MEHR ARTENVIELFALT IM GARTEN - DIE BESTEN ELEMENTE FÜR EINEN LEBENDIGEN NATURGARTEN

Wenn ich vor einem neuen Garten stehen würde (was ich zur Zeit tue) und überlegen müsste, wie ich ihn am effektivsten in einen Naturgarten verwandeln könnte, in dem es viel Lebensraum und Nahrung für eine Vielzahl an Tierarten gibt, dann würde ich als erstes diese Maßnahmen umsetzen.

Sie funktionieren sehr zuverlässig und locken unheimlich viele verschiedene Tiere an. Die meisten von ihnen sind leicht umzusetzen, sehr variabel in ihren Größen und können daher auch gut an kleine Gärten angepasst werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Garten nach Norden oder Süden ausgerichtet, eher schattig oder sonnig, feucht oder trocken ist. Diese Naturgarten-Elemente bringen immer etwas für die Natur, nur ziehen sie je nach Standort ganz verschiedene Arten an.

 

Man muss aber nicht gleich jedes dieser Elemente in seinem Garten unterbringen, wenn es absolut nicht passt. Zwei oder drei großzügig ausgeführte bringen meist mehr, als viele zu kleine und zusammengequetschte.

 

Und natürlich ist ein Teich nicht automatisch super tierfreundlich und eine Blumenwiese ist auch nicht zwangsläufig ein Hotspot der Diversität. Es gibt einige Dinge, die man bei der Anlage beachten sollte. Deswegen möchte ich auf die einzelnen Elemente jetzt noch etwas genauer eingehen.

 

Dabei hoffe ich, dass ich jedem, der gerade anfängt sich mit dem Thema Naturgarten zu beschäftigen, helfen kann, sein persönliches wuselndes und zwitscherndes Biotop zu erschaffen.

 

Los geht's...

WILDBLUMENWIESEN UND BLÜTENSÄUME

Mein liebster, bester Nr.1 Tipp ist die Anlage einer Wildblumenwiese und/oder eines Blütensaums. Beide bringen über einen längeren Zeitraum wunderschöne Blüten hervor, an denen sich Schmetterlinge und Wildbienen richtig auftanken können. Hier ist eigentlich immer etwas los, auch nachts schwirrt und summt es geschäftig um die vielen Blumen herum. Außerdem finden Vögel auf Blumenwiesen viel Futter, ob in Form von Samen oder Insekten.

Blumenwiese mit Karthäusernelken
Magere Wildblumenwiese

Auf was sollte man bei Blumenwiesen und Blütensäumen achten?

Sehr wichtig: Auf geeignetes Saatgut! Die enthaltenen Blumenarten sollten einheimisch sein, denn tatsächlich bringen Exoten unseren heimischen Tierarten nicht viel, weil sie an diese nicht angepasst sind.

 

Und vor allem sollten es, wenn man eine Blumenwiese anlegt, WIESENBLUMEN sein. Das bedeutet mehrjährig, nicht ein- oder zweijährig, wie in vielen günstigen Supermarkt-Mischungen. (Weil das Thema etwas umfangreicher ist, empfehle ich diesen Artikel, um geeignetes Saatgut zu finden.)

Färberkamille
Färberkamille

Anders sieht es bei Blütensäumen aus, die man z. B. entlang einer Hecke, einer Mauer oder eines Zauns anlegt. Dafür eignen sich sowohl Wiesenblumen, als auch ein- und zweijährige Arten, die sich hier immer wieder neu aussäen können.

Silberblatt Blüte
Silberblatt und Knoblauchsrauke als Blütensaum am Zaun

Geeignete Wildblumen für einen Blumensaum sind zum Beispiel: Nachtviole, Silberblatt, Nachtkerze, Johanniskraut, Knoblauchsrauke, Pfirsich-Glockenblume, Margerite, Blauer Lein, Bunte Kronwicke, Fingerhut, Ringelblume, Taubenkropf-Leimkraut, Königskerze, Wilde Möhre.

Nachtkerze
Nachtkerze

Dem Thema Blumenwiese habe ich schon diverse Artikel gewidmet, in denen es weiterführende Informationen gibt. Siehe hier:

 

Saatgut

Saatbettbereitung

Pflege

Die Artikelserie Wildblumenwiese 2020

Gras in der Blumenwiese: Ja oder Nein?

 

Auch einen Blütensaum-Artikel hab ich im Angebot:

Ein Blütensaum für den Aurorafalter  

 

Weiter geht's!


FISCHFREIER TEICH

Möchte man die Artenvielfalt im Garten deutlich erhöhen, kommt man an einem Teich eigentlich nicht vorbei. Das liegt allein schon daran, dass er zusätzlich Lebensraum für die große Gruppe der Wassertiere bietet.

 

Man kann diese Artenvielfalt aber auch sehr schnell wieder zunichte machen, indem man den Teich mit Fischen besetzt. Diese benötigt man übrigens nicht, um einer Mückenplage vorzubeugen. In sonniger Lage gibt es auch unter den anderen Wasserbewohnern viele, die es auf Mückenlarven abgesehen haben.

Leider fehlen in unserer Landschaft heutzutage die kleinen, fischfreien Gewässer. Diese wurden fast alle eingeebnet, um bei der Feldbearbeitung nicht immer drum herum fahren zu müssen. In unseren Gärten können wir wenigstens ein kleines bisschen Wiedergutmachung leisten und diese Biotope wieder neu erschaffen.

Ringelnatter im Gartenteich
Schaut ab und zu in Gartenteichen vorbei: Die Ringelnatter

Es ist zwar so, dass ein größerer Teich, der in seiner Gestaltung abwechslungsreicher ist, mehr Tiere anzieht, aber auch ein kleiner Teich mit nur wenigen Quadratmetern Grundfläche kann ein ausgesprochen wertvolles und interessantes Biotop sein. Denn Libellen, Grasfrösche, Erdkröten und Teichmolche sind bei der Gewässerwahl gar nicht so anspruchsvoll und stellen sich in größeren wie in kleineren Teichen meist von alleine ein, wenn es sie in der näheren Umgebung schon gibt.

fischfreier Teich für Frösche
Kleiner Wasserfrosch (oder Teichfrosch) als einer der ersten Bewohner im noch vegetationslosen Teich.

Manchmal ist ein Teich aber auch für Überraschungen gut und es siedeln sich seltenere Tierarten an, mit denen man nicht gerechnet hätte. All das sorgt dafür, dass ein fischfreier Teich niemals langweilig wird.

Pelobates fuscus
Deutlich unwahrscheinlicher im Gartenteich anzutreffen und trotzdem da: Die Knoblauchkröte.

Auf was sollte man bei der Anlage eines Teiches achten?

Gute Bauanleitungen für Naturteiche gibt es im Internet mehr als genug. Von diesen kann man sich eigentlich aussuchen, was am besten gefällt. Aber auf ein paar Kleinigkeiten sollte man trotzdem achten.

 

Zum Beispiel auf nicht allzu steile Teichwände (einige Tiere können den Teich dann nicht mehr verlassen und ertrinken), weswegen die vorgeformten Fertigwannen weniger gut geeignet sind.

 

In sehr kleinen Gärten sind derzeit Mini-Teiche (z. B. Zinkwannen) der absolute Trend, die einfach auf dem Boden stehen. Was hübsch aussieht, ist aber aus ökologischer Sicht ziemlich nutzlos, weil diese Wannen nur von sehr wenigen Tierarten besiedelt werden können (z. B. zahlreich von Mückenlarven, aber weniger von ihren Fressfeinden). Auch Mini-Teiche sollten immer in den Boden eingelassen werden.

 

Bei der Pflanzenwahl für einen naturnahen Gartenteich sollte man, wie bei den Blumenwiesen und -säumen auch, auf einheimische Wasserpflanzen achten (eine kleine Übersicht dazu gibt es hier).

 

Und ganz wichtig: Auf Technik weitestgehend verzichten! Diese richtet meist mehr Schaden an, als dass sie nützt und ist in einem fischfreien Teich sowieso unnötig. Die Reinigungsleistung der vielen Kleinstlebewesen ist allemal höher als die eines Filters.


STEINHAUFEN UND TROCKENMAUERN

Wenn die Blumenwiese oder der Teich keine Option ist, weil der Platz zu knapp ist oder der Mietvertrag einem dahingehend keine Freiheiten lässt, muss man auf Artenvielfalt trotzdem nicht verzichten. Eine gute Möglichkeit, schnell, einfach und reversibel Lebensraum zu schaffen, ist der Bau eines Steinhaufens oder einer Trockenmauer.

 

In unserem Ferienhausgarten haben wir mit einer solchen Trockenmauer die hässliche Fliesen!-Umrandung unserer Terrasse aufgewertet. Sie hat weder Fundament noch irgendein Füllmaterial, sondern ist einfach an die ursprüngliche Umrandung angelehnt. Trotzdem haben sich die Waldeidechsen nicht zweimal bitten lassen und sind umgehend eingezogen.

Trockenmauer für Eidechsen
Waldeidechsen auf der Trockenmauer

Hat man keinen Platz für eine Trockenmauer, ist ein Steinhaufen an einem sonnigen Plätzchen eine ebenso gute Wahl. Diese Steinburgen werden von verschiedenen Eidechsenarten bewohnt und bieten auch anderen Tierarten Unterschlupf, wie z. B. Kröten und Molchen. Viele kleine Tiere, die uns als Nützlinge im Garten behilflich sind, siedeln sich ebenfalls an.

Steinhaufen mit Waldeidechse
Wenn Steinhaufen etwas eingewachsen sind, werden sie von den Tieren besser angenommen.

Auf was sollte man bei Trockenmauern und Steinhaufen achten?

Die Steingröße und die sonnige Lage sind zwei Punkte, auf die man achten sollte. Steine mit einem Durchmesser unterhalb von 15 cm eignen sich weniger gut, weil keine ausreichend großen Höhlen entstehen, in die sich die Eidechsen zurückziehen können. Außerdem dürfen bei der Trockenmauer die Fugen und Löcher zwischen den Steinen nicht mit Mörtel oder ähnlichem verklebt werden (was der Name Trockenmauer ja auch bedeutet).

 

Eine detaillierte Anleitung für den Bau einer Reptilienburg, die sogar mit einer Überwinterungsmöglichkeit für Eidechsen oder Schlangen ausgestattet ist, habe ich auf dieser Seite zusammengestellt.


TOTHOLZ

Ähnlich wertvoll wie ein Steinhaufen ist auch ein Haufen Totholz. Gegenüber den Steinen hat Totholz sogar einen Vorteil: Es ist nicht nur Unterschlupf, sondern selbst auch Futter für viele Tierchen. Unzählige Insekten- und andere Kleintierarten ernähren sich von ihm und wandeln es allmählich in Humus um. Kein Wunder, dass Kröten, Eidechsen und Molche hier reichlich Futter finden.

Totholz
Totholzhaufen

Übrigens leben in seinem Schutz auch jede Menge räuberische Käfer und deren Larven, die sich sehr gerne über die gefräßigen Spanischen Nacktschnecken hermachen.

Phosphuga atrata
Ein Schwarzer Schneckenjäger verspeist ein Jungtier der Spanischen Wegschnecke.

Auf was sollte man beim Totholz achten?

Totholz ist tatsächlich immer wertvoll, ob aus dünnen Zweigen aufgeschichtet oder aus dicken Holzstämmen. Am besten von allem etwas. Man verwendet einfach, was der eigene Garten hergibt. Einzige Einschränkung: Viele Reptilien mögen kein harziges Nadelholz.


HECKEN UND BÄUME

So richtig abrunden kann man seinen Naturgarten, wenn man auch bei der Wahl der Heckenpflanzen und Bäume bei den einheimischen Arten bleibt.

 

Hecken sind so viel mehr als nur Sichtschutz. Eine Mischhecke aus z. B. Wildrose, Schlehe, Weißdorn, Hasel und Holunder blüht im Frühling bzw. Frühsommer wunderschön und lockt Insekten an. Im Herbst und Winter spendet sie vielen Vögeln und Säugetieren vitamin- und nährstoffreiche Früchte. Da kann eine Thuja- oder Bambushecke einfach nicht mithalten.

Prunus spinosa
Der Schlehdorn ist im April übberreich mit Blüten bedeckt. Hier brüten Nachtigall, Grasmücke und Neuntöter.

Das gleiche gilt natürlich auch für Bäume. Weiden, Obstgehölze, Vogelbeeren und Eichen sind für Vögel wie für Insekten von unschätzbarem Wert.

Vogelbeere mit reifen Früchten
Die Vogelbeere ist ein sehr gutes Vogelnährgehölz

Im Schutz der Zweige finden zahlreiche Vogelarten geeignete Nistmöglichkeiten und Futter für ihre Jungen.

Auf was sollte man bei Heckenpflanzen und Bäumen achten?

Natürlich in erster Linie darauf, dass sie einheimisch sind. Daneben sollten solche Arten gewählt werden, die von der Größe her zum verfügbaren Platz im Garten passen. Mit Schnitt lassen sich die meisten zwar gut im Zaum halten, allerdings ist der ökologische Nutzen deutlich geringer, wenn man den Heckenpflanzen jedes Jahr auf's neue die Blüten und Fruchtansätze wegschneiden muss.

So, das waren die besten Naturgarten-Elemente, die schon unser kleines Ferienhaus-Gärtchen in ein wuselndes Paradies verwandelt haben und ich hoffe, das schaffen sie in euren Gärten auch!


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Kommentare: 2
  • #1

    Janina (Donnerstag, 04 Juni 2020 11:02)

    DANKE für deinen Blog!!
    Ich interessiere mich sehr dafür, mein Gärtchen tier- und umweltfreundlicher zu gestalten und deine Tipps sind so unheimlich wertvoll und hilfreich. Danke für Zeit, die du in diese Webseite investierst :-)

    Ganz liebe Grüße
    Janina

  • #2

    Mareike (Donnerstag, 04 Juni 2020 11:51)

    Hallo Janina,
    vielen Dank für die lieben Worte!
    Ich freue mich, wenn meine Seite anderen naturfreundlichen Gärtnern bei der Umgestaltung hilft �
    LG Mareike