zwar schön anzusehen, für Tiere und Pflanzen jedoch eher eine hinderliche Barriere. Ein ökologisch wertvoller Lebensraum wird sie indes, wenn man die Steine trocken und lose, also ohne einen Verbundstoff, aufeinander schichtet. Auf diese Weise entstehen Hohlräume unterschiedlicher Größe, die verschiedenen Tieren Unterschlupf, Lebensraum, Nist- und Brutplätze bieten.

Neben zahlreichen Insekten nutzen vor allem Reptilien wie Blindschleichen, Zaun-, Mauer- und Waldeidechsen die Hohlräume und Ritzen als Verstecke. Auf den sonnenbeschienen Steinen können sie zudem schnell ihre Körpertemperatur aufwärmen, um anschließend auf die Jagd zu gehen.

 

Eine Trockenmauer ist auch ein idealer Ort für viele, sehr attraktive trocken- und hitzetolerante Pflanzenarten. Außer für ein paar extreme Spezialisten wie den Mauerpfeffer reicht es meist jedoch nicht, ein wenig Erde in die Ritzen zu stopfen und die Pflanzen dort einzusetzen. Hier würden sie im Hochsommer schnell vertrocknen. Bei einer einseitigen Mauer, die als Begrenzung für einen Erdwall dient (siehe Bild oben), kann die Pflanzstelle beim Bau ganz einfach so geplant werden, dass sie Kontakt zum dahinter liegenden Erdreich hat. Hier hinein können die Mauerpflanzen wurzeln und längeren Trockenphasen besser standhalten. Teppiche und Polster bildende Pflanzen können auch in die Erde hinter der Oberkante eingesetzt werden und die Mauer von oben bewachsen.

Bei einer zweiseitigen, frei stehenden Mauer kommt zwischen zwei parallel verlaufende Steinwälle eine Füllung aus Erde. Diese Variante kann man sehr einfach von oben bepflanzen, aber auch seitlich können Pflanzlöcher eingeplant werden, die Kontakt zur eingeschlossenen Erdschicht haben.

Eine Waldeidechse begutachtet ihr neues Revier.
Eine Waldeidechse begutachtet ihr neues Revier.

Die ideale Ausrichtung einer Trockenmauer verläuft in Ost-West-Richtung (auch von NO - SW und SO - NW ist günstig). So entstehen die nach Süden ausgerichteten Sonnenplätze, die Voraussetzung sind für eine Besiedlung durch Reptilien. Zudem speichern die erwärmten Steine die Wärme bis spät in die Nacht und auch bei einsetzender kühlerer Witterung. In der Mauer entsteht so ein Mikroklima, welches die Aktivität wechselwarmer Tiere begünstigt.

Tief im Inneren der Mauer und auf ihrer Nordseite hingegen bleibt es auch bei hochsommerlichen Temperaturen deutlich kühler und feuchter. Diese Stellen werden gerne von Tieren wie der Erdkröte aufgesucht, die sich hier vor Überhitzung und Austrocknung schützen.