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WILDBLUMENWIESE 2020: SECHS WOCHEN NACH DER AUSSAAT

Bei mir ist es jetzt 6 Wochen her, dass ich die Blumenwiese eingesät habe. In dieser Zeit gab es eigentlich nur eine Sache zu beachten, nämlich dass die oberste Bodenschicht, auf der die Samen lagen, nicht austrocknete. Dadurch konnten schon mal viele Samenkörner keimen.

Nun wird es jedoch Zeit, die Bewässerung langsam zu reduzieren, damit die noch kleinen Wurzeln auf die Suche nach Wasser gehen und dabei tief in den Boden wachsen. Das macht die Blumen später widerstandsfähiger gegen längere Trockenphasen.


Und so geht man dabei am besten vor: Sind die Blumen mindestens im Vierblattstadium (siehe Bild unten), vergrößert man allmählich die Gießintervalle, indem man zunächst den Abstand um einen Tag verlängert, dafür dann aber nicht zu sparsam gießt. Dann verlängert man um noch einen Tag. Sollte es regnen, muss man das natürlich berücksichtigen.

So geht es weiter, bis man nur noch nach Bedarf, also wenn die ersten jungen Pflanzen Anzeichen von Trockenstress zeigen, gießt. Ansonsten überlässt man die Beregnung der Natur.

Vierblatt Stadium, 4-Blatt-Stadium
Vierblattstadium

WIE SOLLTE DIE BLUMENWIESE 6 WOCHEN NACH DER AUSSAAT AUSSEHEN?

Jede Blumenwiese sieht 6 Wochen nach der Aussaat anders aus. Die Entwicklung hängt von so vielen verschiedenen Standort- und Klima- (Wetter-)faktoren ab, dass man sie nicht miteinander vergleichen kann. Wichtig ist nur, dass jetzt schon flächendeckend Samen gekeimt und sich die Pflänzchen größtenteils über das Keimblattstadium hinaus entwickelt haben.

Als Beispiel für den Unterschied eignen sich sehr gut meine beiden unterschiedlich vorbereiteten Wiesenseiten. Auf der linken, einfach nur umgegrabenen Seite, sind die jungen Pflanzen schon deutlich weiter als auf der rechten Seite, bei der ich in nährstoffarmen, unkrautarmen Unterboden eingesät habe. Das liegt daran, dass links die Nährstoffe sofort für die Wurzeln der Keimlinge zugänglich waren. Rechts müssen sie sich hingegen erst durch die magere Unterboden-Schicht kämpfen, bevor sie wieder auf größere Mengen an Nährstoffen stoßen.

Blumenwiese 6 Wochen nach der Aussaat
Linke Seite (einfach umgegraben): Schon recht weit entwickelt.

Was zunächst wie ein Nachteil der rechten Seite erscheint, wird sich später als ein Vorteil für die eingesäten Blumen erweisen, einfach weil sie weniger durch konkurrenzstarke Allerweltsarten bedrängt werden und ein dichtes und tief reichendes Wurzelsystem ausgebildet haben.

Rechte Seite (Unterboden): Langsamere Entwicklung (das große ist eine schon ältere Wiesenflockenblume)..
Rechte Seite (Unterboden): Langsamere Entwicklung (das große ist eine schon ältere Wiesenflockenblume)..

Ähnlich unterschiedlich wie meine beiden Blumenwiesenseiten sehen sicher auch all die anderen Blumenwiesen aus, die vor ein paar Wochen eingesät wurden. Je nährstoffärmer, schattiger und kälter, umso langsamer die Entwicklung und umgekehrt.

Und was gibt es sonst noch zu beachten?

ZU DICHT STEHENDE PFLANZEN AUSLICHTEN

Allmählich zeigt sich, ob bei der Aussaat die gleichmäßige Verteilung des Blumenwiesen-Saatgutes tatsächlich geklappt hat oder eher nicht. Bei mir zumindest zeigen sich neben einigen schütteren Stellen auch solche, an denen die Pflänzchen deutlich dichter stehen als optimal wäre. Hier sollte man lieber beherzt zur Tat schreiten und die Stelle auslichten.

Wer auch selbst Gemüse und Salat anbaut, der weiß, dass Jungpflanzen, die viel zu dicht stehen, nicht ordentlich wachsen. Anders ist es in der Blumenwiese auch nicht. Wenn viele Blümchen auf engem Raum um ein begrenztes Angebot an Wasser, Licht und Nährstoffen konkurrieren, steht für die langsamer wachsenden einfach nur das Überleben und die schnelle Samenreife im Vordergrund. Oft stirbt auch ein Großteil dieser Pflanzen vorher ab. Haben sie hingegen genug Platz, können sie ein dichtes Wurzelsystem ausbilden und wachsen gesünder, kräftiger und kompakter.

Zu dicht stehende Blumenwiesen-Einsaat
Hier steht es zu dicht. Die langsam wachsenden Wiesenblumenarten bekommen vor allem durch den einjährigen Mohn kaum Platz und Licht.

Aber welche von den Blumen soll man denn nun rauszupfen? Am besten die, die auf der Fläche zahlenmäßig am stärksten vertreten sind.

Wer jedoch schon ein wenig Artenkenntisse mitbringt und eine Blumenwiese mit Beimischung von Einjährigen (meistens Kornblume, Mohn, Kornrade, Nelken-Leimkraut) ausgesät hat, kann auch diese zupfen. Denn Einjährige gehören nicht zu den ausdauernden Wiesenblumen, sondern sind hauptsächlich zur Überbrückung des ansonsten recht blütenarmen Aussaatjahres beigemischt und verschwinden nach 1-2 Jahren sowieso.

DIE STARTDÜNGUNG IST SCHIEFGEGANGEN - KANN MAN DIE BLUMENWIESE EINFACH DÜNGEN?

Normalerweise findet die Startdüngung vor der Aussaat durch das Einarbeiten von Kompost oder Blumenerde in das Saatbett statt. Dabei kann es jedoch vorkommen, dass man qualitativ minderwertiges Substrat erwischt hat. So ist es mir zumindest passiert. Da ich noch keinen eigenen Kompost hatte, bin ich auf Blumenerde ausgewichen, die ich wegen des Corona Shutdowns beim Supermarkt um die Ecke gekauft hatte. Leider hat diese sauer gerochen, war also nicht vernünftig kompostiert. Verwendet hab ich sie trotzdem, aber als Startdünger taugte sie nicht wirklich (auch nicht als Erde für Tomaten, die kümmern darin ganz fürchterlich).

Meinen Wiesenblumen auf der rechten Seiten gebe ich trotzdem noch keinen Dünger, weil sie zwar langsam wachsen, aber dabei gesund aussehen. Wenn ich jedoch feststelle, dass die Pflänzchen starke Mangelsymptome zeigen, dann hilft eine sanfte Düngung mit organischem Flüssigdünger. Den kann man in Form von Pflanzensud (z. B. mit Brennnesseln) entweder selber ansetzen, oder wenn es eilig ist, auch kaufen. Aber nicht zu hoch dosieren!

Mit einem selbst gemachten Kompostaufguss bekommt man zusätzlich zum Düngeeffekt sogar gesunde Mikroorganismen, um die Blumenwiese zu beimpfen. Dazu benötigt man reifen, hochwertigen Kompost und Wasser. Circa 1-2 kg Kompost werden ein paar Stunden in einem Eimer Wasser eingewicht, das ganze am nächsten Tag durch ein Sieb geseiht (oder Tuch, falls es mit der Gießkanne verteilt werden soll) und die Flüssigkeit aufgefangen. Diese enthält nun wertvolle Nährstoffe und Mikroorganismen. Leider lässt sich der Nährstoffgehalt des Aufgusses schlecht abschätzen, da er maßgeblich von der Art des kompostierten Materials abhängt. Deshalb sollte er vor der Ausbringung lieber noch etwas verdünnt werden.

Blumenwiesenschutz: Ist es jetzt genug?

Kann ich den nervigen Holzrahmen samt Vlies endlich entfernen?

Ganz so einfach ist das nicht. Wenn man eine Blumenwiese in Echtzeit anlegt und das ganze als Nachmachprojekt im Internet anpreist, dann möchte man ja auch, dass es was wird. Deshalb versuche ich, den hungrigen Gästen und Bewohnern in unserem Garten immer einen Schritt voraus zu sein. Das klappt nicht immer, aber mit diesem Rahmen immer noch am besten. (Daraus resultiert auch die noch etwas sperrige Form meiner kleinen Blumenwiese. )

Kanadagänse
Eine Kanadagans-Familie auf der Suche nach frischem, zartem Grün.
Rehspuren im Beet
Die Spuren im Blumenwiesenbeet verraten, dass der Rehbock sich in der vorherigen Nacht hier bedient hat.
Rehverbiss an jungem Obstbaum
Und das hat er unserem jungen Birnbaum angetan.

WIE GEHT ES WEITER?

Die schönste Zeit steht bevor, denn nun fängt es auf vielen der neu angelegten Blumenwiesen schon bald an zu blühen. Das kann man jetzt einfach mal genießen, bevor es demnächst mit möglichen Pflegeeinsätzen weitergeht.

 

Bis dahin viel Freude mit der blühenden, summenden Blumenwiese!


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Was bisher auf der Wildblumenwiese geschah:

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