TOTHOLZ IM GARTEN - BOOSTER FÜR DIE ARTENVIELFALT

Totholz im Naturgarten
Vertikales Totholz als Weißstorch-Schlafplatz in unserem Garten

Der erste und einfachste Schritt in Richtung artenreicher Naturgarten ist, wenn man zunächst mal für ein bisschen Totholz im Garten sorgt. (Wie das obere Bild beweist :-)

 

(Der Vorbesitzer wollte die Tanne eigentlich nur kürzen...)

 

Aber im Ernst, keine andere Maßnahme ist, zumindest in bestehenden Gärten, so leicht umzusetzen. Hecken- und Baumschnitt fällt meist mehr an, als einem lieb ist und die Entsorgung bereitet in manchen Gemeinden echtes Kopfzerbrechen.

 

Warum also nicht das eigentlich wertvolle Material in ruhigen und wenig genutzten Ecken aufschichten und für die nächsten Jahre sich selbst überlassen?

 

Lebensraum Totholz
Totholzhaufen aus Ästen und Zweigen

Innerhalb kürzester Zeit ziehen Heerscharen von Insekten, Asseln und Spinnen ein. Und wo es diese Kleintiere gibt, da sind auch andere Bewohner nicht weit.

 

Wie der Zaunkönig zum Beispiel. Ist der Stapel groß genug, baut er gerne sein Nest hinein und pickt nebenbei viele der kleinen Krabbler wieder auf.

 

Auch andere Nützlinge wie Erdkröten und Blindschleichen sind häufige Gäste, die sich im Schutz der Holz- und Reisighaufen verstecken und auf die Jagd gehen. Genauso wie der Igel, der sie als Schlafplätze nutzt, sogar für seinen Winterschlaf.

 

Waldeidechsen leben in Gärten mit Totholz oft lange Zeit unbemerkt. Unauffällig wärmen sie sich in der Sonne auf, um sich bei Störungen oder Gefahr blitzschnell zwischen den Ästen und Zweigen in Sicherheit zu bringen.

 

Waldeidechse beim Sonnenbad auf Rindenstück
Waldeidechse beim Sonnenbad auf einem Stück Totholz

Weniger bekannte Bewohner sind die kleinen Spitzmäuse, die zwar wie Mäuse aussehen, aber keine sind. Spitzmäuse sind sehr kleine Raubtiere mit giftigem Speichel, der sie dazu befähigt, statt ihrer gewöhnlichen Insekten- und Würmerkost, auch mal eine deutlich größere Maus zu überwältigen.



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Totholz muss aber nicht immer als Haufen angelegt oder gestapelt werden. An vielen Stellen im Garten lassen sich auch einzelne Zweige, Äste, Stämme oder Wurzeln als Struktur gebende Elemente verwenden.

 

Ein wohl drappierter Ast auf der Blumenwiese sieht z. B. nicht nur urig aus, er bietet auch vielen Tieren während der Mahd Schutz vor dem Mähgerät.

 

Eine Wurzel am Teichufer ermöglicht Fröschen, Molchen oder Ringelnattern einen ungestörten Einstieg ins bzw. Ausstieg aus dem Wasser.

 

Totholz-Wurzel am Naturteich
Wurzel als Strukturelement und Ein- und Ausstiegshilfe am Teichufer

Und ein abgestorbener Baum oder ein aufgestellter toter Ast werden von zahlreichen Vogelarten gerne als Sitzwarte angenommen.

Neuntöter auf Totholz im Naturgarten
Junger Neuntöter auf einer Totholz-Sitzwarte

 

 

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Aber mit den Jahren verändert sich das Totholz im Naturgarten und man merkt, dass seine Anwesenheit nicht von Dauer ist. Jetzt ist die Zeit der Pilze gekommen. Diese völlig zu Unrecht vernachlässigten Lebensformen sorgen für die Zersetzung des schwer verdaulichen Holzes, führen seine in ihm gebundenen Nährstoffe dem Erdreich wieder zu und machen sie dadurch verfügbar für die nächste Pflanzengeneration.

 

Vorher schmücken sie den Garten aber noch mit ihren beeindruckenden, vielgestaltigen und farbenfrohen Fruchtkörpern.

Der Beringte Flämmling (Gymnopilus junonius) hat sich bereits an die Arbeit gemacht und zersetzt das Holz des abgestorbenen Baumes.


Das Totholz im Garten zu belassen ist schon mal eine wertvolle Maßnahme. Und weitere wichtige Naturgarten-Elemente, die die Artenvielfalt enorm steigern, sind z. B. diese hier:


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