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WILDBLUMENWIESE 2020: 1. SCHRITT - SPATENSTICH

Liebe Natur- und Blumenwiesenfreunde, auf diesen Frühling hab ich mich ganz besonders gefreut! Wir sind vor ein paar Monaten von unserer kleinen Stadtwohnung in Kiel in ein Haus im schleswig-holsteinischen Hügelland umgezogen. Das ganze letzte Jahr haben wir damit verbracht, unser neues, aber über 50 Jahre altes Haus von Grund auf zu sanieren. Dieser Prozess war ziemlich zeitintensiv und kräftezehrend und hat natürlich nicht viel Platz gelassen für Arbeiten und Naturbeobachtungen in unserem havelländischen Feriengarten.

 

Aber dafür habe ich nun endlich auch dort einen Garten, wo ich wohne und mich die meiste Zeit des Jahres aufhalte! Unsere Sanierungsarbeiten am Haus sind zwar noch längst nicht beendet, und ich hab das Gefühl, dass sie das auch in 2-3 Jahren noch nicht sein werden, aber wir können nun schon hier wohnen und natürlich kann ich Pläne machen für die naturnahe Umgestaltung des Gartens.

 

Leider sind mir hinsichtlich der Umsetzung dieser Pläne vorerst noch die Hände gebunden, denn wie sich heraus gestellt hat, ist unser Keller nicht ausreichend (bzw. gar nicht) gegen eindringende Feuchtigkeit von außen geschützt. Deshalb werden wir ihn sehr wahrscheinlich noch mal ausbuddeln und isolieren müssen. Das wird nicht nur teuer, dabei wird auch ein großer Teil unseres Gartens unter dem Bodenaushub verschwinden.

Also muss ich mich erst mal noch etwas gedulden, aber eine Sache kann ich schon tun: Ich kann an einer Stelle, die hoffentlich nicht unter Sandbergen verschwindet, ein kleines Stück Blumenwiese anlegen!

Dieses kleine Blumenwiesenstück (ca. 5-6 qm) wird die Versuchsfläche und der Ausgangspunkt für die spätere, deutlich größere Wiese, die ich noch anlegen möchte.

Warum Versuchsfläche? Ich werde sie sehr artenreich besäen und anhand der Wiesenblumen, die sich durchsetzen, weiß ich bei der späteren, größeren Blumenwiese ganz genau, welche Arten ich aussäen muss.

Wie schon angekündigt, möchte ich alle Schritte hier im Blog dokumentieren, und zwar für alle Mitleser, die ebenfalls in diesem Jahr eine Blumenwiese anlegen möchten, aber noch nicht so genau wissen, wie sie dabei am besten vorgehen sollen.

Wenn dabei noch Fragen ungeklärt bleiben, bitte nicht zögern und mich kontaktieren.

 

Aber jetzt geht es erst mal los!

Hier entsteht eine kleine Blumenwiese
Hier entsteht eine kleine Blumenwiese

EIN GEEIGNETES PLÄTZCHEN

Für das Blumenwiesenstück hab ich mir ein Plätzchen auf unserer nach Süden ausgerichteten Rückseite des Hauses ausgesucht. Hier ist die Sonneneinstrahlung hoch, was zu einer größeren Blütenfülle und stärkerem Insektenbesuch führt. Schmetterlinge und Wildbienen sind hier viel eher anzutreffen als an einem halbschattigen oder schattigen Standort.

DIE RICHTIGE REIHENFOLGE VON GRASSODEN UND UNTERBODEN

Wenn ein Platz gefunden ist, kommt der anstrengende Teil - das Umgraben. Das macht relativ wenig Spaß, aber ich mach es lieber einmal ordentlich und hab anschließend eine gut vorbereitete Fläche, als jetzt halbherzig ran zu gehen und mich später über Unmengen an Unkraut zu ärgern.

Und weil mir das einfache Umgraben nicht schweißtreibend genug ist, hab ich es noch etwas anstrengender gemacht. Zunächst hab ich die Grassoden möglichst tief abgestochen und sie auf der einen Seite der Spatenreihe deponiert. Dann habe ich noch einen Spatenstich tiefer gegraben, den Unterboden herauf geholt und ihn auf der anderen Seite abgelegt. Warum das Ganze? Dieser Unterboden aus einer Tiefe von 30-40 cm enthält deutlich weniger Unkrautsamen und Wurzelunkräuter und ist zudem nährstoffärmer als der Oberboden bzw. der Boden direkt unterhalb der Grassode. Das sind schon mal gute Bedingungen für ein ideales Keimbett. In meinem Fall ist der Boden in dieser Tiefe sogar schön sandig. Ich muss mir keinen Sand mehr von woanders besorgen, um den Boden auszumagern.

Die 1. Spatenreihe: Links der Unterboden, rechts die Grassoden
Die 1. Spatenreihe: Links der Unterboden, rechts die Grassoden

Nun sind aber nicht alle Gartenböden sandig. Was tun bei z.B. lehmigem Boden? Im Prinzip das Gleiche. Auch hier braucht man den unkraut- und nährstoffärmeren Unterboden. In vielen Gärten ist mal eine Schicht lehmhaltige Muttererde aufgebracht worden. Das heißt, dass unter dieser Schicht möglicherweise ein sandiger Unterboden zu finden ist. Das bemerkt man beim tiefen Umgraben recht schnell, weil dieser sich viel leichter mit dem Spaten bearbeiten lässt als der schwere, feste Lehm.

Bodenschichten
Hier erkennt man oben die dunkle, humus- und samenreiche Schicht Muttererde und darunter die helle, magere Sandschicht.

Findet sich dort kein Sand und ist der Boden sehr lehmig, würde ich bei einer größeren Fläche den Aufwand auf mich nehmen und mir sandigen Unterboden besorgen. Den kann man sich auch von Baustellen holen (natürlich nicht den Bausand). Dort fallen oft größere Mengen an sandigem Unterboden an, der kostenpflichtig entsorgt werden muss. Hier kann man einfach mal einen Bauherren ansprechen, ob man die Entsorgung kostenfrei übernehmen kann.

 

Bei kleinen, übersichtlichen Flächen wie meiner, die nur wenige Quadratmeter messen, muss man sich diesen Aufwand nicht machen, weil man den Bewuchs noch sehr gut kontrollieren kann. Ich würde dann nur den Grasanteil im Saatgut niedriger halten, aber dazu gibt es in einem späteren Artikel mehr.

Saatbettbereitung Blumenwiese
Die Grassoden landen kopfüber wieder im Erdloch

Aber jetzt wieder zurück zum Umgraben. Nachdem ich den sandigen Unterboden herauf geholt und getrennt gelagert habe, habe ich die Grassoden mitsamt der anhaftetenden Erde kopfüber wieder zurück in's Erdloch getan. Darüber den Unterboden. Und dazwischen eine Schicht von diesen Maulwurfshaufen (Die sollen sich angeblich gut als Saat- und Pflanzerde eignen, weil sie wohl unkrautarm sind. Ich hab's noch nie vorher ausprobiert und lass mich jetzt mal überraschen).

Maulwurfhaufen unkrautfreie Saaterde
Vielen Dank an den Maulwurf! Die Erde kann ich grad gut gebrauchen.

Der Unterboden ist also jetzt die oberste Bodenschicht, in die ich in ein paar Wochen das Saatgut einsäe.

 

Alle Schichten müssen auch noch ein bisschen festgetreten werden, weil der Boden sonst zu locker ist.

festtreten und verdichten
Alles durch Festtreten wieder ein bisschen verdichten.

Das Ganze kann man reihenweise machen oder erst die Grassoden der gesamten Fläche abstechen, dann den gesamten Unterboden herauf holen usw.

Ich hab jeden Tag nur ein kleines Stück umgegraben, das war okay. Dafür hat es aber auch über eine Woche gedauert. Nicht schlimm, wir haben erst Anfang März und somit noch viel Zeit.

Blumenwiese Saatbettbereitung
Schon ein ganzes Stück geschafft!

Am Ende sind bei mir ein paar Grassoden übrig geblieben, weil ich es nicht geschafft habe, sie im Erdloch lückenfrei zu verlegen. Also passten nicht alle rein. Jetzt ist auch das Bodenniveau des Saatbetts noch unterhalb der umgebenden Fläche, mir fehlt einfach etwas Unterboden. Den werde ich mir in den nächsten Tagen, wenn es mal nicht regnet, an anderer Stelle im Garten besorgen und das dabei entstehende Loch mit den übrig gebliebenen Grassoden auffüllen. Dazu gibt es dann noch mal ein Update.

 

***

Update: Geschafft! Bei schönem Wetter haben wir das Saatbett fertig gestellt. Es hat sich so ergeben, dass ich den sandigen Aushub von vier Fundamenten, die bei uns neben der Terrasse gesetzt werden mussten, verwenden konnte. Der war zwar leicht mit altem Bauschutt versetzt, aber der war leicht zu entfernen.

 

Die rechte, helle Seite der Fläche ist das eigentliche Saatbett mit der Schicht des hellen Sandes vom Aushub oben drauf. Die dunkle, linke Seite ist ein Muttererde-Sand-Gemisch, dass an der Stelle liegen geblieben ist, wo die Grassoden lagen. Das habe ich über der darunter liegenden Grasnarbe glatt geharkt und beschlossen, es auch zu besäen. Auf den Unterschied zwischen beiden Seiten bin ich schon gespannt.

Saatbett für eine kleines Stück Blumenwiese
Links das Muttererde-Sand-Gemisch, rechts das Blumenwiesen-Saatbett

WIE UND WANN GEHT ES WEITER?

So, das war der erste Schritt hin zur schönen Blumenwiese. Glückerweise war das schon der anstrengendste, alle weiteren werden dagegen ein Kinderspiel.

Nun lass ich den Boden erst mal ruhen. Die Einsaat nehme ich erst im April vor, wenn es etwas wärmer ist. Der Vorteil dabei ist, dass die Blumensamen bei höheren Temperaturen schneller keimen und nicht so lange auf dem Boden liegen müssen, wo sie gefressen werden können.

 

Warum dann die Saatbettbereitung schon im März? Viele Unkrautsamen fangen jetzt bei schönem Wetter an zu keimen. Weil meine Fläche zwar unkrautarm, aber sicher nicht unkrautfrei ist, habe ich es in den nächsten Wochen leicht, den ungewünschten Bewuchs zu entfernen. Um so geringer ist der Unkrautdruck später nach der Einsaat.

Im April geht es dann weiter mit den Themen Saatgut, Aussaat, Bewässerung und vielleicht auch Unkraut.

Um das nicht zu verpassen, könnt ihr regelmäßig vorbei schauen oder euch per E-Mail von mir benachrichtigen lassen.

Jetzt wünsche ich erst mal allen fleißigen Blumenwiesenfreunden viel Erfolg bei der Saatbettbereitung der eigenen Blumenwiese!



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Kommentare: 3
  • #1

    Anke (Mittwoch, 04 März 2020 11:45)

    Juchuu. Vielen lieben Dank. Jetzt kann ich ja dann auch bald loslegen. Freu mich schon auf die nächsten Artikel von dir. Und beruhigend, das ich nicht alleine bin.
    LG Anke

  • #2

    Mareike (Mittwoch, 04 März 2020 15:39)

    Re: Anke
    es freut mich, dass ich dir helfen kann! Und dass du die harte Arbeit auf dich nimmst! Wir sind tatsächlich nicht die einzigen, die so einen Spleen haben. ;-)
    Ich freu mich auf jeden Fall schon auf den Sommer, wenn die ersten Blümchen der Aussaat blühen!
    LG Mareike

  • #3

    Jens (Sonntag, 29 März 2020 19:43)

    Moin Mareike,
    auch ich arbeite gerade an der Anlage einer Wildblumenwiese - inspiriert durch deine Seite hier :-)
    Ich habe jetzt am Wochenende in unsererm Garten eine brachliegende Fläche von knapp 100 qm etwa 20 cm hoch mit Füllsand aus der Kiesgrube aufgefüllt und verdichtet (10 cbm/26 to mit der Schubkarre)...
    Wie dick sollte denn die einzuarbeitende Schicht Mutterboden sein? Sind 5 cm zu viel?
    Und nehme ich Mutterboden (gibts im Kieswerk), oder besser Blumenerde?
    LG aus Klein Pampau, Jens