Ein Trockenbiotop im Garten

Sandiges Trockenbiotop mit typischen Pflanzenarten
Beispiel für ein sandiges Trockenbiotop mit typischen Pflanzenarten

Ein Biotop für Zauneidechsen, Ameisenlöwen und Sandbienen

Üppiges Grün und eine farbenfrohe Blütenpracht gehören zu den obersten Zielen der meisten Gärtner. Befindet sich der Garten nun auf einem sandigen, nährstoffarmen Untergrund, wird oft ein großer Aufwand betrieben, um dieses Ziel zu erreichen. Meist wird der magere Oberboden gegen fetten Mutterboden ausgetauscht. Jetzt kann alles wachsen und gedeihen, auch das Unkraut, wogegen von nun an ein erbitterter Kampf geführt wird. Wer seinen Garten auf sandigem Grund und auf das ewige Kräftemessen mit den ungeliebten Arten keine Lust hat, für den ist das Trockenbiotop die ideale Lösung. Richtig angelegt erweist sich dieses als echtes Naturschutzgebiet und ist trotzdem pflegeleicht, denn alles wächst vergleichsweise langsam und längere Trockenphasen, die sonst vieles verdorren lassen, sind für den Erhalt dieses Lebensraums sogar erwünscht. Mit der Wahl standortangepasster Pflanzenarten können wir uns über bunte Blüten bis in den Herbst hinein freuen.

Die Anlage eines Trockenbiotops auf Sand

Wichtig für die Anlage ist, dass die oberste Bodenschicht nur geringe Humusbestandteile aufweist. Humus bindet Wasser und liefert Nährstoffe. In diesem Fall sind diese Eigenschaften jedoch nicht erwünscht, denn die spezialisierten Arten gedeihen nur unter konkurrenzarmen Bedingungen, wie sie an solchen Magerstandorten der Fall sind. Je mehr Humus im Boden, umso stärker werden konkurrenzstarke Allerweltsarten gefördert, die unsere Spezialisten verdrängen und das Sandbiotop ökologisch entwerten würden. Wer sich unsicher über den Humusgehalt ist, kann einfach mal die Spatenprobe machen und ein ca. 30 cm tiefes Loch ausheben. Der Farbunterschied zwischen den oberen 5-15 und den unteren 30 cm gibt Auskunft über den Humusanteil. Ist die oberste Schicht deutlich dunkler gefärbt als die untere und weist zudem sichtbare Pflanzenbestandteile auf, ist der Humusgehalt zu hoch.

Drei Wege zum idealen Sandbiotop

Ist der Boden zwar sandig aber zu humus- und nährstoffreich, kann man die obersten Zentimeter des Bodens abtragen. Dann hat man schnell ein geeignetes, sandig-trockenes Saatbett mit geringer Unkrautbelastung. Diese Methode geht schnell, ist jedoch mit einem gewissen Kraft- oder Maschinenaufwand verbunden. Zudem benötigt man eine Verwendung für den abgetragenen Oberboden, sofern man ihn nicht kostenpflichtig abholen lassen will. Wer hingegen Geduld und Zeit hat, kann auch eine Fläche ausmagern. In diesem Fall wird entweder einfach nur regelmäßig gemäht und das Schnittgut abgetragen, oder, was schneller geht, die Grasnarbe immer wieder aufgehackt, so dass im Boden vorhandene Samen keimen können. Anschließend wird auch hier regelmäßig gemäht. Wichtig ist, dass das Schnittgut gründlich weggeräumt wird, um eine weitere Humusanreicherung zu vermeiden. Einige Jahre muss man im Falle der Ausmagerung jedoch warten, bis die gewünschte Bodenqualität erreicht ist. Ist der Gartenboden lehmig oder moorig statt sandig, ist diese Methode sogar völlig ungeeignet.
Für ganz Eilige und solche mit "falschem" Boden gibt es noch eine dritte Methode – die der Aufschüttung. Dabei wird auf die vorhandene Grasnarbe eine mindestens 30 cm dicke Schicht Sand aufgebracht. Diese Sandschicht erstickt den darunter liegenden Bewuchs und kann direkt besät und bepflanzt werden.

Übrigens: Am günstigsten wird es, wenn man gerade als Bauherr seines Einfamilienhauses einen Garten völlig neu anlegen kann. Zum Baubeginn wird für gewöhnlich der Oberboden auf der Baustelle abgetragen. Eine einmalige Gelegenheit auf unkrautfreiem Unterboden tolle Mager-Biotope zu schaffen! Und man spart gleichzeitig das Geld für die Aufschüttung mit Mutterboden.

Struktur im Gelände

Der Sandgarten muss keine ebene Fläche sein. Besonders interessant und attraktiv wird er, wenn sich ein Sandhügel erhebt, auf dem besondere Trockenspezialisten wachsen, während am Fuße des Hügels die gemäßigteren Arten gedeihen.

Pflanzen für einen sandigen Garten

 

Auch für sandige, trockene und kalkarme Standorte gibt es zahlreiche geeignete Pflanzenarten. Besonders attraktiv sind die folgenden:


Besenheide (1), Schwarze Königskerze (2), Besenginster (3), Silbergras (4), Grasnelke (5), Heidenelke (6), Bergsandglöckchen (7), Nachtkerze (8), Hundsrose (9), Natternkopf (10), Karthäusernelke, Sandmohn, Kleines Habichtskraut, Großblütige Königskerze,  Sandthymian, Johanniskraut, Echtes Labkraut, Skabiosen-Flockenblume, Rispen-Flockenblume, Taubenkropfleimkraut, Purpur-Fetthenne, Mauerpfeffer,  Ochsenzunge, Hasenklee, Zypressenwolfsmilch, Rundblättrige Glockenblume, Sanddorn, Gemeiner Wacholder, Gemeine Kiefer.

 

Während Hundsrose, Sanddorn, Wacholder, Kiefer aber auch die Großblütige Königskerze als Solitärpflanzen gut zur Geltung kommen, entwickeln die übrigen Arten erst in Gruppen von mindesten 5-10 Exemplaren ihre schönste Wirkung.

Für ein gutes Anwachsen werden die meisten Arten am Besten mit einer kleinen Kompostgabe im Pflanzloch ausgepflanzt. Aber auch die Ansaat gelingt in den meisten Fällen gut. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Boden während der Anwachs- oder Keimphase ausreichend feucht gehalten wird, damit die Wurzeln Zeit haben, tief in den Boden vorzudringen. Im zweiten Jahr nach der Anlage ist dann meist keine Bewässerung mehr nötig.

Zauneidechse beim Aufwärmen auf einem Stein
Zauneidechse beim Aufwärmen auf einem Stein

Ein Biotop für Zauneidechsen

Gibt es Zauneidechsen in der näheren Umgebung? Dann nichts wie raus in den Garten und loslegen mit der Gestaltung eines passenden Trockenbiotops! Um den Garten für Zauneidechsen so richtig interessant zu machen, reicht es allerdings nicht aus, nur ein Sandbeet anzulegen. Weitere Grundbedürfnisse der kleinen Reptilien müssen beachtet und gestalterisch umgesetzt werden.

Grundbedürfnisse und ihre gestalterische Umsetzung

Sonnenplätze: Ein schattiger Teil des Gartens ist als Zauneidechsen-Biotop sicher nicht geeignet, denn die Tiere benötigen sonnige Habitate, in denen es möglichst von morgens bis abends beschienene Sonnenplätze gibt, auf denen die Tiere ihre Körpertemperatur aufheizen können. Besonders gerne werden größere Totholz- und Steinhaufen angenommen, um die die Sonne im Tagesverlauf herum wandert. Dort gibt es immer ein warmes Plätzchen zum Sonnenbaden. Auch ragen die Haufen bei voller Vegetationsentwicklung hoch genug über die Pflanzen hinaus und werden nie vollständig von ihnen beschattet. Deshalb sollten sie unbedingt in ein Trockenbiotop integriert werden.

Verstecke: Diese Totholz- und Steinhaufen bieten den Eidechsen noch weitere Vorteile. So müssen in unmittelbarer Nähe der Sonnenplätze zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten vorhanden sein, in die die Tiere bei Störung und Verfolgung blitzschnell fliehen können. Damit sie diese in den Haufen zahlreich vorfinden, ist es wichtig, beim Aufschichten der Äste oder Steine darauf zu achten, dass sich Spalten und Hohlräume bilden. Steine haben idealerweise einen Durchmesser von mind. 20 cm und Äste sollten nicht zu dünn sein, da Totholzhaufen aus gröberem Material bevorzugt werden.

Ein weiterer Vorteil: Solche Haufen werden von vielen Insekten bewohnt, so dass die Zauneidechsen keine langen Wege für die Futtersuche zurücklegen müssen.

Überwinterungsplätze: Idealerweise finden die flinken Reptilien auch gleich Überwinterungsmöglichkeiten im und unter Totholz- oder Steinhaufen. Dafür sollten diese ausreichend groß sein (Grundfläche ca. 1,5 x 1,5 m) und auch bis tief in die Erde gebaut werden um Frostfreiheit zu gewährleisten. Am Besten hebt man vor der Anlage eines Totholz- oder Steinhaufens ein ca. 80 cm tiefes Loch aus und füllt es mit Steinen, Holz und etwas Laub. Die Steine sollten einen Durchmesser von mind. 20-30 cm haben, damit Hohlräume bleiben, durch die die Eidechsen schlüpfen können. Oberirdisch werden bis zu einer Höhe von 80-100 cm nach Belieben Steine und/oder Totholz getürmt. Die Spitze des Haufens sowie die windexponierte Seite können mit Erde abgedeckt und bepflanzt werden, um Regenwasser festzuhalten und ein Durchnässen des Inneren zu verhindern. Die sonnenexponierte Südseite (S, SO, SW) sollte jedoch frei bleiben, da die Eidechsen diese Seite zum Aufwärmen nutzen.

Struktur- und insektenreiche Jagdgebiete: Das Gelände rund um den Haufen ist für die Zauneidechsen nicht minder wichtig. Hier gehen die Tiere auf Insektenjagd und durchqueren es, um zu anderen Sonnenplätzen zu gelangen. Dieses Gelände sollte viele Versteckmöglichkeiten bieten, wie Steine, Äste, Wurzeln, Reisighaufen, Erd- (Mäuse-)löcher, Kleinstgehölze (Besenheide), Laub und Pflanzenbewuchs. Eine Umgebung, die reich an Kleinststrukturen und verwilderten Randbereichen ist, schützt die Eidechsen vor Räubern wie Katzen und manchen Vögeln und beherbergt zahlreiche Insekten. Letztere sollten ebenso gepflegt werden, wie die Eidechsen selbst. Der Einsatz von Insektiziden, egal welcher Art, ist in einem solchen Lebensraum absolut tabu!

Schutz vor Katzen: Da nahezu kein Garten katzenfrei ist, empfiehlt es sich, hier durch gezielte Maßnahmen mehr Sicherheit zu schaffen. Bewährt haben sich stark bestachelte Rosen- und Brombeerzweige, welche man rund um die von Eidechsen genutzten Habitate aufschichten kann. Man kann auch direkt eine niedrig wachsende, stachelreiche Hecke aus wilden oder naturnahen Rosen um das Biotop pflanzen. Auf diese Weise schützt man die Zauneidechsen auch während der Fortpflanzungszeit am besten, in der die Tiere relativ unvorsichtig und durch die bei Männchen leuchtend grüne Färbung ziemlich auffällig sind.

 

Eiablageplatz: Für die Eiablage sollte am besten ein in nach Süden ausgerichteter Hanglage unbewachsener, sonniger und sandiger Platz zur Verfügung stehen, in den die Eidechsen ihre Eier vergraben können.

Überhaupt lockt man viele seltene Sandspezialisten unter den Tieren an, wenn man Teile des Sandgartens offen und ohne oder mit nur sehr lückigem Bewuchs hält. Ameisenlöwen, Sandbienen, Grabwespen, Feuerfalter, Sandlaufkäfer und viele mehr können sich dann einfinden.

Kleine aber rücksichtsvolle Pflegeeinsätze

Der Pflegeaufwand für ein Trockenbiotop ist ausgesprochen gering. Eine Mahd ist bei einem wirklich mageren Sandboden selten nötig, dafür müssen hier und da Baumsämlinge und Unkrautkeimlinge entfernt werden. Stängel von Blumen sollten erst nach dem Winter entfernt werden, entweder mit Gartenschere oder Sense. Die abgestorbenen Stängel der Ein- und Zweijährigen kann man, wenn möglich auch mitsamt der Wurzel aus der Erde ziehen, um eine Nährstoffanreicherung zu vermeiden.

Grenzt eine Blumenwiese an die Sandfläche oder läuft diese in eine nährstoffreichere, mit dichterem Bewuchs bestandene Grünfläche aus, sollte diese zum Schutz der Eidechsen, Heupferdchen und anderen Bewohner keinesfalls mit dem Rasenmäher gemäht werden, da dieser sehr tief mäht und das Schnittgut stark zerkleinert. So haben Tiere keine Chance, die Mahd zu überleben. Je nach Größe der Fläche ist es besser, mit Sichel, Sense oder Balkenmäher portionsweise immer nur Teilflächen zu mähen, um den Tieren weiterhin Schutz, Jagd- und Lebensräume zu erhalten.