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WILDBLUMENWIESE 2020: DER ERSTE SCHNITT

Blumenwiese mähen
Vollblüte der Einjährigen in meiner kleinen Blumenwiese

Es ist soweit! Gerade haben wir uns noch an der Blütenpracht erfreut, da muss sie auch schon wieder runter. Ich finde, das ist der schwierigste Schritt des gesamten Anlage-Prozesses. Weil ich nicht nur die Blumen gerne anschaue, sondern auch die Bienen, Schmetterlinge, Libellen und Schwebfliegen stundenlang beobachten könnte, blutet mir bei dem, was jetzt kommt, regelrecht das Herz. Besonders wegen der vielen Kleintiere.

 

Deshalb stellt sich gleich mal die erste und wichtigste Frage:

MÜSSEN  DIE  EINJÄHRIGEN  AUF  EINER  BLUMENWIESE  WIRKLICH  ABGEMÄHT  WERDEN?

Leider ja. Fast immer. Denn die Einjährigen entwickeln sich schneller als die Wiesenblumen. Dadurch entziehen sie ihnen Wasser, Nährstoffe und Licht und können die Wiesenblumen dabei so stark unterdrücken, dass ein Teil von ihnen abstirbt. Dieser Anteil darf nicht zu groß werden, deshalb verschaffen wir ihnen mit dem ersten Schnitt wieder Licht und Luft.

Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen ein Schnitt im ersten Jahr unnötig ist. Wenn nähmlich der Boden der Blumenwiese sehr nährstoffarm ist und auch die Einjährigen nur lückig wachsen, kann auf die Mahd verzichtet werden.

Ein guter Anhaltspunkt ist: Wenn man selbst zur Blüte der Einjährigen beim Draufschauen auf die Blumenwiese noch recht viel vom Boden sieht, braucht nicht gemäht zu werden.

KANN  ICH  DAS  SCHNITTGUT  MEINER  BLUMENWIESE  LIEGEN  LASSEN?

WICHTIG: Das Schnittgut der Blumenwiesen muss immer spätestens nach zwei Tagen abgeräumt werden! Bleibt es liegen, unterdrückt es zunächst die darunter wachsenden Pflanzen. Im weiteren Verlauf sorgt es für eine Humus- und Nährstoffanreicherung im Boden, wodurch konkurrenzstarke Gräser und Allerweltsarten gefördert werden. Für die Entwicklung der Blumenwiese ist aber der Erhalt des nährstoffarmen Charakters der Fläche wichtig.

ABER: Es ist sinnvoll, das Schnittgut für ca. 1-2 Tage liegen zu lassen, um den Blumen die Möglichkeit zu geben sich auszusamen. Dafür sollte man nur dann mähen, wenn das Wetter für ein paar Tage sonnig und niederschlagsfrei bleibt.

 

Beim Schnitt der Einjährigen ist dieser Schritt allerdings optional. Wer möchte, dass auch in Zukunft hier und da in seiner Blumenwiese mal ein Klatschmohn oder eine Kornrade auftaucht, lässt es liegen (Voraussetzung dafür ist eine geringe Unkrautbelastung des Aufwuchses). Wer es nicht möchte, räumt es dirkt nach dem Mähen ab.

 

Es ist jedenfalls unwahrscheinlich, dass trotz des Aussamens die Einjährigen im Folgejahr noch mal so üppig wachsen und blühen, wie im ersten. Dafür bräuchten sie "gestörten", also frisch umgegrabenen Boden, und den gibt es jetzt erst mal nicht mehr.

WOMIT  WIRD  DIE  BLUMENWIESE  GEMÄHT?

Beim Versuch, eine stängelige Blumenwiese mit einem Rasenmäher zu mähen, würde man schnell an dessen Grenzen stoßen. Nicht nur kann der Rasenmäher dabei beschädigt werden, es funktioniert wegen der relativ harten, langen Stängel meist gar nicht erst.

Wer es bei einem einigermaßen kurzen und weichen Aufwuchs trotzdem versuchen möchte, dem sei gesagt, das der Rasenmäher nicht nur den gesamten Aufwuchs kurz und klein häckselt. Auch alle tierischen Bewohner, die nicht schnell genug fliehen können, werden auf diese Weise zerkleinert.

Blumenwiesen werden deshalb normalerweise schonend mit Balken- oder Kreiselmäher gemäht. Dieser häckselt die geschnittenen Halme nicht, sondern legt sie im Ganzen auf der Wiese ab. Dadurch kann das Mähgut anschließend auch als Tierfutter weiterverwendet werden. Für größere Flächen sind diese Geräte deshalb die ideale Lösung.

Viele Blumenwiesen in Privatgärten sind jedoch eher klein, die oben genannten Geräte sind hingegen teuer und lohnen sich daher oft nicht in der Anschaffung. Die beste Alternative für eine sanfte Mahd ist für diesen Fall die gute, alte Sense oder sogar die Wildwuchssense*.

Aber die Benutzung erfordert etwas Übung, vor allem auch, um in der richtigen Höhe zu mähen. (Leider tauge ich nicht als Vorbild im Sensen. Ich benutze sie zwar manchmal, aber so sauber, schwungvoll und rückenschonend wie bei meinem Vater und Großvater wird's nicht. Deswegen verzichte ich hier lieber auf eine Video-Anleitung.)

Für ganz kleine Flächen reicht sogar die Kleinsense*.

Man muss übrigens nicht unbedingt eine Neuanschaffung tätigen. Einige Geräte, die man schon im Schuppen hat, kann man auch zum Mähen der Blumenwiese zweckentfremden. Zum Beispiel eine elektrische Heckenschere oder eine Motorsense. Sanfter, leiser und umweltfreundlicher sind natürlich die Varianten ohne Strom.

DIE  IDEALE  SCHNITTHÖHE

Eine Blumenwiese wird nicht so tief geschnitten wie ein Rasen, denn die empfindlichen bodennahen Blattrosetten der Wiesenblumen könnten dabei zerstört werden, was wiederum zum Absterben führen kann. Mit einer Schnitthöhe von rund 8-10 cm kann man hingegen nicht viel falsch machen.

Blumenwiese mähen
Das meiste ist runter.

DER  KOMPROMISS  -  DIE  TEILMAHD

Und jetzt für alle, die unter dem Abmähen so leiden wie ich. Die Lösung heißt Teilmahd. Dabei unterteilt man die Blumenwiese entweder in zwei Bereiche und mäht den einen früher und den anderen ca. zwei Wochen später.

Oder man beginnt damit, jeden Tag (oder jeden zweiten) ein kleines Stück der Wiese abzumähen. Diese Variante ist besonders empfehlenswert, wenn man Tiere hat, die mit dem frischen Schnittgut gefüttert werden können.

In jedem Fall ist der Einschnitt für die tierischen Bewohner und Besucher der Blumenwiese weniger gravierend, wenn auch die Wiesenblumen des später gemähten Bereiches ein bisschen unter dieser Methode leiden.

Aber eine Ausrede gibt es jetzt nicht mehr! Also, auf geht's!


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